AWS re:Invent 2017: Amazon setzt auf Machine Learning und KI

Amazon veranstaltete 2017 seine sechste re:Invent. Mit 43.000 Teilnehmern gab es einen Besucherrekord. Und auch sonst gab es rekordverdächtige Ankündigungen.

Der Konzentrationsprozess bei den Cloud-Anbietern setzt sich weiter fort. Laut Gartner beträgt der Marktanteil von Amazon Web Services (AWS) bei Cloud-Services inzwischen 44,1 Prozent, das sind 36,4 Prozentpunkte mehr als die Azure-Plattform von Microsoft, die einen Anteil von 7,7 Prozent auf sich verbuchen. Entsprechend selbstbewusst gab sich Amazon auf seiner Kundenveranstaltung AWS re:Invent in Las Vegas.

„Wir haben das mit Abstand umfangreichste Cloud-Angebot und das wird auch weiterhin so bleiben“, rief deren CEO Andy Jassy in seiner Keynote den rund 43.000 Teilnehmern zu. Laut Jassy hat man inzwischen „Millionen an Kunden“, zu denen sowohl viele Start-ups, als auch sehr große, multinationale Unternehmen gehören.

Eines davon ist Expedia.com, die derzeit ihre gesamte IT-Infrastruktur auf die AWS-Plattform umstellen. Und deren Umfang ist beeindruckend: 750 Millionen Suchanfragen pro Tag, neun Milliarden Angebotsänderungen pro Tag und 14.000 Milliarden automatische Übersetzungen in 40 Sprachen pro Jahr. Ein anderer Großkunde ist die Investmentbank Goldman Sachs, die nahezu die gesamte IT auf AWS umgestellt hat.

In Deutschland würde unter anderem die Automobilindustrie an der Umstellung auf die Cloud arbeiten. „Wir sehen überall die Bestrebungen, die Zahl der eigenen Rechenzentren drastisch abzubauen“, sagt Constantin Gonzalez Schmitz, Principal Solutions Architect bei AWS in Deutschland.

Kunden schreiben die Roadmap

Einer der Hauptgründe für den rasanten Geschäftserfolg ist laut Amazon die permanente Anpassung an die Kundenwünsche. „Unsere Roadmap wird von unseren Kunden erstellt. Wir schreiben ihnen nicht vor, wie sie ihre IT nutzen sollen, sondern sie diktieren uns, woran wir arbeiten müssen“, sagt Amazon CTO Werner Vogels in seiner Keynote.

Das bedeute zwangsläufig, dass man fortlaufend Neuheiten ankündigen muss. So habe man in den letzten fünf Jahren 3.952 neue Services oder Verbesserungen herausgebracht, allein in diesem Jahr sollen es rund 1.300 gewesen sein. „Wir sind das beste Beispiel dafür, wie man DevOps erfolgreich implementieren kann“, lobte Vogels sich und sein Unternehmen.

Oracles Zeit ist abgelaufen

Als logische Konsequenz gab es auf der Veranstaltung Neuankündigungen im Minutentakt. Insgesamt waren es in den beiden Keynotes von Jassy und Vogels wohl mehrere Dutzend. Diese betrafen die Bereiche künstliche Intelligenz (KI), IoT, Datenbanken, IT-Management und -Sicherheit.

Besondere Beachtung erhielten Datenbanken und Storage, denn auf der jüngsten Oracle OpenWorld hatte Larry Ellison massiv gegen Amazon geschossen und deren Storage-Lösungen als zu teuer und zu leistungsschwach abqualifiziert. Jassy war davon aber nicht sonderlich beeindruckt.

AWS re:Invent Oracle Comic
Auf der AWS re:Invent zeigte man sich auch belustigt über die jüngsten Drohungen von Oracle CEO Larry Ellison, wie dieses Bild zeigt.

„Die Zeit von proprietären Systemen und den ‚One-Size-Fits-All‘ -Datenbanken ist endgültig abgelaufen. Hunderte Anwender arbeiten tagtäglich daran auf AWS-Datenbanken umzustellen“, sagt er über den ungeliebten Konkurrenten. Inhaltlich ging es vor allem Erweiterungen bei der nicht-relationalen Datenbank DynamoDB sowie die komplett neue Graphdatenbank Neptune.

