Big Data Discovery kann Oracle wieder in den Gartner BI Magic Quadrant hieven

Oracle ist nicht mehr im Gartner BI Magic Quadrant. Analyst Josh Parenteau erläutert, warum Oracle mit Big Data Discovery wieder bessere Chancen hat.

Nachdem Oracle zehn Jahre in Folge im Business Intelligence and Analytics Platforms Magic Quadrant von Gartner...

vertreten war, schaffte es das Unternehmen 2016 nicht in das Ranking. Im Interview erklärt Josh Parenteau, Research Director bei Gartner und Verantwortlich für den 2016 BI Magic Quadrant, wie das Ergebnis die zukünftigen Entscheidungen von Oracle beeinflussen wird und was Oracle-Anwender aus dem Ergebnis lernen.

Was sind die Kriterien für die Aufnahme in den Gartner BI Magic Quadrant?

Josh Parenteau: In diesem Jahr haben wir eine dramatische Veränderung der Grundlagen des Magic Quadrant als Reaktion auf die Marktverschiebung vorgenommen, die wir in den letzten vier Jahren beobachten konnten: Heute ist nicht mehr die IT der primäre Käufer und IT nicht mehr das primäre Publikum. Das ist eine große Umstellung. In diesem Jahr haben wir uns entschlossen, uns darauf zu konzentrieren, wo der Kauf am Markt stattfindet. Deshalb haben wir auch unsere Definition grundlegend modernisiert. Für die Definition wurde im Grunde alles, was normalerweise eine IT-Beteiligung, IT-Modellierung oder ein Enterprise Reporting erfordert, nicht in die Beurteilung einbezogen. Für Oracle bedeutet dies, dass die OBIEE-Plattform, die von einem Gros seiner Nutzerbasis verwendet wird, nicht mehr enthalten ist.

Was wir in die Bewertung und Evaluierung einbezogen haben, sind Visual Analyzer und Big Data Discovery, die dieses Jahr neu auf den Markt gekommen sind. Leider gibt es nicht genug Traktion bei diesen Produkten. Eine Anforderung für den Magic Quadrant ist, dass man mindestens 40 Kunden vorweisen muss, also 40 Kunden, die eine Anwendung bereits produktiv einsetzen. Und Oracle kann das mit diesen Produkten noch nicht vorweisen. Sie sind spät mit diesen Produkten auf den Markt gekommen und haben nicht genug Zugkraft, um die Anforderungen des Magic Quadrant zu erfüllen.

Es klingt so, als wenn die Veränderungen nicht daraus resultieren, dass Oracle etwas verändert hat, sondern Gartner.

Parenteau: Richtig, OBIEE ist immer noch da. Es wird weiterhin als Plattform verkauft, doch es entspricht nicht einer modernen Definition des Magic Quadrant. Es benötigt im Vorfeld eine Einbeziehung der IT. Man muss ein Datenmodell vordefinieren, was die IT macht. Und es konzentriert sich auf Enterprise Reporting. Wir haben all diese Dinge in ein separates Dokument mit dem Namen Market Guide übertragen, da dies wie gesagt nicht dort ist, wo Käufe heute stattfinden. Wenn man sich anschaut, was heute eingekauft wird, dann sind es nicht diese Art von Tools. Es sind die Tools, die wir in unserem Magic Quadrant beurteilen.

Josh Parenteau, Gartner

Traditionelle Business Intelligence (BI) drehte sich um groß angelegte Konsolidierungsbemühungen, also um die Single Source of Truth; den Aufbau eines Warehouses; und einen zentralisierten, konsolidierten Ansatz für das Reporting und Dashboarding. Die Unternehmen beabsichtigten früher, die einzelnen Silos zentral kontrollieren zu können, in denen die Mitarbeiter ihre Aufgaben in Excel und Access in einer eigenen, getrennten Arbeitsweise erledigen.

Was wir in den letzten fünf Jahren beobachtet haben, ist, dass Unternehmen wie Tableau, Qlik und Spotfire zwar bis zu einem gewissen Grad diesen Weg mitgegangen sind, dann daraus ausbrachen und ihre Produkte direkt an die einzelnen Geschäftsanwender und Analysten in den Organisationen verkauften. Zunächst wurde dies als abtrünniger Ansatz abgetan. Das Mantra war, einen zentralisierten Ansatz zu verfolgen, bei dem die IT der Produzent und das Business der Konsument ist. Doch das neue Modell hat mit diesem Ansatz gebrochen und sich seitdem beschleunigt.

