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Infor: Einige unserer Mitbewerber agieren verantwortungslos

Infor hat sich nach eigenen Angaben zum drittgrößten deutschen Softwareanbieter entwickelt. Womit Infor am Markt punktet, erläutert Jörg Jung im Interview.

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CRM-Software

Die Themen Cloud Computing, digitale Transformation und künstliche Intelligenz (KI) beschäftigen nicht nur Softwareanbieter, sondern auch Anwenderunternehmen. Allerdings ist der Markt in allen drei Bereichen unübersichtlich, so dass Anwender nicht immer wissen, auf welchen Anbieter sie setzen sollten.

Infor bietet mit seinen verschiedenen Business-Anwendungen Lösungen für die drei Szenarien an. Im Interview erläutert Jörg Jung, Geschäftsführer und Managing Director Central and Eastern Europe bei Infor, wie es sein Unternehmen geschafft hat, zum drittgrößten deutschen Softwareanbieter zu avancieren, welche Produkte es in der Pipeline hat und was Infor von der Konkurrenz unterscheidet. Dabei scheut Jung nicht davor zurück, die Konkurrenz in die Kritik zu nehmen.

Herr Jung, Infor ist neben SAP und Oracle mittlerweile einer der größten ERP- und Enterprise-Softwareanbieter. Was unterscheidet Infor von den anderen Unternehmen?

Jörg Jung: Infor ist privatfinanziert und hat nicht nur massiv in Technologie, sondern auch in Funktionen investiert. In den letzten paar Jahren waren das mehr als zwei Milliarden US-Dollar. Unser Fokus sind branchenspezifische Cloud-Lösungen. Diese Branchenhistorie, die wir haben, ist ein Hauptunterscheidungsmerkmal. Hier liegt unsere große Stärke im Vergleich zum Wettbewerb. Wir investieren so, dass am Ende Innovation entstehen.

Das Zweite, was Infor CEO Charles Phillips aus meiner Sicht extrem smart gemacht hat: Wir stecken unser Geld in die Eigenentwicklung und kaufen dann ganz fokussiert Applikationen um diese Systeme herum. Als Beispiele seien hier GT Nexus genannt, aber auch Birst BI, Retail-Lösungen von Starmount und Predictix, Saleslogix CRM und viele weitere. Diese sind jetzt unsere Best-In-Class Applikationen, die unsere Eigenentwicklungen ergänzen. Während andere Unternehmen diesen Ansatz auch verfolgt haben, waren sie damit aber nicht nachhaltig erfolgreich.

Die dritte Säule der Architektur ist Infor ION: Die Integrationsplattform sichert den Informationsfluss zwischen verschiedensten Applikationen. Sie verbindet Cloud- und On-Premises-Lösungen, aber auch ERP- und Edge-Applikationen wie BI sowie SCM und liefert integrierte Workflows. Dank Infor Ming.le können User von jeder Lösung aus auf Social Collaboration zurückgreifen. Obendrauf kommt dann noch eine Sache – und das macht nur Infor: eine durchgängige Nutzeroberfläche.

Infor ist im Vergleich zu anderen Anbietern noch relativ jung. Der Mutterkonzern Agilisys, welcher 2004 infor business solutions übernahm und sich in Infor umbenannte, wurde 2002 gegründet. Wie erklären Sie sich das rasante Wachstum der letzten Jahre?

Jung: Wir sind ein sehr dynamisches Unternehmen, das am Markt aber bislang nicht immer so gesehen wird. Wenn man sich die Zahlen anschaut, kann man mit Recht behaupten, dass das Wachstum des Mittelstandes der letzten 20 Jahre durch Infor getrieben wurde. Wenn ich mir die Hidden Champions, die Weltmarktführer, anschaue, sind dort weitgehend Infor-Technologien implementiert. Allerdings mit der Einschränkung, dass es hauptsächlich noch auf unseren lokalen Produkten geschieht, etwa auf Infor COM, also On-Premises und nicht in der Cloud.

Das betrifft auch eine Reihe von Produkten im Automobilsektor, die in Deutschland vertrieben werden. Und damit waren wir auch durchaus erfolgreich, wir sind der drittgrößte Softwareanbieter in DACH. Jetzt aber treiben wir die digitale Transformation mit allem Nachdruck voran, denn das ist die Zukunft. Wir wollen unsere große Kundenbasis bei dieser Transformation begleiten.

