Definition

SAP

Mitarbeiter: Tom Payne, Cecil Roets, David Schlanderer, Jawad Akhtar, Diann Daniel und Tobias Wendehost

SAP ist ein globales Softwareunternehmen und einer der größten Anbieter von ERP- und anderen Unternehmensanwendungen. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Walldorf (Baden-Württemberg). Laut dem eigenen Faktenblatt aus dem Jahr 2016 betreut SAP über 335.000 Kunden in 190 Ländern. Davon sind 80 Prozent Klein- und Mittelstandsunternehmen (KMU). Das belegt die Abkehr vom ursprünglichen Unternehmensfokus auf Großbetriebe. Laut SAP kommen 75 Prozent aller globalen Geschäftsaktivitäten mit einem SAP-System in Kontakt.

Das Unternehmen bietet heute On-Premises-, Cloud- und Hybrid-Infrastrukturen an, davon steht Cloud Computing im Fokus der Unternehmenszukunft. Auf der Forbes-Liste der weltweit größten börsennotierten Softwareunternehmen im Jahr 2016 war SAP hinter Microsoft (1) und Oracle (2) als drittgrößtes Software- und Programmierunternehmen gelistet.

Das ERP-System von SAP ermöglicht Unternehmen ihre Geschäftsprozesse, zum Beispiel Buchhaltung, Vertrieb, Produktion, Personalverwaltung oder Kontoführung, in einer vollständig integrierten IT-Umgebung zu betreiben. Dank dieser Integration können die Informationen eines SAP-Moduls direkt von einem anderen Modul genutzt werden, ohne dass eine neue redundante Dateneingabe erforderlich ist. Das erleichtert die Einhaltung von Finanz-, Betriebs- und Rechtsvorschriften.

Das ERP-System von SAP ermöglicht auch eine effektivere Nutzung der Unternehmensressourcen (das R in ERP), also Maschinen, Fertigungskapazitäten, Manpower oder andere Produktionsmittel. Diese Verbesserungen basieren auf einer sehr detaillierten Planung aller verfügbaren Ressourcen (das P in ERP).

Die Geschichte von SAP

SAP wurde 1972 von fünf ehemaligen IBM-Mitarbeitern in Mannheim gegründet. Der Name SAP stand ursprünglich für Systeme, Anwendungen und Produkte. Die anfängliche Idee von SAP war es, dass die Anwender über eine gemeinsame Datenbank in die Lage versetzt werden sollten, in Echtzeit ein umfassendes Anwendungsspektrum zu nutzen.

Im Jahr 1973 veröffentlichte SAP das Finanzbuchhaltungssystem R/1 für IBM-Server und DOS. Es hatte eine einstufige Architektur. Das heißt, Ausgaben, Anwendungen und Daten waren auf einer gemeinsamen Plattform vereint.

Im Jahr 1979 veröffentlichte SAP R/2, ein Mainframe-System, das Echtzeit-Datenverarbeitung von Buchhaltung, Fertigung, Lieferkette und Personal-Management ermöglichte. R/2 verwendete eine zweistufige Architektur, bei der sich auf einer Plattform die Ausgaben befanden, wogegen die Anwendungsprogramme und -daten auf einer anderen Plattform lagen. R/2 löste ein deutliches SAP-Wachstum aus. Die Kundenbasis stieg auf über 200 Unternehmen an.

Im Jahr 1992 veröffentlichte SAP R/3 und vollzog damit den Wechsel vom Mainframe-Computing zur Client-Server-Architektur sowie von einer zweistufigen auf eine dreistufige Architektur. Hier waren Ausgaben, Anwendungen und Daten jeweils auf separaten Ebenen angeordnet. R/3 war ein entscheidendes Produkt für SAP, mit dem das Unternehmen Weltgeltung erreichte.

Im Jahr 1999 startete SAP mySAP. Damit begann für das Unternehmen ein neuer Fokus. Erstmals wurden jetzt R/3-Anwendungen mit E-Commerce-Programmen kombiniert. Ein Jahr nach der Freigabe von R/3 ging SAP eine Partnerschaft mit Microsoft ein, um die neue Version auch auf Windows NT zu portieren. 1997 beschäftigte SAP 13.000 Mitarbeiter.

Im Frühjahr 2004 stellte das Unternehmen NetWeaver vor. Später meldete SAP, dass noch im selben Jahr über 1.000 Kunden diese Entwicklungsplattform erworben hatten. Ebenfalls im Jahr 2004 wurde das Nachfolge-ERP-System SAP ERP Central Component (ECC) veröffentlicht. Kunden, die noch R/2 oder R/3 im Einsatz hatten, wurden zwar weiterhin unterstützt, doch alle Neukunden waren verpflichtet, SAP ECC zu implementieren. Im Jahr 2005 erzielte SAP mit 35.800 Mitarbeitern weltweit einen Umsatz von 8,5 Milliarden US-Dollar.

