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IT-Budgets 2017: Deutsche Unternehmen rechnen mit höheren IT-Ausgaben

Die Prognosen der einzelnen Analystenhäuser fallen unterschiedlich aus. Gemeinsam ist allerdings allen Vorhersagen, dass die IT-Ausgaben 2017 wachsen.

Das turbulente Jahr 2016 ist zu Ende und ein frisches IT-Jahr hat begonnen. Das ist der Zeitpunkt, an dem viele Publikationen und Analysten ein Resümee ziehen und auf das neue Jahr blicken. Liest man allerdings die Prognosen verschiedener Analystenhäuser fällt auf: Alle rechnen mit unterschiedlichen IT-Budgets für 2017.

Als Grundlage für das Zahlenmaterial dienen den Analysten eigene Umfragen und statistische Erhebungen bei Unternehmen und Kunden. Gemeinsam ist den Studien trotz unterschiedlicher Ergebnisse aber eins: sowohl für die EMEA-Region als auch den DACH-Raum prognostizieren sie steigende IT-Ausgaben für das angebrochene Jahr.

Softwareinvestitionen sind der Antreiber in Deutschland

Für den deutschen Markt erwartet IDC für dieses Jahr ein Wachstum von 1,7 Prozent gegenüber 2016. Das Marktvolumen wird demnach Ende 2017 bei 70,5 Milliarden Euro liegen. Größter Antreiber dieser Entwicklung ist die Investitionsbereitschaft in Softwareprodukte, die um 5,4 Prozent auf 22,8 Milliarden Euro wachsen soll.

Sorgenkind ist der Hardwarebereich, der laut IDC sogar um 0,7 Prozent schrumpft und nur noch ein Volumen von 17,2 Millarden Euro ausmachen wird. Der größte Bereich, die IT-Services, werden 2017 lediglich um 0,3 Prozent wachsen und Ende des Jahres ein Volumen von 30,4 Milliarden Euro haben.

Für Deutschland, Österreich und der Schweiz gaben in einer Umfrage von Cagemini rund 44 Prozent der Unternehmen an, dass sie 2017 ihre IT-Budgets erhöhen werden. Rund 11 Prozent visieren sogar einen zweistelligen Anstieg an. Etwas kürzer müssen dagegen etwa 16 Prozent der CIOs treten (siehe Abbildung 1).

Capgemini IT-Budgets 2017
Abbildung 1: Capgemini rechnet mit einer positiven Entwicklung bei den IT-Budgets in DACH-Unternehmen.

Investitionsverhalten branchenabhängig

Wieviel in neue IT-Systeme, -Anwendungen und –Services investiert wird, hängt von der Branche ab. Zum Beispiel geben nach Angaben von Capgemini Handel und Logistikbranche 2017 deutlich mehr Geld für IT-Projekte aus. Banken und Versicherungen geben sich weiterhin auf hohem Niveau spendierfreudig. Auch in der Industrie wird es aufgrund von Industrie-4.0-Plänen zu höheren Ausgaben kommen. Lediglich die Energieversorger werden nur in einem begrenzten Rahmen ihre Budgets anpassen.

„CIOs sind stärker denn je gefordert, die Digitalisierung des Unternehmens auszubauen. Ein großer Teil des IT-Budgets fließt aber in die Aufrechterhaltung des Tagesgeschäfts“, gibt Uwe Dumslaff, Chief Technology Officer bei Capgemini in Deutschland, zu bedenken. „Der Rest reicht nicht aus, um die Neugestaltung des Geschäftsmodells durch IT-Innovation zu unterstützen, weshalb solche Ausgaben zunehmend von den Fachabteilungen übernommen werden.“

Warum vor allem Investitionen in Softwareprodukte fließen, wird an einem Beispiel deutlich. Bereits das dritte Jahr in Folge steigen nach Angaben von Capgemini die Ausgaben für Updates, Aktualisierungen und Erweiterungen auf nun rund ein Viertel des gesamten Budgets an. Hierfür verantwortlich sind verkürzte Software-Release-Zyklen und die steigende Anzahl von Anwendungen, die mit der Digitalisierung in die Unternehmen eingezogen sind.

Auch wenn die Softwaresparte größter Nutznießer dieser Entwicklung ist, verweisen die Capgemini-Berater auf ein Problem: die steigenden Ausgaben für Aktualisierungen und Erweiterungen gehen zu Lasten von Innovationsprojekten. Die Ausgaben hierfür werden von rund 17 Prozent im Jahr 2016 auf etwa 14 Prozent im neuen Jahr sinken (siehe Abbildung 2).

