Public-Cloud-Pläne von Epicor, Sage und SAP werfen Fragen zu Preisen und Technik auf

Die Public-Cloud-Lösungen von SAP, Sage und Epicor für On-Premise-Suites variien sowohl bei technischer Umsetzung als auch bei der Preisstruktur.

Epicor, Sage und SAP haben in diesem Monat Public-Cloud-Versionen einiger ihrer On-Premise-Suiten angekündigt. Cloud-ERP wird also erwachsen, könnte man meinen. Doch Analysten verweisen auf Diskussionsbedarf in Bezug auf Technik wie Preisgestaltung.

SAP hat seine mittlere ERP-Lösung „Business All-in-One“ mit sofortiger Verfügbarkeit für Amazon Web Services (AWS) zertifiziert, Epicor und Sage setzen auf Microsofts Public-Cloud-Plattform Windows Azure. Sage hat bereits eine Geschäftsbeziehung mit Amazon und hostet seine CRM-Software auf AWS.

Epicor stellt die angekündigte dritte Version seines Internet Component Environment (ICE) auf Windows Azure bereit und verwendet dabei Microsofts Infrastructure as a Service (IaaS) und Platform as a Service (PaaS), um Kunden und Hosting-Partnern mehr Cloud-Optionen anzubieten. Chad Meyer, Epicors Direktor für Produktmarketing, kündigt das ICE-Release und erste Windows-Azure-Anwendungen für das dritte Quartal an, beginnend mit ERP und Human Capital Management. „Wir denken auch über andere Produktlinien für Azure nach, die ICE3.0 nutzen werden", teilte Meyer per E-Mail mit, „zum Beispiel über Prophet21“.

Sage entwickelt Azure-Versionen seiner Low-End-Pakete Sage 200 und Murano ERP für den europäischen Markt und will sie ab dem nächsten Jahr anbieten. Sage hat außerdem Construction Anywhere veröffentlicht, einen Cloud-basierten, branchenorientierten Collaboration Service für den nordamerikanischen Markt. „Wir prüfen Azure auch für andere Anwendungen und werden zu einem späteren Zeitpunkt Ergebnisse bekanntgeben" so Joe Langner, Executive Vice President für Mittelstand und CRM-Lösungen bei Sage, via e-Mail.

Öffentliche Cloud bringt dynamische Provisionierung für ERP

Analysten sind sich einig: Die öffentliche Cloud ist in gewisser Weise nur eine neue Variante gehosteter ERP und reicht nicht an echte, mandantenfähige SaaS-Lösungen heran. Trotzdem könnten vorhandene Anwendungen so von echten Cloud-Vorteilen profitieren, zum Beispiel schnellerer Einrichtung und Skalierbarkeit.

Bei einer Verlagerung der Datenbank-Ebene in die Cloud würde ich erhebliche Performance-Probleme erwarten. All-in-One von SAP mag dafür zertifiziert sein, aber trotzdem wäre das eine verrückte Idee.

Bob Parker, Group Vice President, IDC Manufacturing Insights

„Sie können benötigte Ressourcen ganz nach Bedarf hochfahren und sie dann jederzeit wieder abklemmen" sagt Bob Parker, Group Vice President bei IDG Manufacturing Insights, einem Marktforschungsunternehmen im US-Staat Massachusetts. „Amazon ist wirklich zuverlässig. Die Amazon Elastic Compute Cloud hat sich bewährt.“

Durch das Verschieben vorhandener ERP-Plattformen auf AWS oder Windows Azure müssen sich die Hersteller weniger Sorgen über Cloud-Infrastruktur machen, sagt China Martens, Analyst bei Forrester Research in Boston. Kunden schätzten es außerdem, ihre ERP-Infrastruktur auslagern zu können: „Ein Kunde freute sich sehr über die Außer-Haus-Lösung. Er habe jetzt ein Service Level Agreement, mit dem er dem Provider drohen könne. Gegenüber der eigenen IT-Abteilung habe es so etwas nicht gegeben.“

Epicors Windows-Azure-Plan stellt sowohl eine Hosting-Option für Kunden als auch eine neue Plattform für die SaaS-Angebote von Epicor dar, erklärt Meyer. „Azure wird zur Alternative gegenüber dem Kauf und der Inhouse-Installation der benötigten Hardware. Damit können Kunden die Anwendung via Azure bereitstellen und profitieren dabei von den Vorteilen: geringere Investitionskosten, Abrechnung nach Verbrauch, hohe Verfügbarkeit und einfache Skalierung.“

Microsoft-basierte ERP-Lösungen folgen der Plattform in die Cloud

Für Kunden bedeuten die Entscheidungen der drei Anbieter in Bezug auf ihre Plattformen für öffentliche Clouds bestimmte Herausforderungen, sagen Analysten. Dies betreffe vor allem die Themen Datenbanken und Integration.

