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Der BI-Markt ist noch lange nicht gesättigt

Im Interview spricht Robert Schmitz, Country Manager DACH von Qlik, über die aktuelle Lage am BI-Markt und welche Rolle Self Service BI heute spielt.

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BA

Ein Blick auf die nackten Zahlen verrät: Business-Intelligence- und Daten-Management-Lösungen sind in Deutschland beliebt und bescheren den Anbietern ein unablässiges Wachstum. Nach Angaben des Analysten- und Beratungshauses BARC wuchs der hiesige BI-Markt in den letzten acht Jahren kontinuierlich um rund zehn Prozent pro Jahr. Im vergangenen Jahr lag der Gesamtumsatz mit BI-Lösungen bei rund 1,6 Milliarden Euro.

Ein Anbieter, der sich in den letzen Jahren auch in Deutschland etabliert hat, ist Qlik. Das ursprünglich in Schweden gegründete Softwareunternehmen bietet mit QlikView, Qlik Sense und Qlik Analytics Plattform mehrere BI- und Analytics-Tools an. Im Interview erläutert Robert Schmitz, Country Manager DACH von Qlik, die Feature der Anwendungen, verweist auf die Bedeutung von Self Service BI und wagt einen Blick auf kommende Trends am BI-Markt.

Qlik präsentierte Anfang Mai Qlik Sense Enterprise 3.0 und Qlik Sense Cloud Business. Was hat sich gegenüber den Vorgängerversionen geändert beziehungsweise was ist neu?

Robert Schmitz: Eine ganze Menge. Um die neuen Features auf den Punkt zu bringen: Der Fokus bei Qlik Sense Enterprise 3.0 lag eindeutig auf den Management- und Verwaltungsfunktionen – ein Großteil der neuen Features bringen Verbesserungen in diesem Bereich. Die IT-Abteilungen können den Einsatz von Qlik Sense-Anwendungen über mehrere Standorte hinweg einfacher verwalten und überwachen – präzise Governance ist hier das Stichwort. Mitarbeiter können Inhalte und Ressourcen einfacher verwalten und damit sowohl Daten als auch fertige Apps schneller nutzbar machen. Und Entwickler erstellen, designen und teilen mit einem neuen Development Hub eigene Apps wesentlich schneller und komfortabler. Qlik Sense Enterprise 3.0 macht außerdem den Datentransfer aus Twitter, Facebook und Google sowie Cloud-basierten Anwendungen wie Microsoft Dynamics CRM und SugarCRM möglich.

Der zweite Fokus ist Collaboration – aber so, dass Sicherheit und Governance nicht zur kurz kommen. Qlik Sense Cloud Business bietet beides: Innerhalb eines Gruppenarbeitsbereichs in der Cloud können Anwender gemeinsam Apps und Visualisierungen erstellen und bearbeiten. Ein Datenraum bietet die Möglichkeit, Daten zu hinterlegen und mit ihnen neue Apps zu erstellen. Natürlich hat nicht jeder beliebige Mitarbeiter Zugriff auf diese Apps: Rollenbasiert haben Nutzer und Gruppen Zugang zur Cloud.

An wen richtet sich Qlik mit diesen Angeboten?

Robert Schmitz: Prinzipiell können kleine und mittlere Unternehmen die neuen Qlik Sense-Produkte ebenso nutzen wie Einzelpersonen oder Teams in Großunternehmen. Dabei spielt es keine Rolle, in welcher Branche die jeweiligen Unternehmen angesiedelt sind und welche Mitarbeiter mit den BI-Lösungen arbeiten werden, denn Qlik Sense Enterprise 3.0 und Qlik Sense Cloud Business folgen unserem Self-Service-Ansatz, der den einfachen und schnellen Umgang mit Big Data auch für Fachkräfte ohne IT-Know-how möglich macht.

Was früher ein Thema für Datenanalysten und IT-Fachleute war, können heute alle Mitarbeiter – dank intuitiver und benutzerfreundlicher Plattformen. Wer Qlik Sense bereits im Einsatz hat, bekommt regelmäßig dreimal im Jahr ein Release Update. Die Analyseplattform kann damit jetzt noch besser verwaltet werden. Auch können jetzt gleich mehrere Anwender gleichzeitig über die Qlik Sense Cloud Business einfach und sicher Qlik Sense Apps erstellen.

Das Thema Self Service BI wird immer wieder thematisiert. Welche Vorteile bringen Self-Service-Lösungen?

Schmitz: Grundsätzlich gilt natürlich, je mehr Mitarbeiter Einblick in die Unternehmensdaten haben, desto fundiertere Entscheidungen können innerhalb der einzelnen Fachabteilungen getroffen werden. Das erhöht die Geschwindigkeit von Prozessen und die Reaktionsfähigkeit eines Unternehmens enorm. Durch den Blick vieler Augen auf die Daten entstehen Ideen und daraus Innovationen, neue Produkte und Geschäftsbereiche. Dadurch steigt die Kundenzufriedenheit, und damit auch der Umsatz eines Unternehmens.