Im Jahr 2006 erlebte das Unternehmen einen kräftigen Umsatzschub durch die ERP-Pakete SAP Business All-in-One und SAP Business One, beides ERP-Versionen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU).

Im Jahr 2009 wurde die SAP Business Suite 7 für alle Kunden weltweit verfügbar. Damals sagte das Unternehmen dazu, dass diese Suite die nächste SAP-Softwaregeneration sei, die auf einer serviceorientierten Architektur (SOA) aufsetzt.

Im Jahr 2011 startete das Unternehmen SAP HANA, eine In-Memory-Datenbankplattform. HANA war ein bedeutendes Entwicklungsprojekt für SAP und wurde zur Grundlage für eine neue strategische Ausrichtung des Unternehmens. Ziel war es, mit SAP HANA traditionelle relationale Datenbanken zu ersetzen, die bis dahin das Herzstück aller SAP-Anwendungen bildeten. Zunächst bot SAP die HANA-Plattform als eine Option für die Business Suite an. Doch 2015 erschien S/4HANA, eine ehrgeizige, komplett umgeschriebene Business Suite, die speziell für die HANA-Plattform optimiert war.

Seit April 2014 ist Bill McDermott CEO von SAP. Zuvor war er zusammen mit Jim Hagemann Snabe Co-CEO.  Inzwischen ist der Firmenmitgründer Hasso Plattner Mitglied des Aufsichtsrats, wo er noch immer an der technologischen Strategie des Unternehmens mitwirkt.

Liste der SAP-Module und Anwendungen

Das SAP-ERP-System, auch SAP ECC genannt, ist der Oberbegriff für die Anwendungs- und Systemmodule von SAP, mit denen Unternehmen ihre Geschäftsprozesse innerhalb eines einheitlichen Systems managen können. ECC ist die On-Premises-Version, die normalerweise in mittleren und großen Unternehmen implementiert wird. Kleineren Unternehmen bietet SAP seine ERP-Plattform Business One an.

SAP ERP besteht aus verschiedenen Hauptmodulen, die in Anwendungs- und Systemmodule unterteilt sind. Jedes Modul enthält weitere Untermodule.

Zu den SAP-Anwendungsmodulen gehören unter anderem:

  • Personalwirtschaft (Huma Capital Management, HCM)
  • Produktionsplanung und -steuerung (PP)
  • Materialwirtschaft (MM)
  • Projektabwicklung (PS)
  • Vertrieb (SD)
  • Instandhaltung (PM)
  • Finanzbuchhaltung (FI)
  • Qualitätsmanagement (QM)
  • Controlling (CO)

SAP bietet auch Querschnittsanwendungen, die zusammen mit jedem Hauptmodul implementiert werden können. Dazu gehören unter anderem:

Zu den Systemmodulen zählen:

Außerdem bietet SAP auch vertikale Anwendungen an, in denen besondere branchenspezifische Geschäftsprozesse unterstützt werden.

Hierzu gehören unter anderen:

  • SAP for Utilities
  • SAP for Insurance
  • SAP for Oil and Gas
  • SAP Healthcare

Die SAP Business Suite ist eine Ansammlung von Geschäftsanwendungen, die eine Integration des Business mit allen Abläufen bietet. Hinzu kommen noch branchenspezifische Funktionen. Herzstück der Business Suite ist SAP ERP, das mit verschiedenen Modulen ergänzt wurde. Hierzu gehören Customer Relationship Management (CRM), Product Lifecycle Management (PLM), Supply Chain Management (SCM) und Supplier Relationship Management (SRM).

SAP-Kunden können die Business Suite wahlweise auch auf der In-Memory-Plattform HANA betreiben, was sich vor allem bei der Verarbeitung von sehr großen Datenmengen in Echtzeit anbietet.

S/4HANA ist die In-Memory-Version der Business Suite und läuft auf Basis von HANA. Laut SAP soll S/4HANA die Komplexität der SAP-Lösungen reduzieren. S/4HANA wird wahrscheinlich in Zukunft irgendwann SAP ECC komplett ersetzen.