„Bei einer Verlagerung der Datenbank-Ebene in die Cloud würde ich erhebliche Performance-Probleme erwarten“ sagt Parker. „All-in-One von SAP mag dafür zertifiziert sein, aber trotzdem wäre das eine verrückte Idee.“ In einer typischen, dreistufigen SAP-Implementierung, so Parker, befindet sich auf der mittleren Ebene die Geschäftslogik; hier werden Datenbank-Abfragen und Transaktionen verarbeitet. Diese Ebene muss mit der Datenbank kommunizieren. „Betreibt man die Datenbank in der Cloud, ergeben sich vermutlich erhebliche Wartezeiten“, sagt er. „Es entstünde massiver Datenverkehr zwischen der lokal gehosteten mittleren und der bei Amazon laufenden Datenbank-Ebene.“

Der AWS-Deal verschafft SAP einen weiteren Absatzkanal an kleine und mittlere Unternehmen (KMUs), bei denen Anbieter wie Sage und Microsoft bisher stärker seien, sagt Parker.

Wie wäre es dann, All-in-One mit einer Version auf Windows Azure für Kleinunternehmen noch attraktiver zu machen? „SAP arbeitet aktiv mit Microsoft an einer Azure-Strategie", teilte dazu SAP-Sprecher Jason Grosse per e-Mail mit. „Bisher steht nicht fest, ob Business All-in-One Teil dieser Strategie wird.“

Der Grundstein für den Schritt von Sage und Epikor zu Windows Azure wurde vor Jahren gelegt, als die beiden Unternehmen auf die Microsoft-Plattformen .NET und SQL-Server bauten, sagen die Analysten. Aber der Übergang von lokalem, .NET-basierten ERP zu Windows Azure sei schwierig, so Parker, und der .NET-Code könne nicht unverändert auf der neuen Plattform laufen. „Es könnte funktionieren, aber es funktioniert nicht gut."

Außerdem krempelt Microsoft die Plattform mit dem kommenden Betriebssystem Windows 8 um. Dieses sieht Abwärtskompatibilität zu älterer .NET-Software vor, verlangt aber eine Umschaltung von seiner neuen „Tile“-Benutzerschnittstelle zur herkömmlichen Windows-Oberfläche. „Das ist fast, als ob Sie eine virtuelle Maschine laufen lassen" sagt Parker.

Auch die erforderliche SQL-Azure-Datenbank ist eine potenzielle Konfliktquelle. Mit genau dieser Herausforderung habe sich Epicor konfrontiert gesehen, erzählt R „Ray“ Wang, CEO und Principal Analyst bei Constellation Research. „Es gab große Probleme dabei, SQL Azure zum Laufen zu bringen.“

Wie passt das zu Microsofts eigener Migration von „Dynamics“, einer ERP-Linie für KMUs und Mittelstand, auf Windows Azure? Microsoft sei darauf bedacht, das als separate Initiative zu sehen oder zumindest diesen Eindruck zu pflegen, meinen die Analysten – damit sich Cloud-Kunden aus dem ERP-Bereich wie Epicor im Markt nicht untergraben fühlen. Martens berichtet von Gesprächen mit Mitarbeitern der Dynamics-Seite von Microsoft, die sich bei der Umstellung auf Windows Azure weit vor anderen ERP-Anbietern sehen. Gleichzeitig würden Vertreter von Windows Azure und Epicor darauf bestehen, eine enge Arbeitsbeziehung zu unterhalten.

Due Diligence für ERP über öffentliche Cloud ist erforderlich

Parker rät Interessenten sicherzustellen, dass die neuen ERP-Optionen tatsächlich billiger sind und dass ihre Anbieter die Einsparungen weitergeben, die sich aus gemeinsamer Ressourcen-Nutzung und Skalierungsvorteilen ergeben. Traditionelle On-Premises-Anbieter seien oft älteren, lizenzbasierten Preismodellen verhaftet und verlangten gelegentlich von Kunden einen Zweijahresvertrag für ihre Cloud-Version, sagte er.

SAP teilt dazu mit, die einzigen Mehrkosten für die Cloud-Version von Business All-in-One ergäben sich aus den Gebühren von AWS. Ein Sage-Vertreter sagte, Preise für Sage 200 und Murano lägen noch nicht fest. Auch Epicors Preise, so Meyer, stehen noch aus. „Unsere unbegrenzt lizenzierten Produkte sind nicht betroffen, aber die Lösungen für Managed Services und SaaS könnten aus der Perspektive eines Interessenten oder Kunden positiver aussehen“ schreibt er.

Martens empfiehlt Unternehmen, die langfristige Kostenstruktur einer Public-Cloud-Option auf echte Vorteile hin zu durchleuchten und dabei schwer auch quantifizierbare Faktoren wie potenzielle Probleme und Arbeitsaufwand einzubeziehen. „Es ist sehr wichtig, mit Early Adopters zu sprechen und herauszufinden, welche Vorteile sie realisieren konnten“ sagt sie. Die potentiellen Integrationshürden bei der Anbindung lokaler System an die neue Cloud-ERP – zum Beispiel, ob ein externer Integrator benötigt wird – zu kennen, sei ein weiterer wichtiger Aspekt der nötigen Due Dilligence.

Parker betont Fragen des Kapazitätsbedarfs. „Mein Rat: Wenn Sie ein Unternehmen mit starken Schwankungen betreiben, dann würde ich einen Umstieg zur Cloud erwägen, weil zusätzliche Nutzer sich einfacher hinzufügen und abmelden lassen. Bei einem eher stabilen Geschäftsverlauf dagegen hätte ich keine Eile.

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