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OpenText Enterprise World 2016: Mit Magellan gegen IBM Watson

OpenText hat auf seiner Hausmesse Enterprise World zwei umfangreiche Produkte angekündigt, mit denen das Unternehmen in neue Märkte vorstoßen will.

Vor knapp 500 Jahren gelang dem Portugiesen Ferdinand Magellan die erste Weltumsegelung. Die von ihm entdeckte Meeresenge am Kap Horn verbindet den Atlantik mit dem Pazifik. Damit konnten er und sein Team als erstes nachweisen, dass die Erde eine Kugel ist. Vor allem seine guten nautischen und analytischen Fähigkeiten waren es, die diese erste abenteuerliche Weltumrundung ermöglichten.

Magellan gegen IBM Watson

Mit diesem Anspruch misst sich jetzt auch der kanadische Softwarehersteller OpenText. Deren jüngste Produktankündigung heißt ebenfalls Magellan, und ist nach Meinung von deren CEO Mark Barrenechea so leistungsstark wie IBMs kognitive Analytics-Maschine Watson – nur wesentlich billiger und leichter anzuwenden. „Alles basiert bei uns auf offenen Systemen und Standards“, ist sein Hauptargument gegenüber IBM.

Das fängt schon bei der Hardware an, die aus x86-Server-Clustern besteht und das setzt sich über die Einbindung von Apache Hadoop und Spark fort. Die Nutzung von Standard-Hard- und Software hat zur Folge, dass Magellan nur etwa ein Sechstel von dem kosten soll, was IBM für Watson verlangt.

Mark Barrenechea CEO OpenText
Mark Barrenechea vergleicht auf der Enterprise World OpenText Magellan mit IBM Watson.

Barrenechea sieht darüber hinaus noch einen weiteren wichtigen Unterschied: „Algorithmen sind in Zukunft das wichtigste geistige Eigentum eines Unternehmens. Bei Watson gehen alle entwickelten Algorithmen an IBM über – nicht so bei uns, wo der Kunde das Besitzrecht an all seine Algorithmen behält“, sagt er in seiner Keynote auf diesjährigen Kundenveranstaltung Enterprise World in Nashville, im US-Staat Tennessee.

Zum Start von Magellan wird das Unternehmen bereits eine Reihe an horizontalen Algorithmen, wie Spracherkennung und Textanalyse, bereitstellen. Erweiterungen für Methoden wie Predictive Analytics stehen auch schon ganz oben auf der Planungsliste. Das alles ist aber noch Zukunftsmusik, denn die Verfügbarkeit ist erst für die zweite Jahreshälfte 2017 vorgesehen.

Quantensprung in der Produkt- und Firmenstrategie

Trotzdem ist Magellan schon heute ein Quantensprung in der strategischen Ausrichtung von OpenText. Bislang tummelte man sich überwiegend im Fahrwasser großer ERP- und CRM-Anbieter, wie SAP, Oracle, Salesforce und SuccessFactors. Bei denen sind die Content- und Informations-Management-Programme von OpenText eine sinnvolle Ergänzung zum Managen der strukturierten Unternehmensdaten.

OpenText Magellan versus IBM Watson
„Algorithmen sind in Zukunft das wichtigste geistige Eigentum eines Unternehmens“, ist OpenText CEO Mark Barrenechea überzeugt.

„ECM plus ERP ist besonders vorteilhaft, weil es eine ganze Reihe an Datenüberlappungen gibt, wie Mitarbeiter, Lieferanten, Kunden, Zulieferer und Infrastruktur-Objekte. Deshalb haben wir auch viel in eine nahtlose Integration mit SAP und anderen ERP-Suiten investiert“, sagt Barrenechea über diese Kooperationen. Hierbei verweist er darauf, dass es mit SAP sogar eine enge Vertriebskooperation gibt und mit deren Tochter SuccessFactors hat man soeben weitere Integrations-Connectoren angekündigt.

Vertikalisierung und Datenbereitstellung

Magellan ist in seiner Grundfunktion – genauso wie Watson – eine KI-Maschine zur Auswertung verschiedenster Dokumente. Auch wenn hier weitere Formate, wie Bilder, Audio und Video geplant sind, so ist Magellan bis hierher nur eine Evolution der bisherigen Methoden und Analytics von OpenText.

Die neuen entscheidenden Punkte sind jedoch die geplante Branchenausrichtung und das Bereitstellen aktueller Datenbestände. „Wir arbeiten an verschiedenen Vertikalisierungen, vor allem für die Branchen, in denen wir traditionell stark vertreten sind, beispielsweise für die Finanzwirtschaft“, sagt deren Chefentwickler, Muhi Majzoub, im Gespräch mit TechTarget.

Er bestätigte auch die naheliegende Vermutung, dass eine solche umfangreiche KI-Maschine nicht nur die Technologie bereitstellen kann, sondern auch die jeweils aktuellen Branchendaten nutzen muss. Also genauso, wie es bei Watson mit den medizinischen Forschungsberichten geschieht.

„Wir werden allgemein zugängliche Quellen einbinden und wir werden diese mit Datenbanken und vordefinierten Firmeninformationen verbinden“, erläutert Majzoub die weiteren Entwicklungspläne. In diesem Zusammenhang soll auch das Partnergeschäft ausgebaut werden. „Wenn man in vertikale Anwendungsbereiche vorstoßen will, ist detailliertes Branchen-Knowhow unerlässlich – und das lässt sich effizient nur mit qualifizierten Partnern aufbauen“, bestätigt Majzoub.

Bandaroo: ECM plus Collaboration plus Projekt-Management plus Social Media plus Bots

Die zweite große Ankündigung ist das Projekt Bandaroo. Das ist zwar nicht so spektakulär wie Magellan, weitet aber auch das Angebotsportfolio von OpenText deutlich aus. Bandaroo ist eine Kombination aus klassischem ECM, modernen Collaboration-Werkzeugen, umfassenden Projektmanagement-Tools und der Nutzung von Social Media.

Besonders interessant ist die Integration von Bots, mit denen sich einfache Dialoge führen lassen. In der Vorführung gab es Fragen nach Mitarbeitern, Kunden und Partnern sowie nach speziellen Dokumenten, zum Beispiel nach einem bestimmten Wartungsdokument für ein veraltetes Aggregat.

„Bei komplexen Industrieanlagen gibt es tausende an verschiedenen Dokumenten. Allein das Auffinden des jeweils richtigen Dokumentes durch einen Servicetechniker kann ein äußerst zeitraubender Job sein. Mit Hilfe der Bots reduziert sich das auf wenige Sekunden“, sagt OpenText Marketing-Chef Tom Dong.

Bald Opfer einer Akquisition?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich OpenText mit seinen ECM-Produkten und den neuen Erweiterungen als Avantgarde im Bereich der Unternehmens-Anwendungen sieht. „ERP ist gut für Finanzexperten und für die allgemeine Verwaltung, doch ECM und die zukünftigen kognitiven Anwendungen sind weitaus mehr, weil hier auch alle unstrukturierten Daten mit einbezogen werden“, lautet der Hinweis von Barrenechea.

Damit aber wird OpenText auch zunehmend interessanter für eine Übernahme durch einen der großen ERP-Anbieter. Auf die Frage, ob es bald eine entsprechende SAP-Akquisition geben wird, antwortete Barrenechea in der Pressekonferenz salomonisch: „Gut geführte Unternehmen werden nur ganz selten aufgekauft.“

Über den Autor:

Harald Weiß ist freier Fachjournalist für die Bereiche Business-IT, Automation und Energie.

 

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