Entwickleranforderungen sollten die Wahl der richtigen PaaS bestimmen

Firmen, die in eine PaaS-Lösung investieren möchten, haben die Qual der Wahl. Projektziele und Entwicklerbedürfnisse sollten bei der Entscheidung eine Rolle spielen.

Der Markt für Platform as a Service (PaaS) ist hart umkämpft: Die Marktforscher von Gartner zählen über 150 PaaS-Angebote...

auf dem Markt. Die älteren, etablierteren PaaS-Anbieter wie IBM und Microsoft konkurrieren mit neueren Akteuren wie Google und CloudBees. Unternehmen, die in PaaS investieren möchten, werden angesichts des für 2016 erwarteten PaaS-Umsatzes von 2,9 Milliarden Dollar mehr denn je die Qual der Wahl haben. Um die richtige Entscheidung zu treffen, empfehlen Experten, das Hauptaugenmerk auf Cloud-Ziele und die Anforderungen des Entwicklungsteams zu legen.

Doch leider richten sich viele Unternehmen nach den falschen Kriterien, wenn sie den PaaS-Markt sichten. Fast die Hälfte der Befragten (49,6 Prozent) einer TechTarget-Umfrage gab an, sich für ihre aktuelle PaaS-Lösung entschieden zu haben, weil diese Teil der Cloud-Landschaft war, mit der sie bereits arbeiteten. Ebenso sagten 43 Prozent der Befragten, sie hätten sich bei ihrer Entscheidung daran orientiert, wie gut sich die PaaS in die bestehende Architektur einfügt.

Laut Yefim Natis, Vice President und Analyst bei Gartner, sind diese Kriterien jedoch beide kurzsichtig. „Sofern eine generelle Integrationsfähigkeit von Anwendungen gegeben ist, lässt sich alles ineinander integrieren“, erklärt er. „Mit iPaaS [Integration Platform as a Service] gibt es sogar einen eigenen Integrationsmarkt für Cloud-Services.“

iPaaS-Beispiele sind unter anderem Informatica Cloud, welches ein Cloud-Connector-Toolkit und Cloud-Integrationsvorlagen bietet, sowie IBM WebSphere Cast Iron. Letzteres integriert Cloud- und Rechenzentrumsanwendungen mit grafischen Konfigurationsschnittstellen.

„Man sollte sich nicht genötigt fühlen, das PaaS-Angebot der derzeit genutzten Plattform zu wählen“, so Natis. „Eher sollte man die Integration strategisch angehen und sich dann damit befassen, die für eine bestimmte Zielstellung benötigte Plattform einzubinden.“

Die häufigste Zielstellung für die Cloud ist, so Natis, dass man mit weniger Kompetenzen und zu geringeren Kosten schneller zum Ergebnis kommt. Eine der besten Möglichkeiten dazu bietet Force.com von Salesforce.com, fügt er hinzu, da Force.com eine hohe Produktivitätsrate aufweist. Außerdem sei dies derzeit die größte Plattform auf dem Markt, wenn man nach Umsatz, Nutzerzahlen und Größe der ausgeführten Anwendungen gehe. Trotzdem warnt Natis, dass sich Force.com nicht für jedes Cloud-Szenario eignet.

„Wenn das Ziel im Erhalt vorhandener Kompetenzen und bestehendem Code besteht, ist Force.com nicht die beste Option – eher die schlechteste, da die Lösung proprietär ist“, so Natis. „In einem solchen Fall eignet sich IBM SmartCloud Application Workload Service am besten.“ SmartCloud bietet Standard-Java-EE-Programmierung, bei der Code und Kompetenzen Hand in Hand gehen.

„Wenn Sie dagegen eine hochleistungsfähige Cloud-App mit Millionen Nutzern und Transaktionen aufbauen wollen, ist das wieder ein ganz anderes Ziel“, fährt Natis fort. „Dazu werden Sie kein öffentliches PaaS finden, dafür aber Software, die Sie kaufen und im Rechenzentrum Ihrer Wahl bereitstellen können. So erhalten Sie eine Cloud-artige Plattform.“ Ein entsprechendes Beispiel ist XAP von GigaSpaces. Die Lösung vereint ein In-Memory-Datenraster mit einer komplett elastischen Anwendungsplattform für hohe Skalierbarkeit.

John Rymer, Vice President und Chefanalyst bei Forrester Research, fügt hinzu, dass sich die richtige PaaS nach den Anforderungen und Kompetenzen des Entwicklungsteams richtet. „Wenn Sie sich auf lange Sicht [für eine PaaS-Lösung] entscheiden wollen, müssen Sie sich anschauen, wie gut die betreffende Umgebung Ihre Entwickler beziehungsweise den Typ Entwickler unterstützt, der bei Ihnen arbeitet.“

Für Rymer gibt es drei Kategorien von Entwicklern: Programmierer, die den gesamten Code selbst schreiben wollen; DevOps-Entwickler, die sich ein gewisses Maß an Abstraktion wünschen, aber trotzdem die Möglichkeit haben wollen, selbst zu programmieren und Konfigurationen vorzunehmen; und Schnellentwickler, die selbst gar keinen Code schreiben möchten.

„Betrachtet man den PaaS-Markt aus diesem Blickwinkel, so wird klar, dass die Unternehmen sich ihre jeweilige Zielgruppe herauspicken“, führt Rymer aus. Beispielsweise richtet sich die Java-PaaS von CloudBees an Programmierer, da hier weniger Infrastrukturkenntnisse erforderlich sind, damit Java-Entwickler sich auf das Programmieren und die App-Bereitstellung konzentrieren können. Amazon Web Services (AWS) spricht dagegen eher die DevOps-affinen Entwickler an. „Amazon ist nicht mehr als eine Sammlung von Diensten, die DevOps-Entwicklern bei der Konfiguration helfen“, sagt Rymer.

Die Schnellentwickler sind laut Rymer dagegen mit Force.com am besten bedient. „Mit Salesforce können Entwickler nicht konfigurieren wie mit Amazon. Force.com lässt dies gar nicht zu“, erklärt er.

Fima Katz, CEO des globalen Software-Engineering-Unternehmens Exadel aus Kalifornien, betont, dass Entwickler selbst an der Entscheidung beteiligt sein sollten, welche PaaS sie verwenden. „Sie müssen sicherstellen, dass Ihren Entwicklern die Sprachen, die erforderlichen Kompetenzen und der Anwendungsbereich der PaaS liegen“, sagt Katz.

Doch selbst wenn Sie die Anforderungen Ihrer Entwickler und Ihre Cloud-Ziele berücksichtigt haben, fehlt laut Katz noch ein weiteres wichtiges Teil im PaaS-Puzzle: Die Zuverlässigkeit des Anbieters. Katz empfiehlt, einen Anbieter ausführlich zu seinem Durchhaltevermögen zu befragen, bevor man in sein PaaS-Modell investiert. „Wie zuverlässig ist der Anbieter? Was, wenn Sie viel in einen Anbieter investieren, sich auf ihn verlassen, und morgen gibt es ihn nicht mehr?“, so Katz.

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Artikel wurde zuletzt im Januar 2016 aktualisiert

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