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Branchenspezifische Lösungen: Wenn SAP ERP und SCM nicht genug sind

Die Papierindustrie stellt besondere Anforderungen an SAP ERP und SCM, die über Standardfunktionen hinausgehen. Eine mögliche Lösung finden Sie hier.

Dieser Artikel behandelt

SAP ERP

Die papier- und holzverarbeitende Industrie (Forest, Paper and Packaging) stellt besondere Anforderungen an SAP ERP und das Supply Chain Management (SCM), die oftmals über deren Standardfunktionalitäten hinausgehen.

Im Supply Chain Management müssen Aspekte wie Produktvielfalt, kurzfristige Terminanfragen oder die Verschnittoptimierung berücksichtigt werden. Häufig kommt es zu großen Mengen- und/oder Qualitätsschwankungen bei der Produktion, die sich wiederum auf prozessbedingte Liegezeiten und Auftragszusammenfassungen auswirken. Welche Lösungen eignen sich also, um diese branchenspezifischen Anforderungen flexibel in SAP abzubilden?

In kaum einer anderen Branche ist so viel Flexibilität gefragt wie in der Papier- und Holzverarbeitung. Die umfangreichen Kundeneinzel- und kundenbezogenen Lagerfertigungen führen zu einer hohen Produktvielfalt. Dabei stehen Produkteigenschaften (Fläche, Gewicht und Qualität) häufig erst spät fest, zum Teil erst bei der Erfassung des Kundenauftrags. Dennoch müssen sie über die gesamte Logistikkette berücksichtigt werden. In Abhängigkeit von der Konfiguration des jeweiligen Produkts im Materialstamm beziehungsweise während der Auftragserfassung sind Unternehmen auf eine Materialbedarfsplanung angewiesen, die sich an Produktmerkmalen und Chargen orientiert.

Dabei spielt die Verschnittoptimierung eine wesentliche Rolle. Ihre Qualität bemisst sich jedoch nicht allein an einem minimalen Randbeschnitt. Auch die Anzahl möglicher Abstapelungen sowie Referenzfahrten, beispielsweise bei einer Sägeplanung, beeinflussen die Verschnittoptimierung.

Bei der Papierproduktion steht die Optimierung der Reihenfolge von Schnittbildern und ihre Grammaturen im Fokus, im Packaging spielt hingegen ein regelmäßiger Upgrade der Papierqualität die entscheidende Rolle, um den Randbeschnitt zu minimieren.

Diese Beispiele demonstrieren, wie wichtig die Verschnittoptimierung im Produktionsplanungs- und Fertigungsprozess ist und damit auch ihre Einbindung in SAP ERP und SCM. Branchenspezifische Softwarelösungen unterstützen die Unternehmen in der Produktionsplanung, Fertigungssteuerung und Auftragserfassung.

Großer Funktionsumfang versus Flexibilität

Im Zentrum steht das durchgängige Supply Chain Management, damit Kundenaufträge effizient bearbeitet werden können. Es gilt, die richtige Qualität und Menge zum richtigen Zeitpunkt zu den geringstmöglichen Kosten zu produzieren und zu liefern. Hierfür muss das SCM Produktinformationen in Form von Merkmalen über sämtliche Fertigungsstufen und Bestände hinweg berücksichtigen.

Die notwendige Flexibilität gewährleistet eine Softwarelösung nur dann, wenn sie skaliert und erweitert werden kann, damit sie auch zukünftige Anforderungen erfüllt. Natürlich darf dabei der Zeit- und Kostenfaktor nicht außer Acht gelassen werden. Daher erwarten Unternehmen nicht in erster Linie einen großen Funktionsumfang der IT-Lösung. Viel wichtiger ist die Antwort auf die Frage, ob die Lösung auf die Funktionen fokussiert werden kann, die das jeweilige Unternehmen tatsächlich benötigt.

Das Erstellen von Produktionsplänen geht abgesehen von Kapazitäts- und Materialverfügbarkeiten auch mit technischen Restriktionen und betriebswirtschaftlichen Aspekten wie etwa einer optimalen Maschinenauslastung einher. Gerade Stillstands- und Umrüstzeiten müssen in der holz- und papierverarbeitenden Industrie aufgrund der typischen hohen Anschaffungskosten für Maschinen und Anlagen und der damit verbunden Refinanzierung möglichst gering gehalten werden.

Welche individuellen Anforderungen auch immer an die eingesetzte Lösung gestellt werden, allen gemein ist die Voraussetzung einer hohen Termintreue. Beschaffung und Produktion müssen rechtzeitig gestartet werden, Planer und Disponenten benötigen frühzeitig eine Benachrichtigung bei Ausnahmen. Auf diese Weise entstehen verlässliche und stabile Produktionspläne, mit denen sich ungewollte Unterminierungen wegen kurzfristiger Fertigungsaufträge unterbinden lassen. Sie führen letztendlich zu reduzierten Durchlaufzeiten und einer kontinuierlichen Auslastung der vorhandenen Ressourcen.

