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Der Siegeszug des autonomen Fahrens ist unausweichlich

Der Automobilmarkt befindet sich im Umbruch. Im Interview erläutert Dr. Stefan Ebener von NetApp, wie stark der Wandel bereits fortgeschritten ist.

Die Digitalisierung hält Einzug in den Automobilmarkt. Doch während die Autoindustrie im Bereich Smart Manufacturing eine Vorreiterrolle einnimmt, hinken deutsche Autobauer beim autonomen und vernetzten Fahren insbesondere Tesla und Google hinterher.

Im Interview erklärt Dr. Stefan Ebener, Strategy & Innovation Manager bei NetApp, worauf es für Autobauer ankommt, welche Rolle Daten-Management-Spezialisten beim autonomen und vernetzten Fahren spielen und wie die Zukunft der Automobilbranche aussieht.

Herr Ebener, derzeit wird viel über die Zukunft der Automobilbranche und des Automobils in Deutschland diskutiert. Können Sie uns erläutern, wie diese Zukunft aussieht?

Stefan Ebener: Sehr gerne. Die Zukunft der Automobilbranche liegt zum einen im autonomen und vernetzten Fahren, zum anderen gewinnen auch Mobility Services zusehends an Bedeutung. Das zeigt die jüngste Studie des Beratungshauses Frost & Sullivan.

Unter anderem prognostizieren die Analysten, dass bis 2030 zwanzig Prozent des gesamten Gewinns des Automobilsektors auf den Bereich Shared Mobility zurückgehen wird. Insgesamt sehen die Experten für den Gesamtmarkt ein Wachstumspotential von mindestens 20 Prozent, sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn. Die Autobranche hat diese Zeichen der Zeit erkannt und investiert. Schätzungen von Frost & Sullivan zufolge werden sich die Ausgaben der Industrie im Bereich Digitalisierung und Forschung bis 2020 auf insgesamt 82 Milliarden US-Dollar summieren.

Sind deutsche Autobauer und Zulieferer auf diese Entwicklung ausreichend vorbereitet?

Ebener: Ja und nein. Mittlerweile stellen sich nahezu alle deutschen OEMs (Anm. Original Equipment Manufacturer) auf die voranschreitende Digitalisierung ein, indem sie an Mobilitätsservices, Elektromotoren und dem autonomen und vernetzten Fahren arbeiten. Beispielsweise haben erst vor kurzem Daimler, Audi und BMW den Kartendiensthersteller Here übernommen, um ihre Bemühungen voranzutreiben. Allerdings haben Technologiekonzerne wie Google und junge Autobauer wie Tesla immer noch einen beträchtlichen Wissensvorsprung. So blickt der Suchmaschinendienst auf bisher 3,8 Millionen erfasste Testkilometer zurück, während der Fahrzeughersteller für Elektroautos gar 780 Millionen Kilometer ausweist – und alle zehn Stunden generiert Tesla eine weitere Million.

Wie von Ihnen angesprochen, entstehen durch die Digitalisierung und Vernetzung der Automobile riesige Datenmengen. Wie lassen sich diese Daten analysieren und verwerten?

Ebener: Exakt vor dieser Herausforderung steht die Automobilbranche derzeit. Sie sammelt Unmengen an Daten, tut sich aber schwer mit deren Verarbeitung. Für eine Lösung dieser Problematik verlangt es nach einem intelligenten sowie effizienten Umgang mit den Informationen. Teils können dies smarte Pkw jetzt schon leisten, indem sie zum Beispiel nur jene Daten übertragen, die für die Berechnung neuer Algorithmen erforderlich sind. Allerdings reichen die derzeitigen Lösungen nicht aus – deshalb werden künftig auch Daten-Management-Spezialisten zu wichtigen Partnern des Automobilsektors avancieren.

Wer ist dabei eigentlich der Eigentümer dieser Daten: Fahrzeughersteller oder Fahrzeughalter?

Ebener: Gemäß dem Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) und der ab Mai 2018 in Kraft tretenden EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) gehören alle Daten, die im Zuge des autonomen und vernetzten Fahrens anfallen, den Fahrzeughaltern. Dafür müssen die Daten entweder mit der Fahrzeugidentifikationsnummer oder dem Kfz-Zeichen verknüpft werden. Allerdings bietet sich den Autoherstellern durch die neue Gesetzgebung künftig die Möglichkeit, die Daten zu anonymisieren, wodurch sowohl Fahrzeughalter als auch Fahrer ihr Recht auf Auskunft und Intervention einbüßen würden. Die Unternehmen können dann ganz legal über die gesammelten Informationen verfügen.

