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Dateninfrastruktur neu gedacht: Die Erschaffung des Daten-Commonwealth

Initiativen treiben Organisationen an, das Potential digitaler Trends zu erschließen. Doch hierfür ist die richtige Datenbankinfrastruktur nötig.

In den letzten Jahren hat die Datenwelt einige große Veränderungen durchgemacht. Initiativen wie die sogenannte Industrie 4.0 oder das Regierungsprogramm Digitale Verwaltung 2020 im öffentlichen Sektor treiben Unternehmen und Organisationen in allen Branchen dazu an, Geschäftspotentiale zu erschließen, die durch digitale Trends wie Big Data, IoT, Social, Mobile und Analytics ermöglicht werden.

Chancen und Herausforderungen

Einerseits bietet diese Entwicklung Unternehmen bis dato ungeahnte Möglichkeiten, in einem aufstrebenden Markt erfolgreich zu wachsen – einem Markt, der sich an den Bedürfnissen und Veränderungen einer Gesellschaft orientiert, die Digitalisierung in jeden Aspekt des täglichen Lebens integriert. Daten und deren korrekte und umfassende Speicherung, Verwaltung und Auswertung sind zum Schlüsselelement für das Business und seine andauernde Innovation geworden.

Andererseits verursachen explodierende Datenvolumina und das ständige Auftauchen neuer Datentypen neue und ernstzunehmende Herausforderungen für die Unternehmens-IT, ganz abgesehen davon, dass Lizenzkosten für traditionelle Datenbanken im direkten Zusammenhang zu den Datenvolumen stehen.

Neue Tools, die mit strukturierten und unstrukturierten Datentypen umgehen können, sind meist hochspezialisierte Lösungen, die sich nicht ohne weiteres nahtlos in die übergreifende Dateninfrastruktur eingliedern lassen. Dadurch entstehen Datensilos, die die gesamte Datenlandschaft eines Unternehmens in isolierte Teilbereiche aufbrechen.

Der Management-Aufwand zur Koordination der verschiedenen Teile ist außerordentlich hoch und macht es beinahe unmöglich, eine lückenlose Sicht auf alle Unternehmensdaten zu bekommen. Der Geschäftswert der Daten wird kompromittiert. Tatsächliche Innovation in derart fragmentierten Umgebungen erfordert erheblichen Investitionsaufwand, wenn man wertvolle Echtzeit-Einblicke in das Geschäft erhalten will.

Die IT-Infrastruktur neu gedacht

Nur eine ganzheitliche Perspektive wird dem CxO helfen, diesem Dilemma Herr zu werden. Einfach gesagt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man konsolidiert die IT-Landschaft durch einen kompletten Austausch aller Systeme (Rip-and-Replace) oder man verbessert die Zusammenarbeitet der Teillösungen, die man bereits implementiert hat, und schafft einen Lösungs-Commonwealth.

Die erste Option birgt einige Risiken. Erstens droht der Verlust bereits getätigter Investitionen, zweitens können sich während der Konsolidierung erhebliche Ausfallzeiten und damit Brüche in der Geschäftskontinuität ergeben und drittens droht die Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter (Vendor Lock-in). All dies schränkt Unternehmen in der Freiheit ein, ihren IT-Stack mit genau den Lösungen zu erweitern und zu aktualisieren, die in ihren Augen am besten geeignet sind, um kommende Geschäftsziele zu erreichen und Innovations-Initiativen umzusetzen.

Die zweite Option braucht wiederum eine offene und flexible Herangehensweise. Stellen Sie sich die IT-Landschaft als gut funktionierende Fabrik oder Lieferkette vor. Es gibt viele verschiedene Stationen, die genau das machen, was sie am besten können, während sie gleichzeitig zusammenarbeiten, um etwas zu erschaffen, das mehr als die Summe seiner Teile ist. Um dies zu erreichen, muss jeder Teil sowohl ein gewisses Maß an Offenheit besitzen, als auch die Möglichkeit, sich untereinander zu verbinden. Wenn viele Lösungen zusammenarbeiten, müssen Mechanismen zum Einsatz kommen welche die Konsistenz, die Performanz, die Verfügbarkeit und die Sicherheit der Daten gewährleisten.

Im Licht aktueller Meldungen von großen traditionellen Anbietern im Markt – zum Beispiel die Ankündigungen von Oracle zu Änderungen in ihrer Produkt- und Preispolitik – erscheint die Rip-and-Replace-Option, als sei sie mit einem beträchtlichen Kostenrisiko verbunden. Konsolidierung verringert zwar den Management-Aufwand, zehrt dabei aber das IT-Budget mit steigenden Lizenz- und Supportkosten auf. Zudem ebnen erzwungene Versions-Updates nicht notwendigerweise den Weg zu mehr Innovation.

Alternative Lösungen am Markt werden meist von den Entscheidungsträgern in der Unternehmens-IT unterschätzt. Traditionell hatten Lösungen auf Open-Source-Basis mit veralteten Ansichten zu kämpfen, die Open Source für nicht für den Unternehmenseinsatz geeignet hielten. In der Realität sind Open-Source-Lösungen heute ausgereift und können ohne Bedenken in unternehmenskritischen Anwendungen eingesetzt werden.

Gartner hat in seiner Studie The State of Open-Source RDBMSs deutlich gemacht, dass Open Source Datenbank-Management-Lösungen durchaus als Ersatz für ihre kommerziellen Wettbewerber benutzt werden können. Als Resultat sollten CIOs ihre Ansichten überdenken, wenn es darum geht, was sie in ihre IT-Infrastruktur einbauen wollen und können, um ein effektives und innovatives Zusammenspiel der Lösungen zu erreichen.

