OpenText Enterprise World: Analytics-Engine Magellan hat erstes Ziel erreicht

Mit der Analytics-Engine Magellan segelt OpenText in neues Fahrwasser. Die Anwendung soll die Zukunft des Unternehmens und seiner Partner absichern.

Der Segler und Entdecker Ferdinand Magellan benötigte Anfang des 16. Jahrhunderts auf der ersten Weltumsegelung knapp zwei Jahre, bis er das wichtigste Teilziel – die Philippinen – erreicht hatte.

Der kanadische Softwarehersteller OpenText benötigte jetzt für das erste Teilziel seiner Analytics-Engine Magellan ein knappes Jahr. So wurde das im Juli 2016 angekündigte System auf der Hausmesse Enterprise World 2017 in Toronto als generell verfügbar vorgestellt.

Damit hat diese neue Business-Ausrichtung von OpenText eine wichtige Hürde genommen, zu der es eine deutliche Parallel zu Magellans Weltumrundung gibt: Mit dem Erreichen der Philippinen hatte Magellan zwar den Beweis erbracht, dass die Erde rund ist, denn bislang wurde diese pazifische Inselgruppe nur entlang der Südspitzen von Afrika und Indien erreicht, doch Magellans Hauptziel – also die erste vollständige Weltumrundung – lag noch vor ihm.

Ein wichtiges Etappenziel

So ähnlich verhält es sich bei Magellan von OpenText: Der Beweis, dass ein solches System trotz der damals hochgesteckten Anforderungen preiswert auf den Markt gebracht werden kann, ist geschafft, aber das Hauptziel – ein durchschlagender Markterfolg, auf dem OpenText eine neue Business-Struktur aufsetzen kann – steht noch aus.

Ähnlich zu Magellans einstiger Weltumsegelung ist der kreative Teil des Magellan-Projektes von OpenText weitestgehend abgeschlossen. Was jetzt noch fehlt, sind ein gutes Marketing und die kontinuierlichen Marktanpassungen. Dazu gehören bei OpenText vor allem branchenspezifische Algorithmen und geeignete Machine-Learning-Funktionen.

OpenText-CEO Mark Barrenechea bestätigte in einer Presskonferenz auf der Enterprise World, dass man in Zukunft verstärkt in vertikale Lösungen investieren will, ohne dabei jedoch die bisherigen horizontalen Grundlagenentwicklungen zu vernachlässigen: „Wir können nicht auf allen Hochzeiten tanzen, aber in unseren angestammten Branchen, wie Finanzwesen oder Gesundheitsversorgung, verfügen wir über das erforderliche Branchen-Know-how, um unseren Kunden leistungsstarke Lösungen anzubieten.“

Gemeinsame Sprache als Erfolgsfaktor

Die Entwicklung und Einführung von KI-Analytics und Machine Learning durchläuft derzeit die gleiche Phase, wie einstmals die ersten vertikalen ERP-Lösungen. Damals wie heute ging es darum, vordefinierte branchenspezifische Templates und Geschäftsprozesse zu schaffen und nahtlos in die bestehenden Abläufe zu integrieren. Hierzu mussten die Fachbereiche intensiv mit den IT-Experten kommunizieren, doch häufig genug reden sie aneinander vorbei.

Mark Gamble, Chef für den Analytics-Bereich bei OpenText, sieht das ähnlich. „Heute haben wir sogar drei Gruppen: Die Fachbereiche, die IT-Experten und die neuen Data Scientists. Konstruktive Lösungen lassen sich nur dann zügig erstellen, wenn es zwischen allen Beteiligten ein hohes Maß an überlappendem Wissen gibt“, sagt er in einem Gespräch.

Folglich gibt es Tools und methodische Unterstützungen, um die Entwicklung von neuen KI-Algorithmen reibungsloser zu gestalten. Hierzu gehört vor allem eine gemeinsame Datenbasis.

Abbildung 1: Mark Gamble mit OpenText-CEO Mark Barrenechea auf der Enterprise World in Toronto. Laut Gamble wird Magellan einen Umsatzschub bei OpenText-Partnern erzeugen.