Entstehen durch dieses Big Data neue Geschäfts- und Verwertungsmodelle?

Ebener: Ja, eindeutig. Beispielsweise können Kunden von Autoversicherungen und Leasing-Anbietern auf Kostenreduzierung hoffen, wenn sie im Gegenzug der Weitergabe ihrer Daten zustimmen. Ähnliche Geschäftsmodelle ergeben sich auch für Reifenhersteller und Werkstätten. Darüber hinaus sollen Autofahrer per Touchscreen zu Hotelzimmern, Flügen oder Mitfahrgelegenheiten kommen. Die Option, einen anderen Wagen über eine Taxi-App zu rufen oder einen Car-Sharing-Dienst zu buchen, gehört ebenso dazu. Andere Dienste wie Werbung, Kommunikations- und Bildungsangebote sowie Social Media und Bezahldienste werden ebenfalls den Weg ins Management-System des Fahrzeugs finden.

NetApp ist in erster Linie für Speichertechnologien bekannt. Wo kommt das Thema Automobilität bei NetApp ins Spiel?

Ebener: Unsere Gesellschaft steht vor großen Herausforderungen. Im Bereich der Mobilität sind dies vor allem der Klimawandel und die Verkehrsproblematik in urbanen Regionen. Wir bei NetApp wollen unseren Beitrag zu einer energieeffizienten, emissionsarmen, sicheren, komfortablen und kostengünstigen Mobilität leisten. Als IT- und Daten-Management-Spezialist verfügen wir über das entsprechende Know-how, dem Automobilsektor bei der Entwicklung innovativer Mobilitätskonzepte zu helfen. Deshalb unterstützen wir OEMs und Zulieferer mit kosteneffizienten und bandbreitenschonenden Daten-Management-Lösungen.

Dr. Stefan Ebener, NetApp

„Die Automobilbranche sammelt Unmengen an Daten, tut sich aber schwer mit deren Verarbeitung. Es verlangt nach einem intelligenten Umgang mit den Informationen.“

Dr. Stefan Ebener, NetApp

Welche Technologien bietet NetApp speziell für Datenverarbeitung und Daten-Management im Automobilbereich an?

Ebener: Derzeit arbeiten wir mit OEMs an verschiedenen Projekten, die das autonome und vernetzte Fahren in seiner Entwicklung beschleunigen. Beispielsweise bietet NetApp Daten-Management für intelligente Autos an, das auf Big Data Analytics beruht und über Hadoop mit MapR und eSeries realisiert wird.

Zudem implementieren wir Objektspeicher mit Langzeitarchiven und Anbindung an die Cloud. Mit StorageGRID Webscale von NetApp lassen sich unstrukturierte Daten jeder Größenordnung speichern und managen. Eine Storage-Infrastruktur für Cloud-Applikationen, die NetApp für AWS S3 (Anm. Amazon Web Service Simple Storage Service) konzipiert hat, steigert die Effizienz und sorgt für strikte Data Governance. Geeignet sind diese Speicherarchitekturen für Videodatenablagen beim vernetzten Fahren, für Maschinendatenanalysen beim Smart Manufacturing und für die Metadatensuche.

Lassen Sie uns abschließend den Bogen zur Eingangsfrage spannen: Werden sich autonome Fahrzeuge in Zukunft durchsetzen? Wenn ja, wann und wer werden die Gewinner und Verlierer dieser Entwicklung sein?

Ebener: Der Siegeszug des autonomen Fahrens ist unausweichlich. Darauf lassen die derzeitigen Entwicklungen im Automobilsektor und viele Studien schließen. Wann genau sich autonome Fahrzeuge durchsetzen werden, ist jedoch schwer einzuschätzen. Das Beratungsunternehmen Roland Berger geht davon aus, dass der Anteil von autonom fahrenden Taxis am gesamten Mobilitätsangebot bis 2030 bei circa 30 Prozent der weltweit gefahrenen Kilometer liegen wird. Auf der Strecke werden jene OEMs und Zulieferer bleiben, die ihre IT-Architekturen weder flexibel noch skalierbar machen und kein effizientes Daten-Management betreiben. Ihnen droht, nur noch das Fahrzeug herzustellen, mit dem Anbieter digitaler Dienste Geld verdienen.

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Artikel wurde zuletzt im Januar 2018 aktualisiert

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