Infor mit neuer Strategie für den Business-Intelligence-Markt

Ende Juni 2010 gab der Software-Anbieter Infor bekannt, seine Geschäftsanwendungen inklusive seiner BI-Lösungen an komplementären Microsoft-Produkten auszurichten.

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BI-Technologie

Ende Juni 2010 gab der amerikanische Business-Software-Anbieter Infor bekannt, seine wichtigsten Geschäftsanwendungen inklusive der Business-Intelligence (BI) -Lösungen (unter anderem einige ehemalige MIS-Produkte) zukünftig an komplementären Microsoft-Produkten auszurichten.

Insbesondere bezieht sich diese Produktstrategie auf den Microsoft SQL Server als zukünftig bevorzugte relationale Infor-Datenbank und Microsoft SQL Server Reporting Services als (Standard-) Reportingkomponente für Infor-Business-Applikationen. Infor plant darüber hinaus, Microsoft SharePoint 2010 als bevorzugtes Portal zu nutzen.

Verbunden mit den Nachrichten über den Wechsel des Produktmanagers und des größten Teils der Entwicklungsmannschaft von Infor PM OLAP (ex MIS Alea) zum Start-Up Jedox Ende vergangenen Jahres stellt sich die Frage, wie es mit den Infor-BI-Produkten weitergeht.

Wir konnten kürzlich mehr zur Infor-Strategie vom neuen, global verantwortlichen General Manager für BI- und Performance Management-Lösungen – Julian Johnson, der im Juni von der SAP zu Infor gestoßen ist – und dem Produktmanagement-Verantwortlichen James Maniscalco erfahren. Der Managementwechsel repräsentiert die erste wesentliche Änderung bei Infor: eine neue Organisationsstruktur mit neuen Verantwortlichen für BI. Während Infor PM (Performance Management) früher Teil der geografischen, ERP-orientierten Organisationsstruktur war, ist PM seit Juni eine eigenständige Division im Infor-Konzern mit entsprechend gewachsener Bedeutung und dediziertem Vertrieb.

Neben den organisatorischen Änderungen erfolgte auch eine Neuausrichtung der Entwicklung. Zukünftig werden Infor-PM-Applikationen an den drei Standorten Ann Arbor (Michigan), Darmstadt und Prag von insgesamt 120 Mitarbeitern entwickelt. Dies bedeutet faktisch wieder eine Stärkung des alten MIS-Entwicklungsstandortes Darmstadt, was aus deutscher Perspektive natürlich begrüßenswert ist. Weiterhin ist nun auch erklärtes Ziel, eine gemeinsame Code-Basis für Infor-PM-Applikationen zu entwickeln. Bisher wurden die Produkte an ihren jeweiligen Entwicklungsstandorten getrennt voneinander entwickelt. Ziel ist es, die Produkte und Applikationen auf eine gemeinsame Code-Basis zu stellen. Im Rahmen der strategischen Ausrichtung auf Microsoft erfolgt dabei z. B. die GUI-Entwicklung in Silverlight.

Die neue Organisation geht auch mit einer neuen Produktstrategie einher: Die Microsoft-Orientierung führt zur Nutzung von SQL Server für relationale Speicherung, SQL Server Reporting Services für operatives Reporting (insb. für alle ERP-Applikationen von Infor) und SharePoint Server für Kollaboration und Berichtsverteilung. Die drei Infor-PM-Produkte sind strategisch und werden wie oben beschrieben weiterentwickelt: Infor PM OLAP (ex MIS ALEA), Application Studio (ex MIS OnVision) und Query & Analysis (ex Vision). Bei diesen drei Produkten sieht Infor den Mehrwert der Eigenentwicklung hoch genug, um sich hier nicht von Microsoft abhängig zu machen. Die dritte Ebene neben Microsoft-Plattform-Komponenten und eigenen Produkten stellen eine Reihe von analytischen Applikationen dar, die auf dieser Basis neu entwickelt werden sollen. Geplant sind hier momentan Planung, Budgetierung, Forecasting, Konsolidierung und Strategiemanagement.

Fazit

Aus unserer Markteinschätzung basierend auf Wahrnehmung und dem Kundenfeedback in den BI Surveys war Infor in den vergangen Jahren vor allem im Markt für Neukunden wenig präsent und erfolgreich. Weder Entwicklungs- und Vertriebsorganisation, noch die Produktstrategie waren hier sonderlich überzeugend. Umsätze im Bereich PM wurden daher vor allem durch Migration von Bestandskunden auf neue Releasestände und Cross-Selling mit den eigenen ERP-Produkten erzielt. Dies soll sich nun ändern.

Die neue strategische Ausrichtung ist aus unserer Sicht zunächst einmal erfolgversprechend, da sie organisatorische wie technische Aspekte neu aufstellt. Die Produktstrategie zeigt eine Fokussierung auf wenige Produkte und Applikationen, was eine gute Voraussetzung schafft, die in den letzten Jahren verlorene Zeit wieder hereinzuholen. Bis die geschilderten Vorhaben umgesetzt sind und zu sichtbaren Ergebnissen führen, wird sicher einige Zeit vergehen. Infor bleibt mit seiner Größe und seinen Ressourcen aber ein ernstzunehmender Spieler im Softwaremarkt. Wenn die angekündigten Pläne umgesetzt werden und die Strategie greift, dann kann dies nicht nur für den ERP-, sondern verstärkt auch für den BI-Bereich gelten.

Über den Autor:

Dr. Carsten Bange ist geschäftsführender Gesellschafter des Business Application Research Centers (BARC). Er ist seit mehr als 15 Jahren für nationale und internationale Unternehmen verschiedenster Branchen und Größen im Rahmen der Strategie- und Architekturberatung, Werkzeugauswahl und Qualitätssicherung in Business-Intelligence- und Datenmanagement-Projekten tätig. Als neutraler Beobachter des Softwaremarktes ist er ein häufiger Redner bei Tagungen und Seminaren sowie Autor zahlreicher Fachpublikationen und Marktstudien.

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Artikel wurde zuletzt im September 2010 aktualisiert

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