Capgemini Verwendung des IT-Budgets 2017
Abbildung 2: Die Ausgaben für Betrieb, Wartung und Updates steigen – gleichzeitig wird das Budget für die Umsetzung von Innovationen gesenkt.

IT-Ausgaben in EMEA-Region wachsen – trotz Brexit

Etwas deutlicher als in Deutschland sollen die IT-Ausgaben in der gesamten EMEA-Region wachsen. Gartner rechnet für 2017 mit einem Wachstum von 1,9 Prozent auf insgesamt rund 1,25 Billionen Dollar. Größter Antreiber dieser Entwicklung ist auch hier das Softwaresgement mit einem erwarteten Plus von 6,8 Prozent (rund 120 Milliarden Dollar) und IT-Services mit einem Anstieg von 4,1 Prozent (341 Milliarden Dollar). Die Kommunikationsservices, größter Bereich bei den IT-Ausgaben, sollen 2017 um 0,7 Prozent auf 530 Milliarden Dollar anwachsen.

Noch einmal deutlich positiver fallen die Erwartungen für die weltweiten IT-Ausgaben 2017 aus. Für den weltweiten Markt erwarten die Gartner-Analysten ein Wachstum von 2,9 Prozent. Das IT-Budget würde in diesem Fall auf fast 3,5 Billionen Dollar ansteigen. Getragen wird diese Entwicklung auch hier vom Softwarebereich (7,2 Prozent).

Der schwächelnde Markt für Geräte (insbesondere Notebooks und Tablets) wird sich dagegen im nun begonnen Jahr wohl nicht komplett umkehren. Zwar gehen die Gartner-Analysten davon aus, dass mit einem Minus von 7,5 Prozent 2016 der Tiefpunkt erreicht wurde, doch für 2017 rechnen sie lediglich mit einem Plus von 0,4 Prozent (siehe Abbildung 3).

Gartner IT-Ausgaben 2017
Abbildung 3: Gartner erwartet für 2017 eine Trendwende bei den IT-Ausgaben.

Im abgelaufenen Jahr 2016 schraubten viele Unternehmen ihre IT-Ausgaben herunter, was bis Ende des Jahres sogar zu einem Minus von 0,3 Prozent geführt hat. Einer der Hauptgründe war der Brexit, also die Entscheidung der britischen Bevölkerung, aus der Europäischen Union (EU) auszutreten.

„Die unmittelbaren Auswirkungen des Brexit haben das bescheidene Wachstum bei IT-Ausgaben ins negative verkehrt“, sagt John-David Lovelock, Research Vice President bei Gartner. „Ohne das Vereinigte Königreich hätte das globale Wachstum bei IT-Ausgaben im positiven Bereich bei 0,2 Prozent gelegen, doch inklusive Großbritannien sanken die IT-Ausgaben auf -0,3 Prozent. Die unmittelbaren Auswirkungen auf das britische Pfund werden außerdem dazu führen, dass sich die IT-Ausgaben verschieben und die Preise für IT [in Großbritannien, Anm. des Autors] steigen.“

US-Wahl hat bisher keinen Effekt

Einen nennenswerten Effekt durch die US-Wahl und einen künftigen Präsident Donald Trump sehen die meisten Analystenhäuser bisher nicht. Lediglich Forrester Research hat seine US-Prognosen für 2017 nach unten korrigiert. Erwarteten die Analysten vor der Wahl noch ein Wachstum von 5,1 Prozent bei den IT-Ausgaben auf dem US-Markt (gesamt: 1,51 Billionen Dollar), hat man diesen Wert auf 4,3 Prozent (gesamt: 1,49 Billionen Dollar) verändert.

Wie viele andere Analysten auch, erwartete Forrester Research bis Anfang November einen Wahlsieg von Hillary Clinton. Mit dem Sieg von Donald Trump kommen aus Sicht von Andrew Bartels, Vice President und Principal Analyst, einige unbekannte Faktoren auf den Markt zu: „Die Wahl von Donald Trump als Präsident führt zu signifikanten aber noch undefinierten Verschiebungen für die US-Wirtschaft.“

Das gilt aus Sicht des Forrester-Analysten aber nicht unbedingt für alle Bereiche. Ein Bereich, der durch die Wahl von Trump einen Schub erhalten könnte, wäre die Cybersecurity. Eine Überprüfung der vorhandenen Schutzmaßnahmen durch das US-Verteidigungsministerium wurde von Trump bereits mehrfach versprochen. Größere öffentlichte Investitionen in die Cyber-Sicherheit und die Security-Infrastruktur sind in diesem Bereich 2017 also möglich.

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Artikel wurde zuletzt im Januar 2017 aktualisiert

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