Wichtig hierbei: Auch kleinste Abweichungen von Terminen oder Mengen dürfen keine unverhältnismäßigen Um- und Neuplanungen hervorrufen. Wenn Übergangszeiten verkürzt und überlastete Kapazitäten geglättet werden können, steigt die Ressourcenauslastung und mit ihr die Produktivität. Gleichzeitig senkt das Unternehmen durch eine zeitgerechte Planung die Bestände, sowohl im Umlauf als auch in den Zwischenlagern. Doch diese Produktivitätssteigerung tritt nur dann ein, wenn das Supply Chain Management durchgängige Prozesse und eine maximale Transparenz auf Basis konsistenter Stammdaten ermöglicht.

Basis für ein durchgängiges Supply Chain Management

Mit Consilio Mill Industrie hat zum Beispiel Consilio IT-Solutions eine auf SAP SCM APO basierende Lösung entwickelt, welche die Anforderungen der papier- und holzverarbeitende Industrie erfüllt. Die Lösung ermöglicht eine einheitliche und transparente Planungsphilosophie über den gesamten Auftragsabwicklungsprozess von der Akquisition über die Feinplanung bis hin zur Fertigung und dem Versand.

Schon vor dem Auftragseingang lassen sich mit der Blockplanung in Consilio Mill Industrie Material- und Kapazitätsreservierungen für Produktmerkmale einplanen. Sie bietet darüber hinaus die Möglichkeit, auf der Merkmalsebene ein oder mehrere Produktionsfenster pro Anlage zu konzipieren. So können Unternehmen selbst bei sehr kurzfristigen Kundenaufträgen die dafür benötigten Kapazitäten einsetzen und erreichen eine optimale Due Date Performance. Hierzu ermittelt die Lösung automatisch Umlagerungsmöglichkeiten, wodurch in der Produktion zuerst auf Bestände zugegriffen wird, bevor es zu Neuanschaffungen kommt. Ausnahmen wie zum Beispiel eine Terminverletzung oder fehlende Teile kann das Unternehmen frühzeitig erkennen.

Die Verwendung maschinen- und anlagenabhängiger Rüst- und Bearbeitungszeiten führt zu ausführbaren Produktionsplänen und damit zu einem Produktionsgewinn. Ein Höchstmaß an Flexibilität ermöglicht die Lösung, indem sie auch alternative Fertigungswege berücksichtigt. Mit Consilio Mill Industrie erstellen Unternehmen auf Basis von Feinplanungstafeln mehrstufige Planung aus der Produktsicht. Des Weiteren können die Anwender auf umfangreiche vordefinierte Bestandteile zurückgreifen, wie zum Beispiel:

  • Einstellungen zu Stammdaten im ERP und in SCM APO;
  • CIF-Schnittstelle und Integrationsmodelle;
  • Benutzer- und Planungsprofile basierend auf Merkmalen;
  • Customizing des Produktionsplanungsablaufs;
  • Customizing von Planungsheuristiken (Beschaffungs- und Serviceheuristiken);
  • Einstellungen der Feinplanungstafel zur Auswertung von Ressourcenauslastungen;
  • flexible Merkmalsanzeige in den Zusatzspalten der Ressourcenplantafel oder Feinplantafel;
  • angepasste SCM-APO-Heuristiken wie MRP-Heuristik, Finite Bottom-up-Heuristik, Finite Top-down-Heuristik, Rückstandsauflösung oder Fixierungsheuristik;
  • BAdl-Implementierungen zur funktionalen Erweiterung von SAP-Standard-Heuristiken.

Marc Hankmann,
freier Journalist

Damit die Fertigungsqualität konstant hoch bleibt, müssen bei der Verschnittoptimierung zum einen die Anforderungen aus der SAP-Anwendung und zum anderen die Schnittstelle der eingesetzten Optimierungssoftware berücksichtigt werden. Hierzu werden die Produkte als konfigurierbares Material oder als Produktvarianten modelliert.

Auf diese Weise können Informationen wie Länge, Breite oder Qualität an den Verschnittoptimierer übertragen werden. Consilio unterstützt Unternehmen bei der Anbindung der Verschnittoptimierung an SAP via PI/PO.

Darüber hinaus profitieren Unternehmen vom Know-how des auf SAP spezialisierten Beratungsunternehmens auch bei der Implementierung des BAPIs zum Schneidauftrag im APO oder wenn es darum geht, eine adäquate Benutzeroberfläche zur Anlage von Schneidaufträgen zu konzipieren.

Die Anwendung geht über SAP-Standardfunktionen hinaus und stellt für papier- und holzverarbeitende Unternehmen eine skalierbare Lösung dar, mit der sie anhand der individuellen Anforderungen ein transparentes Supply Chain Management aufsetzen. So können Unternehmen offene Optimierungspotenziale identifizieren und ausnutzen, um auch in Zukunft konkurrenzfähig zu bleiben.

Über den Autor:
Marc Hankmann arbeitet seit 2000 als IT- und Medienjournalist mit Sitz in Münster. Nach einem zweijährigen Volontariat bei einem Medienfachmagazin machte sich der 43-jährige als freier Journalist und Texter selbstständig. Hankmann schreibt für Print- und Online-Publikationen sowie für Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Er verfügt über mehrjährige Erfahrung in leitenden redaktionellen Positionen.

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Artikel wurde zuletzt im März 2016 aktualisiert

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