Infor beschreibt sich selbst als industriespezifischen Anbieter für Business-Software. An welche Industriebranchen richtet sich Infor?

Jung: Dazu zählen hauptsächlich der Maschinenbau, der Automotive-Sektor, die Nahrungsmittelindustrie, Textilindustrie, Distribution, aber auch die Bereiche Chemie, Luft- und Raumfahrt, Baugeräte, das Gesundheitswesen, die Elektroindustrie, Hotellerie und der öffentliche Sektor.

Können Sie uns in diesem Zusammenhang einige Kunden nennen?

Jung: Unsere Kunden kommen aus den unterschiedlichsten Branchen. Wir haben Adidas, als einen der großen Player in der Modebranche. Weitere große Namen sind die Deutsche Bahn, die Deutsche Telekom, Nestlé, Schneider Electric und Roche. Im Automobilbereich nutzen viele Hersteller unsere Lösungen, zum Beispiel Ford, Ideal Automotive GmbH, Sumitomo Electric Bordnetze und VOIT. Dorint Hotels & Resorts, Steigenberger Hotels and Resorts und Kempinski Hotels sind Kunden im Gastgewerbe.

Welche Anwendungsbereiche deckt Infor mit seinen Enterprise-Lösungen ab?

Jung: Wir konzentrieren uns derzeit auf Enterprise Resource Planning (ERP), Business Intelligence (BI) und Enterprise Performance Management (EPM), Supply Chain Management (SCM), Enterprise Asset Management (EAM), Produktkonfiguration, Customer Relationship Management (CRM), Human Capital Management (HCM) und Product Lifecycle Management (PLM). Viel wichtiger ist jedoch unser Branchenfokus mit branchenspezifischen Lösungen wie oben beschrieben. Darüber hinaus haben wir auch Speziallösungen für Handel, Hotellerie und öffentliche Hand.

Ihr Cloud-Angebot, unter anderem die Infor CloudSuite, lässt sich sowohl in einer Private- als auch Public-Cloud-Umgebung einsetzen. Wie sieht es in diesem Zusammenhang mit der Abdeckung von Compliance-Anforderungen durch Infor aus?

Jung: Alle ERP-Lösungen von Infor, egal ob in der Private oder Public Cloud, haben dieselbe Codebasis. Infor nutzt für die Bereitstellung jeder CloudSuite den Infrastrukturpartner AWS. Daraus ergibt sich auch, dass alle Lösungen immer die aktuellen Compliance-Richtlinien erfüllen. Das ist sogar einer der größten Vorteile von Cloud-Lösungen: Die Verantwortung für die Einhaltung dieser Regeln liegt bei Infor, nicht beim Kunden. Wir sorgen immer dafür, dass unsere Kunden sich hier auf uns verlassen können, auf der sicheren Seite sind und dass durch die Nutzung unserer CloudSuites alle Compliance-Richtlinien eingehalten werden.

Gibt es Unterschiede bei der Bereitstellung ihres ERP-Angebots in der Public Cloud oder einer privaten Umgebung, zum Beispiel in der Codebasis oder bei den Systemanforderungen?

Jung: Infor hat bereits vor Jahren damit begonnen, seine gesamte Technologie auf dieselbe Basis zu stellen. Die aktuelle Version dieser Plattform bezeichnen wir als Infor Xi. Sie basiert auf offenen Standards wie HTML5 und arbeitet ressourcenschonender als traditionelle monolithische Geschäftsapplikationen. Was wir häufig sehen, ist, dass Unternehmen neue Infor-Technologie haben möchten, aber für die nächsten Jahre zunächst On-Premises. Sie wollen vorbereitet sein und einfach den Schalter umlegen können und in der Cloud sein. Ich will keine Kaufentscheidung treffen, von der ich weiß, dass diese auf wenige Jahre limitiert ist, weil sie nicht Cloud-fähig ist. Das Problem haben wir bei Infor als einer der wenigen Softwareanbieter am Markt nicht. Bei uns ist es immer dieselbe Software, derselbe Code. Unsere Technologie läuft sowohl in der Private als auch der Public Cloud, sowohl Single- und Multi-Tenant als auch On-Premises.