SAP Fiori ist ein Satz von SAP-Apps, von denen die ersten 25 im Jahr 2013 veröffentlicht wurden. Diese App-Plattform soll in Zukunft die Basis für das User Interface (UI) aller Anwendungen bilden. In der Vergangenheit wurde SAP häufig wegen der Komplexität seiner UIs und der User Experience (UX) kritisiert, doch mit SAP Fiori soll sich das bessern. Einige der Fiori-Apps laufen ausschließlich auf S/4HANA und laut SAP soll diese Kombination stärker ausgebaut werden.

Noch eine Anmerkung zu dem Begriff Modul: In ECC lautet der richtige Begriff Komponente. Doch aufgrund der immer noch weit verbreiteten Nutzung von R/3 ist der Begriff Modul gebräuchlich. Folglich werden die Begriffe wechselseitig verwendet: Modul auch im Zusammenhang mit ECC und Komponente auch bei R/3. Unabhängig von diesem Begriffswirrwarr sind die Funktionsumfänge aber stets gleich – egal, ob sie mit Komponenten oder Module bezeichnet werden.

SAP NetWeaver

Im Jahr 2001 traf SAP eine bedeutende Entscheidung: Die bis dahin proprietäre SAP-Technologie sollte geöffnet werden, damit sie über die NetWeaver-Plattform frei programmierbar ist. Das Interesse daran war groß, denn es war praktisch die erste vollständig interoperable, webbasierte und anwendungsübergreifende Plattform, auf der man nicht nur SAP-bezogene Anwendungen erstellen konnte, sondern auch andere.

Die Plattform ermöglicht die Nutzung von standardisierten Webservices, um damit schnell neue Anwendungen für Business-Anforderungen zu entwickeln. SAP NetWeaver ist die technologische Basis und Hauptplattform von SAP. Auf Basis einer serviceorientierten Architektur (SOA) bietet NetWeaver eine Reihe von Tools zum Aufbau und zur Integration von Applikationen mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Quellen und Orte.

Als Teil der mySAP-Produktgruppe kann SAP NetWeaver auch erweitert werden, denn es ist mit anderen Entwicklungsplattformen kompatibel. Dazu gehören unter anderen Microsofts .NET, IBM WebSphere und Oracle Java.

SAP Labs und Akquisitionen

SAP wirbt damit, dass es Wachstum vor allem durch interne Innovationen erreichen möchte. Hierzu dienen eigene Produktentwicklungen und Produktverbesserungen. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung war der Aufbau der SAP Labs, in denen die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für alle Kernprodukte erfolgen. Diese Labs befinden sich in den großen High-Tech-Clustern auf der ganzen Welt, darunter Bangalore (Indien) und Palo Alto (Kalifornien, USA).

Um seine Technologielücken zu füllen, verfolgt SAP neben dem organischen Wachstum auch eine aggressive Akquisitionsstrategie. Seit 1996 hat das Unternehmen mehr als 60 Akquisitionen getätigt. Ein Schwerpunkt war dabei der Aufbau seiner Cloud-Computing- und Mobile-Angebote. Die Akquisition von Technologieunternehmen hat mit dazu beigetragen, dass sich die Angebote von SAP deutlich ausgeweitet haben.

Nachfolgend sechs beispielhafte Akquisitionen für diese Aktivitäten:

  • Concur Technologies (2014), ein SaaS-Angebot unter anderem für das Managen von Reisekostenabrechnungen;
  • Fieldglass (2014), ein Cloud-basiertes Management von externen Mitarbeitern (Vendor Management Software, VMS);
  • Hybris (2013), eine E-Commerce-Plattform, die nun Teil der SAP Customer Engagement und Commerce Suite ist;
  • Ariba (2012): ein Cloud-basierter B2B-Marktplatz;
  • SuccessFactors (2011): eine Cloud-basierte Personalverwaltung;
  • BusinessObjects (2007): eine Business-Intelligence-Anwendung.

SAP-Anwendergruppen

Ein wichtiger Bestandteil der Informations- und Kooperationspolitik von SAP sind seine Anwendergruppen. Dabei handelt es sich um unabhängige Non-Profit-Organisationen, die dazu beitragen, dass sich die Mitglieder weiterbilden, stärker engagieren, Networking betreiben und auf diese Art die SAP-Strategie beeinflussen. In diesen Gruppen treffen sich SAP-Mitarbeiter mit SAP-Kunden, um Informationen und Erfahrungen auszutauschen.

Am wichtigsten ist es für SAP natürlich, von den Anwendern Feedback zu erhalten, sowohl bei technischen Belangen, als auch in den Anwendungsbereichen. Die Anwendergruppen sind weltweit nach Regionen organisiert, dazu gehört auch die Deutsche SAP-Anwendergruppe (DSAG).

Diese Definition wurde zuletzt im November 2017 aktualisiert

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