Trip-Report: IIR Forum Stammdatenmanagement

Die Vorträge und intensiven Diskussionen beim fünften Stammdatenmanagement Forum der IIR, diesmal in Frankfurt/Main, drehten sich um drei zentrale Themen.

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MDM

Die Vorträge und intensiven Diskussionen beim fünften Stammdatenmanagement Forum der IIR – diesmal in Frankfurt/Main – drehten sich um drei zentrale Themen: die betriebswirtschaftliche Motivation im Sinne von „lean MDM“ (Dr. Boris Otto, Universität St.Gallen), die Motivation der Mitarbeiter durch Change Management (Folkert Jung, Gesellschaft für Leistungsentfaltung, Hamburg) und den kritischen Erfolgsfaktor „Information (Data) Governance“ (Dr. Wolfgang Martin, Wolfgang Martin Team, Annecy). 

Das Thema Information Governance im Kontext von Stammdatendatenmanagement stand damit nach den ersten Diskussionen im letzten Jahr wieder auf der Agenda und unterstrich damit auch die Wichtigkeit des Themas: Menschen, Organisation, Prozesse und Technologie müssen konzertiert eingesetzt werden, damit eine Governance positiv wirken kann und den Erfolg nachhaltig sicher stellt. Die betriebswirtschaftliche Diskussion drehte sich um die Frage nach dem Wert von „Information“. Von Aussagen wie „Information hat keinen Wert, es sei denn, man nutzt sie“ bis zu einer tiefgehenden Diskussion, wie man ein Benchmarking basierend auf den Standards und Normen im Datenqualitätsmanagement aufsetzen kann (Dirk Malzahn, Accel GmbH, Lünen) reichten die Auffassungen und Bewertungsansätze. Am Ende der Diskussionen setzte sich die Meinung durch, dass der Wert von Information und Informationsqualität sich am besten indirekt aufzeigen lässt. 

So lassen sich die Treiber für Stammdatenmanagement identifizieren, die in einem Business Case für Stammdatenmanagement eingesetzt werden können: 

  • Geschäftsprozess-Management („kein Prozess ohne Daten“). Das wurde dann vertieft in einer Fallstudie der BMW Group (Dr. Norbert Widmann, München). Im Vortrag wurde besonders unterstrichen, dass sich so auch iteratives Vorgehen im Stammdatenmanagement aufsetzen lässt: Prozess um Prozess lässt sich vorgehen, der Big Bang wird vermieden.
  • Controlling/Business Intelligence („vertrauenswürdige Daten“ und „bessere Entscheidungen“) und Compliance („Nachhaltigkeit“ und auch „Herkunftsnachweise“) sind dabei durchaus traditionelle und wohl bekannte Treiber, die im Beitrag von PriceWaterhouseCoopers (Jan Stüben, Hamburg) diskutiert wurden. Sein Resümee: die 7 Säulen einer Data Governance.
  • Aber es wurde auch ein neuer Treiber angedacht: social media. Das wurde mit einem Beispiel unterstrichen: Die Migros baut in der Schweiz die Migipedia, ein social media für alle Kunden mit der Einladung zu Diskussionen über die Produkte und zur Bewertung der Produkte. Das aber geht nur, wenn die Produktstammdaten die notwendige Qualität haben!

Erfolg im Stammdatenmanagement basiert auf einer Information Governance. Das bedeutet zuallererst klare Rollen und Organisationsstrukturen. Das wurde eindringlich vorgetragen vom Sponsor Camelot IDPro, der aus einem seiner Projekte in einem Großunternehmen berichtete. So konnte hier der Materialstamm um 50% reduziert werden und nachweislich stiegen Datenqualität und die Qualität im Reporting. Dabei kommt es natürlich auch auf den Sponsor an: Stammdaten-Management ist Chefsache, da waren sich alle rund 50 Teilnehmer am Forum einig. Stammdatenmanagement wurde von allen Teilnehmern auch einvernehmlich als Programm gesehen, „a never ending story“. Dazu gehört dann, da war man sich wieder einig, eine Organisationsstruktur: Ein Kompetenzzentrum ist ein guter Ansatz, der als „Best Practice“ gilt. Ein solches Kompetenzzentrum kann mit gleichen Erfolgsaussichten zentral geführt werden wie im RWE Konzern (Gerhard Oehmen) oder auch virtuell wie bei Blohm und Voss Naval (Dr. Hans Hagen Bartsch). 