Hat Oracle in anderen Bereichen Erfolge vorzuweisen oder bewertet der Magic Quadrant Oracle lediglich kritisch?

Parenteau: Da sie nicht vollständig teilgenommen haben, ist es schwer zu sagen, ob sie sich bei einigen Dingen verbessert haben, die wir untersucht haben – speziell bei herstellerspezifischen Dingen und nicht so sehr bei produktspezifischen. Ich kann allerdings ihre Produktausrichtung kommentieren. Ich denke, dass sie in die richtige Richtung investieren. Und ich denke, dass sie bei einigen Dingen spät dran sind. Sie befinden sich in einer Übergangsphase, die schon seit einiger Zeit andauert.

Aber ich glaube nicht, dass es zu spät für sie ist. Es ist ein sich schnell entwickelnder Markt. Wenn sie erkennen, dass es neue Käufer gibt – sie haben die Fähigkeiten und Kapazitäten, um die Bedürfnisse heutiger Käufer zu stillen – und sich für die nächste Welle des Umbruchs richtig positionieren, dann denke ich, dass sie alle Chancen haben. Sie haben das bereits erkannt und verstanden. Ich denke, Big Data Discovery ist in diesem Fall genau richtig. Oracle gehört zu einer Handvoll Anbieter, die ein Produkt haben, dass speziell auf Hadoop ausgerichtet ist. Discovery ist ein Indiz dafür, dass Oracle erkannt hat, wohin sich der Markt bewegt – ein positives Zeichen.

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Welche Hausaufgaben müssen Oracle und Oracle-Anwender noch erledigen?

Parenteau: Oracle muss die Signale etwas früher erkennen. Es reagiert auf Kundenbedürfnisse und ich denke, sie haben erkannt, dass es nicht nur um das Produkt geht. Man kann das beste Produkt der Welt haben, aber wenn Kunden nicht damit arbeiten wollen, weil sie die Beziehung zum Unternehmen nicht mögen, zählt das nichts. Sie müssen daher zwei Dinge beachten. Sie müssen ihre Reputation auf Kundenseite verbessern und auf der anderen Seite weiterhin in einige Dinge investieren, die modernes BI ausmachen. Es geht vor allem darum, die Balance zu finden und ihre traditionelle BI-Perspektive auch als Stärke beziehungsweise als ein solides Fundament anzusehen und darauf aufzubauen. Ich denke, dass sie hierfür bereits Schritte unternommen haben. Der wichtigste Punkt aber ist, die Wahrnehmung davon zu verändern, wie es ist, mit Oracle-Produkten aus Kundensicht zu arbeiten.

Kunden wiederum würde ich empfehlen, nicht alles wegzuwerfen. Das gilt nicht nur für Oracle. Wir sagen nicht, dass alles, was früher mit dem Magic Quadrant gemessen wurden, heute nicht mehr relevant ist. Angesichts der Tatsache, dass man heute sehr viel mehr Daten in einer Vielzahl von Bereichen hat, wird ein deutlich agilerer Ansatz benötigt, das Problem zu bewältigen. Für ein neues Projekt sollte man daher mit etwas beginnen, was im Magic Quadrant vertreten ist.

Ich würde sagen, wenn man bereits Oracle-Kunde ist, sollte man wissen, dass sie weitere Angebote haben. Sie haben nur noch nicht genug Traktion, um im Quadrant zu erscheinen. Wenn ein Unternehmen eine Big Data Hadoop-Initiative gestartet hat, sollte es natürlich einen Blick auf Big Data Discovery werfen, da Oracle sich genau hierauf konzentrieren wird. Sucht man nach einem Tool für die Datenerfassung und Analyse, sollte man einen Blick auf Visual Analyzer werfen, das Teil der Cloud-Services ist. Hat eine Organisation eine Cloud-Initiative begonnen, sollte sie den Business Intelligence Cloud Service (BICS) von Oracle genauer betrachten.

Ich würde nicht sagen, nur, weil sie nicht mehr Magic Quadrant vertreten sind, sollte ein bestehender Oracle-Kunden auch nicht mehr deren Lösungen unter die Lupe nehmen. Denn es bedeutet nicht, dass sie für immer aus dem Magic Quadrant verschwunden sind. Sie befinden sich in einer Übergangsphase. Der Markt befindet sich im Übergang. Nächstes Jahr beginnt das Spiel wieder von neuem.

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Artikel wurde zuletzt im Dezember 2016 aktualisiert

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