Die Kunden können das Cloud-Thema in ihrer eigenen Geschwindigkeit angehen. Entscheidend an diesem Ansatz ist, dass die Kunden ihre modifizierten Systeme an die Best Practices ihrer Branche angleichen. Damit sind sie dann in der Lage, innerhalb kurzer Zeit ihre Prozesse Cloud-fähig zu machen.

Es gibt aber noch einen viel wichtigeren Aspekt beim Thema Cloud als die Technologie dahinter. Die Entscheidung, ob Cloud oder On-Premises, ist längst gefallen. Sie werden keinerlei Innovationen mehr finden, die es ausschließlich On-Premises gibt. Im Gegensatz dazu aber sehr viele Innovationen, die Sie nur noch ausschließlich in der Cloud konsumieren können. Einige unserer Mitbewerber am Markt agieren hier durchaus verantwortungslos: Sie stehen vor der Herausforderung, ihre alten Technologien in Richtung Cloud zu transformieren und stellen das aber ihren Kunden gegenüber anders dar. Digitale Transformation oder gar industrielle Revolution ohne Cloud ist absolut undenkbar.

Natürlich gibt es auch Kunden bei uns, die den Weg in die Cloud auf absehbare Zeit nicht gehen werden. Das ist absolut OK, solange dies ihr Geschäftsmodell nicht gefährdet. Aber eine Entscheidung für die Zukunft kann nur darauf basieren, ob mein Technologiepartner die Cloud, Branchen-Know-how und Innovationen wirklich ernstnimmt.

Infor hat laut Eigenangaben 90.000 Kunden in 170 Ländern. Wie sehen die Ziele für den deutschen Markt aus?

Jung: Wie ich eingangs erwähnt habe, wurde das Wachstum des deutschen Mittelstandes spürbar durch Infor gestützt. Allerdings mit der Einschränkung, dass es oft noch auf unseren lokalen Produkten geschieht, die nur in Deutschland vertrieben werden und nur On-Premises laufen, also nichts mit der Cloud zu tun haben. Bislang war der Fokus hier auf dem klassischen Lizenzgeschäft für lokale Produkte.

„Sie werden keinerlei Innovationen mehr finden, die es ausschließlich On-Premises gibt. Im Gegensatz dazu aber sehr viele Innovationen, die Sie nur noch ausschließlich in der Cloud konsumieren können.“

Jörg Jung, Infor

Damit sind wir als der drittgrößte Softwareanbieter sehr erfolgreich. Jetzt geht es uns aber darum, unsere große Kundenbasis bei der digitalen Transformation zu begleiten, auf dem Weg in die Cloud, auf dem Weg in die Industry Best Practices. Zugleich wollen wir natürlich auch solche Firmen für Infor-Technologien gewinnen, die noch keine Kunden sind.

Auf der Anwenderkonferenz Inforum hat Infor kürzlich Neuerungen vorgestellt. Können Sie uns abschließend einen Überblick geben?

Jung: Gerne. Wir hatten drei Fokusthemen: KI, Cloud-basiertes BI und die Cloud-Integration von GT Nexus. Zum Thema KI muss man sagen, dass das kein Alleinstellungsmerkmal ist. Wir machen es aber nicht wie viele andere und bringen nur grundlegende Anwendungen. Vielmehr geht es bei unserem Ansatz um hochkomplexe, selbstlernende Prozesse, die auch eigenständig Dinge vorschlagen. Wir nennen die Lösung Coleman und sie wird ab 2018 unseren Kunden intelligente Empfehlungen geben.

Birst BI ist unsere neue Cloud-basierte BI-Lösung, die wir zugekauft und auf der Inforum vorgestellt haben. Ich habe mir die erste Demo dieser Technologie mit einem unserer Lead-Architekten zusammen angesehen. Sogar dieser war beeindruckt. Bei der Demo wurde gezeigt, wie man große Datenmengen – etwa aus der Produktion – in ein System lädt und wie Birst praktisch vollautomatisiert die Logik der Daten aufnimmt. Innerhalb einer Viertelstunde ist das fertig. Dafür benötigen IT-Mitarbeiter teilweise zwei Jahre.

Drittens haben wir GT Nexus mit unseren Cloud-Suiten verbunden. Diese Plattform für das Management von globalen Waren-, Informations- und Dokumentenströmen steht damit unseren Cloud-Kunden als integrierte Funktion zur Verfügung.

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Artikel wurde zuletzt im September 2017 aktualisiert

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