Eine Studie, die wir kürzlich zusammen mit dem Wall Street Journal unter weltweiten Finanzdienstleistern durchgeführt haben, hat das noch einmal deutlich gezeigt: Mehr als 80 Prozent der 300 befragten Führungskräfte steigern den Jahresumsatz ihres Unternehmens durch den verstärkten Einsatz von Self Service BI um mindestens fünf Prozent. Paradox ist aber, dass viele Unternehmen aus Sicherheitsgründen noch immer sehr zurückhaltend sind, was Self-Service-Lösungen betrifft – dabei gibt es heute dank präziser Governance-Regeln eigentlich keinen Grund mehr zur Sorge.

Bergen Self-Service-Anwendungen nicht auch die Gefahr, dass Geschäftsberichte zu oberflächlich werden oder unkorrekte Analysen entstehen?

Schmitz: Überhaupt nicht. Zum einen hat Self Service ja nur limitiert mit Geschäftsberichten zu tun. Diese werden nach wie vor zentral und mit etablierter Qualitätskontrolle erstellt. Self Service heißt ja, dass mehr Mitarbeiter Zugang zu Data Analytics haben – in einem Compliance-konformen, sinnvollen Rahmen. Self Service heißt nicht, dass die Mitarbeiter die Datenbasis ändern können. Sie haben auch nicht auf alle beliebigen Daten uneingeschränkten Zugriff und ziehen nur diejenigen zur Analyse heran, die für ihre Abteilung auch wirklich relevant sind.

Dass sich durch die Nutzung von Self-Service-Anwendungen unkorrekte Analysen einschleichen, ist eher unwahrscheinlich. Die Anwendungen und Dashboards bestehen für Self-Service-Nutzer aus bereits vorgegebenen Analysepfaden, mit denen alle Mitarbeiter abteilungsübergreifend Auswertungen erstellen können – hier sollte also eigentlich nichts mehr schiefgehen. Zumal kein Mitarbeiter eine Self-Service-Lösung gleich zu Beginn auch als solche nutzt. In anfänglichen Schulungen wird den Mitarbeitern genau erklärt, wie sie richtig mit der App umgehen – und wie sie am besten davon profitieren können. Und die Kollegen sehen ja nicht nur die Visualisierungen, sie können tiefer in die Daten bohren – was ja eher eine Qualitätskontrolle ist.

Wie akzeptiert ist Self Service BI aus Ihrer Sicht in den Unternehmen Ihrer Kunden?

Schmitz: Tatsächlich ist bereits eine ganze Reihe unserer Kunden auf den Self-Service-BI-Zug aufgesprungen, der immer mehr an Fahrt gewinnt. Ich habe mittlerweile den Eindruck, dass der Einsatz von Self-Service-Lösungen mehr die Regel denn die Ausnahme ist. Weltweit scheinen Unternehmen die Vorteile erkannt zu haben und ihren Mitarbeitern zunehmend die eigenständige Analyse von Daten anzuvertrauen, um dadurch wettbewerbsfähig zu bleiben. Dies wurde auch durch die Befragung im April zusammen mit Forbes Insights von mehreren hundert Fachleuten aus IT und Wirtschaft weltweit zu diesem Thema bestätigt.

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Die Umfrageergebnisse zeigen klar: Immer mehr Unternehmen investieren in Self-Service-Lösungen. Diesen Trend sehen wir auch bei unseren Kunden. Vom Lebensmittelhersteller über Flughäfen und Frachtabfertigungsunternehmen bis hin zu Pharma- und Druckunternehmen – überall können Mitarbeiter Daten selbst auswerten. Mitarbeiter etwa aus den Bereichen Controlling, Vertrieb oder Qualitäts-Management können Kennzahlen so in kürzester Zeit generieren und weiterleiten und damit kurzfristig auf Abweichungen reagieren. Und auch der Spaß bei der Anwendung kommt nicht zu kurz: Besonders Mitarbeiter, die weniger zahlenaffin sind, nutzen die Apps gerne und finden Gefallen daran, mit den Visualisierungsmöglichkeiten zu experimentieren.

Welches Know-how ist nötig, um BI-Lösungen von Qlik oder anderen Anbietern in seine IT-Landschaft zu integrieren?

Schmitz: Unser Ziel ist es, so viele Anwender wie möglich zu ermuntern, durch die einfache und schnelle Analyse ihrer Daten entscheidende Erkenntnisse zu gewinnen. Das gelingt uns nicht nur mit unserem Self-Service-Ansatz in der Nutzung der BI-Anwendungen. Entsprechend einfach soll auch deren Installation sein. Qlik Sense Desktop zum Beispiel kann auch von BI-Interessierten mit weniger IT-Know-how heruntergeladen und installiert werden. Per Drag and Drop lassen sich beispielsweise Excel-Dateien importieren und anschließend ganz einfach benutzerdefinierte Apps erstellen. Auch extrem aufwendige Analysen in QlikView lassen sich vergleichsweise einfach mit den Datenquellen verbinden.