„Alle unsere Anwendungen – egal ob es sich dabei um klassisches Content Management, um umfangreiche Sensordaten von IoT-Systemen oder um die Ergebnisse von ganz neuen KI-Analytics handelt – setzten auf denselben Data Lake auf, das vereinheitlicht sehr viel in der gesamten Kommunikation“, sagt Gamble.

Eine weitere Hilfe ist es, dass Analytics-Experten die Formulierung ihrer Algorithmen in einer Metaebene vornehmen können, ohne dass hierfür Programmierkenntnisse notwendig sind. Außerdem sagt Gamble, dass die breite Verwendung von Open Source die Nutzung beschleunigen wird. „Hadoop und Spark sind Tools, deren Nutzung in der Analytics-Welt inzwischen weit verbreitet sind – und das sind auch die Plattformen bei Magellan.

Hohe Anforderungen an die Partner

Doch das alles wird noch nicht reichen, um Magellan schnellstmöglich zum neuen Business-Motor von OpenText aufzubauen. Ganz wichtig ist für das weitere Vorgehen das weltweite Partnernetz.

„Magellan hat das Potenzial, um für unsere Partner einen bedeutenden Umsatzschub zu generieren. Viele Kunden sind mit den Möglichkeiten und der Komplexität von modernen Analytics deutlich überfordert und suchen händeringend nach qualifizierten Beratungsleistungen“, glaubt Gamble.

Dabei wäre diese Hilfestellung nicht nur bei der Einführung der neuen Technologien notwendig, sondern würde darüber hinaus eine dauerhafte Geschäftsbasis schaffen. „Algorithmen sind kein statisches Element, sie müssen fortlaufend angepasst und weiterentwickelt werden“, sagt Gamble über diese neuen Anforderungen an das Partnernetz.

Das bestätigt auch Dirk Seckler von Knorr-Bremse in München. Dort setzt man bereits alles ein, was OpenText an KI-Unterstützung im Angebot hat. „Wir nutzen Machine Learning und moderne Analytics im Bereich Predictive Maintenance und ermöglichen damit unseren Kunden die Schaffung völlig neuer Geschäftsmodelle, beispielsweise eine Abrechnung nach gefahrener Strecke“, sagt er über den KI-Einsatz bei Knorr-Bremse. Die dafür erforderlichen Algorithmen wurden alle im eigenen Haus entwickelt und werden in Eigenregie gepflegt.

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Magellan: Preiswerter als IBM

Technisch handelt es sich bei Magellan um eine reine Softwarelösung, die unter Linux oder Windows auf jeder x86-Architektur betrieben werden kann – sofern sie entsprechend leistungsfähig ist. Daraus ergeben sich verschiedene Vorteile gegenüber den konkurrierenden KI-Plattformen. Da ist zunächst der Kostenvorteil. In seiner Keynote zeigte Barrenechea eine speziell konfigurierte Server-Farm, die zusammen mit der Software etwa 100.000 Dollar kostet.

„Das ist deutlich weniger als die Million, die IBM für Watson verlangt“, lautete sein Seitenhieb an die Adresse von Big Blue. Der zweite große Vorteil ist die Skalierbarkeit und Portabilität. Wer will, kann Magellan in eine eigene vorhandene Infrastruktur innerhalb seines Rechenzentrums in der benötigten Leistungsklasse installieren, oder sich eine entsprechende Inhouse-Server-Farm dafür neu einrichten. Wer möchte, kann letzteres auch als Managed-Service an OpenText auslagern oder komplett alles aus der OpenText- beziehungsweise Azure-Cloud anmieten.

Magellan: Noch nicht am Ziel

Der jetzt anstehende Marketing- und Anwendungs-Push von Magellan ist zwar überwiegend Routinearbeit, doch die kann manchmal kräftig danebengehen. Um noch einmal auf den Segler Magellan zurückzukommen: Ihm war der Triumph der ersten Weltumrundung nicht vergönnt. Er starb kurz nachdem er die Philippinen erreicht hatte. Nur ein äußerst kleiner Teil der ursprünglichen Mannschaft konnte sein Werk vollenden und kam nach drei entbehrungsreichen Jahren endlich wieder in Sevilla an.

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Artikel wurde zuletzt im Juli 2017 aktualisiert

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