Viel Neues bei KI und ML

Einen besonderen Schwerpunkt bildeten die Bereiche KI und IoT. Bei KI baut Amazon eine Art KI-as-a-Service auf. Das Produkt heißt SageMaker. Es soll Entwicklern, die noch nicht viel Erfahrung mit Machine Learning (ML) haben, eine Plattform bieten, auf der sie ML-Anwendungen entwickeln, trainieren und in die Produktionsumgebung überführen können.

Zu SageMaker gehören verschiedene allgemeine Algorithmen, wie K-Means, XGBoostSeq2Seq und Neural Topic Modelling sowie die Frameworks MXNet, TensorFlow, Caffe2, PyTorch und Torch. Jassy vergleicht die Entwicklung von Machine-Learning-Anwendungen mit dem Einkaufen bei Amazon: Alles ist nur „ein Klick“ - mit einem Klick den Algorithmus auswählen, ein weiterer für das Training der Anwendung, ein weiterer fürs Deployment und schon ist alles live.

Alexa wird Teil von AWS

Nicht nur verbal wachsen hier Standard-Angebote von Amazon mit AWS zusammen. Auch bei vielen neuen Angeboten gibt es überlappende Strategien. Kernstück ist der smarte Speaker Alexa.

„Sprache ist das zukünftige Interface von Mensch und Maschine, Maus und Tastatur waren nötig, weil die Maschinen nichts Anderes verstanden, doch es ist nicht sinnvoll den Menschen an die Maschine anzupassen, sondern es muss umgekehrt sein: Die Maschine muss sich dem Menschen anpassen“, sagt Vogels über diese neue Entwicklung.

Hierzu kündigte er Alexa for Business an. Damit lassen sich Videokonferenzen auf Kommando einrichten oder Standard-Abfragen am Desktop erledigen. Als Beispiele nannte er Börsenabfragen, Terminen sowie die Verfügbarkeitsprüfung von Konferenzräumen oder Kollegen. Zur Sprachverarbeitung gehören auch automatische Übersetzungen, Speech-to-Text und Analysen von unstrukturierten Texten.

Von der Sprache zum Bild: DeepLens

Eng verwandt mit der Sprachverarbeitung ist die Bildverarbeitung. Folglich ist Amazon auch auf diesem Gebiet aktiv. Hierzu gibt es jetzt die smarte Videokamera DeepLens, die über eine integrierte Deep-Learning-Funktion verfügt.

AWS CEO Andy Jassy
„Wir haben das mit Abstand umfangreichste Cloud-Angebot und das wird auch weiterhin so bleiben“, sagt AWS CEO Andy Jassy in seiner Keynote.

Damit kann man sie auf das Erkennen von bestimmten Bildmustern trainieren. In der Keynote von Jassy wurde das mit dem Cover von Musikalben demonstriert, die mit einer Genauigkeit von 98 Prozent erkannt werden sollen. Ergänzend dazu gibt es eine Bild- und Video-Interpretation als Batch- oder in Echtzeit-Verarbeitung.

Von IoT zu AoT

KI und ML sind bekanntlich auch zunehmend feste Bestandteile von IoT und somit hat Amazon hier auch eine Initiative vorgestellt. Dazu gehören IoT Device Management, die Security-Funktion IoT Device Defender, IoT Analytics, das neue Betriebssystem FreeRTOS für Microprocessor-Units (MPUs) und Greengrass, ein Interface für Machine Learning.

Jassy verwies in seiner Keynote darauf, dass die neuen IoT-Tools sich „vor allem durch eine hohe Skalierbarkeit auszeichnen." Amazon hofft damit, die universelle Plattform für die Anbindung aller IoT-Devices zu werden. Das würde aus dem IoT (Internet of Things) ein AoT (AWS of Things) machen.

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Artikel wurde zuletzt im Dezember 2017 aktualisiert

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