„Unser Ziel ist es, so viele Anwender wie möglich zu ermuntern, durch die einfache und schnelle Analyse ihrer Daten entscheidende Erkenntnisse zu gewinnen.“

Robert Schmitz, Qlik

Nur die Festlegung von Datenmodellen und Regeln rund um Governance und Datensicherheit, die bei umfassenden Self-Service-Anwendungen berücksichtig werden müssen, gehört wirklich in die Hände von Fachleuten. Hier ist es sicherlich ratsam, auf die interne IT oder die Expertise von Beratungsunternehmen zu setzen. Mit der Unterstützung unserer Partner konnten viele unserer Kunden die ersten BI-Applikationen meistens schon nach kurzer Zeit produktiv einsetzen.

Der BI-Markt ist einer der am schnellsten wachsenden Softwarebereiche. Wie lässt sich diese wirtschaftliche Dynamik in Zukunft fortsetzen?

Schmitz: Wenn man nach der Meinung der Analysten geht, ist der BI-Markt noch lange nicht gesättigt. Es gibt tatsächlich einige Faktoren, die das Wachstum von BI weiter antreiben. Der Wandel der Lösungen von reinen IT-getriebenen Reporting-Systemen hin zu einem prozessbasierten Ansatz ist im vollen Gange – und fördert die Dynamik erheblich. Auch das Datenwachstum hält an und die Notwendigkeit, diese Daten zu wirklichen Assets zu machen, steigt. Viele Unternehmen werten bislang in erster Linie unternehmensinterne Datenquellen aus. Hinzu kommen aber auch verstärkt Cloud-basierte Informationen und Dialoge aus den sozialen Netzwerken.

Nachdem BI im Enterprise-Bereich längst eine Gegebenheit ist, setzt sich die Dynamik nunmehr im Bereich Mittelstand und kleine Unternehmen fort. Auch die Tatsache, dass BI-Lösungen in der Cloud verfügbar sind und damit die Kosten ihres Einsatzes planbarer werden und auch keine IT-Abteilung notwendig ist, fördert dies. Weitere Vorteile dabei sind schnelle Skalierbarkeit bei Bedarf, einfache Integration mit anderen Applikationen und ein hohes Sicherheitsniveau.

Einen weiteren Schub gibt die fortschreitende Demokratisierung von Analytics – hier sind wir wieder beim Thema Self Service BI. Unternehmen geraten immer mehr unter Druck, extrem schnell auf veränderte Rahmenbedingungen oder Herausforderungen zu reagieren. Das ist nur möglich, indem sie möglichst vielen Mitarbeitern Zugang zu den Daten hinter den Entwicklungen geben.

Was sind die drei aktuellen Top-Trends am BI-Markt?

Schmitz: Es ist nicht einfach, aus den neueren Entwicklungen die drei wichtigsten Trends auszuwählen, da diese inhaltlich zusammenhängen und einander bedingen. Trend Nummer eins ist aber immer noch Self Service BI. Die einfache Anwendbarkeit von BI-Lösungen ermöglicht es, immer mehr potenzielle User anzusprechen und ihnen Zugang zu Auswertungen und Einsichten zu verschaffen – so reicht Advanced Analytics über die Fachanwender hinaus. Self-Service-BI-Tools bieten dabei zugleich Governance-Funktionalitäten, die den Unternehmen Sicherheit bieten und Missbrauch verhindern.

Die professionelle Visualisierung von Daten sehe ich als Top-Trend Nummer zwei. Zusammenhänge können dabei auf einen Blick erfasst werden. Optisch gut aufbereitete Auswertungen machen die Erkenntnisse aber nicht nur greifbarer. Sie ermöglichen auch eine neue Art der Zusammenarbeit. Diese Entwicklung hängt eng mit dem dritten, zu beobachtenden Trend zusammen. Erkenntnisse werden heute interaktiv mit BI-Lösungen präsentiert, Collaboration wird effizienter. Im besten Fall entsteht eine Community, die wie im Crowdsourcing kreativ mit Daten umgeht und über einen spielerischen Umgang mit denselben eine Art Sog entwickelt. Die User finden dann immer neue Erkenntnisse in ihren Quellen und legen so letztlich die Basis für datenbasierte Innovation. Dieser Anspruch der breiten Verfügbarkeit und Diskussion von Daten setzt natürlich auch voraus, dass BI mobil verfügbar ist, um den Anforderungen der New Work zu genügen.

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Artikel wurde zuletzt im Juli 2016 aktualisiert

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