Strategien für Ihr Enterprise-Resource-Planning- (ERP-) Ökosystem

Mit SaaS-Anwendungen wächst in vielen Unternehmen das ERP-Ökosystem stetig an. Wir erläutern Strategien, um ein heilloses ERP-Chaos zu vermeiden.

Fragen Sie eine Firma, wie sie ihre Softwarelandschaft kartografieren würden und das Ergebnis ist mit Sicherheit ein Anwendungs-Puzzle aus überlappenden Programmen, die mehr oder weniger miteiander verbunden sind. Betrachten Sie das Puzzle als ein Enterprise-Resource-Planning- (ERP-) Ökosystem, bei dem die Verbindungen der verschiedenen Programme definieren, wie effektiv ein Unternehmen auf Veränderungen reagiert. Das Ökosystem kann dabei von einem ERP-Anbieter dominiert werden oder sich aus einem Softwaremix zusammensetzen.

Finanzmanagement-Anwendungen bilden die Grundlage eines ERP-Ökosystems, das aus einer Vielzahl von Programmen besteht, die jeweils einzelne Geschäftsprozesse bearbeiten.

Zentrale Finanzmanagement-Anwendungen, wie zum Beispiel die Finanz- und Kreditbuchhaltung sind in der Regel das Fundament jedes ERP-Ökosystems, da Umsatzgenerierung die primäre Aufgabe eines Unternehmens ist. Zudem konzentrieren sich ERP-Apps traditionell auf Transaktionsverarbeitungen (siehe Abbildung). Zentrale Bilanzierungs-Programme sind wiederum von einer Vielzahl anderer Programme umgeben, die Teil des Geschäftsprozesses (etwa Einkaufs- und Bezahlprozess) sind.

Das ERP-Ökosystem wächst allerdings mit der Zeit um weitere Anwendungen an, da Firmen auf verändernde Geschäftsanforderungen reagieren müssen. Das Ergebnis ist ein Software-Portfolio, dass teuer und zeitraubend ist. Einzelne Programme werden in das Ökosystem gepackt, um Funktionen zu integrieren, die in der gewählten ERP-Suite nicht enthalten oder nur schwach ausgeprägt sind. Gleichzeitig existieren aber eventuell redundante Funktionen innerhalb des Ökosystems, so dass Firmen Lizenzgebühren für ungenutzte Programme zahlen. In diesen ERP-Ökosystemen kann es zudem passieren, dass einige Anwendungen nicht miteinander kommunizieren, so dass es etwa zu einem mehrfachen Datenaustausch kommt.

Software-as-a-Service- (SaaS-) Boom erhöht Bedarf für klare Strategie

Die Neubetrachtung des ERP-Ökosystems macht besonders Sinn, da mit dem Anstieg von Software as a Service (SaaS) auch viele neue ERP-Apps auf den Markt kommen. Diese Cloud-Anwendungen erhöhen den Bedarf, Firmendaten im ERP-System für eine breitere Gruppe von Nutzern und Anwendungen zur Verfügung zu stellen, um die Entscheidungsfindung zu beschleunigen.

Die potenziellen Vorteile bei der Neugestaltung des ERP-Ökosystems rund um SaaS sind zahlreich. Dazu gehören Einsparungen bei Infrastrukturkosten, die Beschleunigung bestehender ERP-Geschäftsprozesse und der Zugriff auf Entwicklungsplattformen (Platform as a Service, PaaS) auf denen die SaaS-Anwendungen erstellt wurden, so dass man diese leichter anpassen kann. Zudem versprechen die Anbieter eine einfachere Integration und die Harmonisierung der Nutzererfahrung, da verschiedene ERP-Anwendungen auf der gleichen Plattform basieren. Damit reduzieren sich Ausbildungskosten und die benötigte Zeit für das Go-Live der neuen Software. Allerdings besteht die Gefahr, dass Firmen wieder in ihrem vorherigen App-Management-Alptraum versinken. Diese Erfahrung haben zumindest einige Early Adopters von SaaS gemacht.

Heute ändert sich der SaaS-ERP-Markt dank des Anbieterwachstums und der Marktkonsolidierung in rasender Geschwindigkeit. Viele ERP-Anbieter haben nasse Füße bei SaaS-Anwendungen bekommen, die sich an kleine und mittelständische Unternehmen richten. Sie skalieren ihre Anwendungen nun neu und integrieren umfassende Funktionen. Ein Beispiel ist SAP Cloud for Financials, das ursprünglich als Finanzkomponente innerhalb der mittelständischen SaaS-ERP-Lösung Business ByDesign entwickelt wurde.

Einige Anbieter erweitern den Umfang ihrer ERP-Anwendungen durch den Ausbau oder Kauf zusätzlicher Funktionen. Ein Beispiel ist die Übernahme von SuccessFactors durch SAP. Auch Oracle hat mit dem Kauf des SaaS-Anbieters BigMachines neue Feature integriert.

Partnerschaften bilden ebenfalls eine Schlüsselrolle. Ein Beispiel ist die enge Zusammenarbeit von Workday mit dem Customer-Relationship-Management- (CRM-) Anbieter Salesforce. Diese Partnerschaften können ein Hinweis sein, dass der Anbieter entweder kein Interesse an der Entwicklung eigener Anwendungen hat, oder dass er den Grundstein für eine künftige Akquisition legt. Viele erwarten, dass ERP-Anbieter ihre Online-Marktplätze nutzen, um die Entscheidungen zu vereinfachen – zum Beispiel durch die Bereitstellung spezifischer Funktionen, die einzelne Branchen benötigen, um generische Module handhaben zu können (zum Beispiel Bestell- und Bezahlvorgang).

In dieser neue Welt müssen Unternehmen beobachten, welche Schritte ihr ERP-Anbieter macht. Sie sollten klare Aussagen verlangen, welche ERP-Strategie der Anbieter einschlägt, ob er eine Roadmap hat und wie das Ökosystem künftig aussieht. Außerdem sollten Kunden erfahren, wie sie von einer SaaS-Akquisition betroffen sind. Gleichzeitig sollten sich Entscheidungsträger über Komponenten ihres ERP-Ökosystems im Klaren sein. Wenn Sie über die Investition in eine SaaS-Anwendung nachdenken, sollten sie eine Rückversicherung in ihr Service Level Agreement (SLA) einbauen, die festschreibt was geschieht, wenn der Anbieter übernommen wird.

Schließlich sollten Käufer ein klares Verständnis davon haben, wie die Integration von zwei oder mehr Anwendungen funktioniert und wer diese ausführt. Dazu gehört auch, was bei einem Ausfall passiert, welcher Support gewährleistet wird und welche Verantwortung der ERP-Anbieter hat, falls einer seiner SaaS-Partner gekauft wird oder insolvent ist.

Über die Autorin: China Martens ist eine unabhängige Analystin für Business-Anwendungen und freiberufliche Autorin. Sie ist per E-Mail oder auf Twitter unter @chinamartens zu erreichen.

Artikel wurde zuletzt im Februar 2014 aktualisiert

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