In-Memory-Computing: Oracle und SAP im Kampf um die Marktführerschaft

Beim Kampf um die Deutungshoheit bei der In-Memory-Technologie lassen sich Oracle und SAP nur wenig Raum. Beide kämpfen um die Markführerschaft.

Wer braucht noch Boxkämpfe im Pay-TV, wenn er zwei der weltweit größten Technologieunternehmen dabei zusehen kann, wie sie Millionen US-Dollar in einen Konkurrenzkampf pumpen, um ihre Enterprise-Software zu pushen. Hat SAP in der Vergangenheit Oracle mit indirekten Nadelstichen traktiert, so haben die Walldorfer ihre Taktik in den letzten Jahren geändert: Bezogen auf Kosten und Wertschöpfung der In-Memory-Plattform SAP HANA, geht SAP nun auf direkten Konfrontationskurs zu Oracle.

„Traditionell haben wir bei SAP immer den komplizierten Weg genommen, wenn es darum ging, auf die Andeutungen von Oracle zu reagieren, die nahezu zu 100 Prozent falsch sind und nur einem einzigen Zweck dienen: der Sicherung der eigenen Einnahmen“, schreibt Steve Lucas, der bei SAP den Bereich Platform Solutions für SAP HANA und Business Analytics verantwortet, in einer Kolumne auf seinem HANA-Blog. Dort setzt er sich mit den Kritikpunkten von Oracle auseinander.

Ein Streit zwischen den beiden Erzrivalen entzündete sich zum Beispiel an der Behauptung von SAP, man wolle aufgrund der eigenen Datenbankprodukte SAP HANA und SAP Sybase zum zweitgrößten Datenbankanbieter weltweit aufsteigen. Dabei müssten zunächst andere Datenbankanbieter wie IBM und Microsoft bezwungen werden, anschließend werde Oracle den Atem des Verfolgers im Nacken spüren.

Oracle wiederum, das die In-Memory-Pläne von SAP lange Zeit trivialisiert hat (oder sich den Anschein gab, diese gar nicht zu beachten), hat daufhin zurückgekeilt, wie Doug Henschen in der Informationweek schreibt. So setzte der frühere Oracle-Vizepräsident Thomas Kurian, jetzt als Präsident für die Produktentwicklung bei Oracle verantwortlich, in einem Webinar einen Tiefschlag gegen SAP an, mit dem Ziel, bei möglichen HANA-Kunden Angst, Unsicherheit und Zweifel zu säen. 

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Die Sitzung war ursprünglich als Exalytics-Seminar angekündigt, entpuppte sich jedoch schnell als reine Gegenveranstaltung zu HANA. So behauptete Kurian unter anderem, dass die SAP-Produkte fünf bis 50 Mal teurer seien als Exalytics und weder relationale SQL- noch multidimensionale MDX-Abfragesprachen unterstützten. Zusätzlich sei es nötig, Applikationen neu zu schreiben, damit diese überhaupt auf der HANA-Datenbank laufen.

Dies führte zu der schnellen und äußerst heftigen Reaktion bei SAP, wie die Aussagen von Lucas, aber auch von Vishal Sikka, dem damaligen SAP Chief Technical Officer, zeigen. Sikka bestritt die Behauptungen von Oracle, Exalytics sei günstiger als HANA, wie auch eine Reihe weiterer Punkte. „Diese Leute (von Oracle, Anm. d. Redaktion) behaupten ständig, dass mit HANA kein Scale-Out möglich ist“, sagte Sikka damals. „Dafür gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder wollen sie es nicht glauben oder sie lügen einfach.“

In dem Webinar hatte Oracle zudem vorgetragen, dass HANA die Verarbeitung unstrukturierter Daten nicht unterstütze. Dies sei unfassbar, erregte sich Sikka, da HANA teilweise auf der TREX-Technologie von SAP basiert, einer Suchmaschine für unstrukturierte Textdateien.

Laut Dennis Howlett hinkt der Vergleich zwischen SAP HANA und der Exalytics-In-Memory-Datenbank allerdings, da hier Äpfel mit Birnen verglichen werden. HANA sei nicht nur eine In-Memory-Datenbank, sondern es handelt sich dabei um den Bestandteil eines sehr ausgefeilten Modells, das SAP gerade entwickelt. 

Die In-Memory-Datenbank bilde das Zentrum einer ganz neuen Art von Applikationen, deren Entwicklung ohne sie gar nicht möglich wäre. Deswegen handelt es sich bei HANA um weit mehr als nur eine technische Datenbank, sondern um einen kompletten Stack, der im Wesentlichen zwei Kernaufgaben erfüllen soll:

  1. Die Komplexität in den Anwendungslandschaften von Unternehmen soll verringert werden.
  2. HANA soll zudem als Grundlage für jede beliebige Art von Applikation dienen, von der Entwickler bisher nur träumen.

Wenn die Angelegenheit aus dieser Perspektive betrachtet wird, statt aus einer verengten Datenbanksicht, wird SAP zu einer weitaus ernsthafteren Bedrohung für Oracle wie auch für IBM, auch wenn die beiden Wettbewerber sich gern auf das Datenbank-Argument fokussieren. SAP hat auf den vergangene Sapphire-Konferenzen daher immer wieder versucht, Oracles Angriffen entgegenzutreten und seine HANA-Plattform wieder und wieder kommuniziert.

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Artikel wurde zuletzt im Juni 2015 aktualisiert

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