Den Daten-Commonwealth aufbauen

Wie beginnt man aber nun konkret mit dem Aufbau eines Daten-Commonwealth? Das essenzielle Element im IT-Stack, das die größte Verantwortung in Sachen Unternehmensdaten trägt, ist die Datenbank. Wenn es um das Speichern und Management von Daten geht, gibt es nicht die eine Lösung, die alle Herausforderungen meistert, mit denen ein Unternehmen heute konfrontiert ist.

Geschäftskritische Daten für Budgetierung und Prognose sind immer noch strukturierte Daten, so dass eine robuste relationale Datenbank höchstwahrscheinlich das Tool der Wahl ist. Die relationale Datenbank besitzt feingranulare transaktionale Fähigkeiten und operiert unter Einhaltung der ACID-Vorgaben (Atomarität, Konsistenz, Isolation und Dauerhaftigkeit der Datenverarbeitungsprozesse), um die Konsistenz der Datensätze zu gewährleisten.

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Geht es darum, große Mengen von neuen unstrukturierten und semistrukturierten Daten aus Web-Shops und Sozialen Netzwerken zu speichern und zu verarbeiten, erledigen spezialisierte NoSQL-Lösungen wie MongoDB oder Hadoop-Cluster den Job am besten. Allerdings können die meisten von ihnen die ACID-Vorgaben nicht einhalten oder es ist extrem schwierig, dies hinreichend zu implementieren. Außerdem bieten viele nicht den nötigen Detailgrad bei den transaktionalen Funktionen, um wirklichen Mehrwert aus den Daten zu gewinnen.

Ein Datenbanknetzwerk, oder besser eine Datenplattform, die alle Lösungen im Gebrauch miteinander verbindet, bietet einen Weg, das Problem der Datensilos zu lösen. Der Trick dabei ist, jede Datenbankimplementierung genau das machen zu lassen, was sie am besten kann, während alle Daten über ein zentrales Datenbank-Hub verarbeitet werden, das tiefgreifende Bearbeitungsfunktionen, stete Einhaltung der ACID-Vorgaben und Datenkonsistenz bietet. So kann das Potential aller Unternehmensdaten voll ausgeschöpft werden und man erhält eine lückenlose Sicht auf die gesamte Datenlandschaft. Dadurch können zudem aussagekräftige Momentaufnahmen (Snapshots) und Analysen bereitgestellt werden, ohne dass eventuell entscheidende Teile der Daten nicht erfasst werden.

Dieser Daten-Commonwealth maximiert die Fähigkeit, Geschäftswerte wirklich zu nutzen, um an den aufstrebenden Märkten der schönen neuen digitalisierten Welt zu bestehen.

Die Brücken bauen

Die große Herausforderung ist die Integration von Datentypen aus einer Vielzahl von Quellen an einem zentralen Knotenpunkt. In anderen Worten: Daten aus Hadoop-Clustern oder MongoDB-Implementierungen müssen mit relationalen Tabellen in Einklang gebracht werden.

„Gartner hat deutlich gemacht, dass Open Source Datenbank-Management-Lösungen durchaus als Ersatz für ihre kommerziellen Wettbewerber benutzt werden können.“

Marc Linster,  EnterpriseDB

Das auf Open-Source-Software basierende relationale Datenbank-Management-System (RDBMS) Postgres besitzt zum Beispiel die nötige Technologie zur Integration verschiedener Datenquellen. Da es ein hochgradig „steckbares“ Open-Source-RBDMS ist, können Entwickler neue Module bauen und sie in Postgres integrieren, um das RDBMS mit neuen Funktionen auszustatten. Die Foreign Data Wrappers (FDWs) sind ein Beispiel für so ein Modul und spielen eine zentrale Rolle dabei, Daten aus anderen Quellen abfragen und bearbeiten zu können, und stellen in der Tat einen wichtigen Schritt in Richtung Datenbanknetzwerk dar.

FDWs erlauben die Integration von Daten aus NoSQL-Datenbanken wie MongoDB oder Hadoop-Clustern oder anderen relationalen oder nicht-relationalen Datenquellen, mit Daten in Postgres. Dies ermöglicht es, Postgres als besagtes Datenbank-Hub zu nutzen, das es Anwendern erlaubt, SQL-Abfragen gegen externe Quellen zu lesen und zu schreiben, als ob diese Teil der eigenen Postgres-Tabelle sind. Unstrukturierte JSON/JSONB-Implementierungen werden unterstützt, deren Datentypen werden erkannt und die Daten können mit relationalen Tabellen kombiniert werden. So werden die Grenzen zwischen Datensilos in heterogenen Datenbankumgebungen überwunden und Nutzer erhalten eine holistische Sicht auf ihre Daten.

Wenn Unternehmen sich dafür entscheiden, ihren IT-Infrastruktur-Commonwealth durch die Implementierung einer Datenplattform, die alle verfügbaren Datenbanken integriert, aufzubauen, sparen sie nicht nur Geld, das andernfalls von der Konsolidierung via Rip-and-Replace verschlungen werden würde. Sie nutzen auch ihre bestehenden Investitionen in spezialisierte Datenbanken in vollem Maße aus. Es ermöglicht ihnen, die verschiedenen Datentypen innerhalb ihrer Organisation zu nutzen, um ihr Geschäft im Einklang mit den Anforderungen eines modernen, durch digitale Trends bestimmten Marktes zu transformieren.

Über den Autor:
Marc Linster ist Senior Vice President von EnterpriseDB und für die Produktentwicklung verantwortlich.

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Artikel wurde zuletzt im Oktober 2016 aktualisiert

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