Die menschliche Motivation lässt sich in der Regel nur mit einem Change Management unterstützen oder gar herstellen. Es gilt, die Menschen mitzunehmen. Das macht man am besten, in dem man vor allem auch die Ängste vor Änderungen abbauen hilft. So lassen sich Abwehrhaltungen überwinden. In seinem Vortrag betonte Folkert Jung die unterschiedlichen Veränderungsgeschwindigkeiten der Facetten im Change Management: Strategie, Prozesse, Technologie, Organisation und Kultur. Strategie lässt sich am schnellsten ändern, aber die Kultur folgt von allen am langsamsten. Dazu kommt als weiterer kritischer Faktor die Veränderungsbereitschaft, die sich auch im Laufe von Projekten ändern kann. Das folgt im Prinzip den bekannten Hype-Kurven. Als ein gutes Werkzeug bei den Lösungen wurden dann die Reiss-Profile vorgestellt, die die Werte und Werteskalen der Mitarbeiter profilieren. Zusammen mit den Fähigkeitsprofilen hat man dann gute Steuerungsmöglichkeiten im Change Management. Bei den Prozessen zum Stammdaten-Management geht es heute im Sinne von „lean MDM“ mehr denn je um Automatisierung. Hier war der Beitrag der UniCredit Bank Austria (Walter Kosak, Wien) wegweisend im Sinne einer „best pratice“. 

Wichtig dabei ist eine saubere Trennung der fachlichen Regeln und der Prozessabläufe: Eine automatisierte Produkt-Stammdatenanlage orientiert sich an Geschäftsregeln und gewährlistet proaktive Datenqualität und Konsistenz. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: eine gemessene deutliche Steigerung von Geschwindigkeit und Qualität. Die Architektur der Werkzeuge zu schlanken Stammdatenmanagement-Prozessen sollte eine SOA-basierte Plattform sein. Das unterstützt auch in guter Weise den „Service-Gedanken“ von Stammdaten-Management: „Prozesse sind die Kunden der Daten“. Hierzu gab es auch eine „best practice“: das Stammdatenmanagement bei der Paul Hartmann AG (Alfred Ullmann, Heidenheim). Technologie kam recht kurz bei diesem Forum. 

Nur die beiden Sponsoren Informatica und Stibo Systems gingen auf technische Konzepte und Werkzeuge ein. Hier wollen wir im nächsten Jahr beim sechsten Forum mehr tun: Technologien haben in der Zwischenzeit einige Fortschritte gemacht und können wie neue Repository/Registry-Technologien sehr gut bei der Industrialisierung der Stammdatenmanagement-Prozesse helfen. Web 2.0 Technologien helfen die kollaborativen Aspekte gut zu unterstützen, Business Rules Management ist ein wesentlicher Baustein der Information Governance und semantische Suchverfahren können viel Zeit im Suchen des richtigen Materials und der richtigen Produkte einsparen. Das wollen wir unter anderem 2011 diskutieren, so der Vorsitzende Dr. Wolfgang Martin.

Über den Autor:

Dr. Wolfgang Martin ist unabhängiger Analyst. Vor der Gründung des Wolfgang Martin Teams war Dr. Martin über fünf Jahre bei der META Group, zuletzt als Senior Vice President International Application Delivery Strategies.  Darüber hinaus kennt man ihn aus TV-Interviews, durch Fachartikel in der Wirtschafts- und IT-Presse, als Autor der Strategic Bulletins zu den Themen BI, SOA, EAI und CRM (www.it-research.net) und als Herausgeber und Co-Autor mehrerer Bücher.

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