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Innovationen entstehen beim Daten-Management und dem Handling der Daten

Im Interview sprechen Björn Bröhl und Gregor Zeiler von Trivadis über Cloud- und Big-Data-Anforderungen und wie sich ihre Kunden darauf einstellen.

Big Data, Digitale Transformation und Industrie 4.0 sind Buzzwords, die von der Industrie verwendet werden, um technologische Trends abzubilden. Waren diese und verwandte Begriffe vor einigen Jahren noch unscharf, sind sie mittlerweile in vielen Unternehmen etabliert. Nach Ansicht von Gregor Zeiler, Senior Solution Manager BI/Big Data bei Trivadis, stecken hinter den Begriffen keine leeren Worthülsen mehr, sondern diese wurden durch die Diskussion in den Organisationen mit Leben gefüllt.

Welche weiteren Trends Greogor Zeiler und Björn Bröhl, Head of Marketing Communications & Sales bei Trivadis, am Markt beobachten, verraten Sie im Interview. Daneben sprechen Sie über die strategische Ausrichtung des Software- und Beratungshauses Trivadis, wo sie Innovationstreiber erkennen und welchen Technologien im Umfeld von Big Data und Co. besondere Bedeutung zukommt.

Trivadis vereint unterschiedliche Geschäftsbereiche unter einem Dach. Können Sie ihr Unternehmen kurz vorstellen?

Björn Bröhl: Trivadis ist führend bei der IT-Beratung, der Systemintegration, dem Solution-Engineering und der Erbringung von IT-Services mit Fokussierung auf Oracle- und Microsoft-Technologien in Deutschland, Schweiz, Österreich und Dänemark. Mit über 600 hochqualifizierten Spezialisten setzen wir uns dafür ein, Unternehmen strategisch und technologisch mit IT-Lösungen zu unterstützen und ihren Unternehmenserfolg zu steigern.

Ganz gleich aus welchem Blickwinkel oder aus welcher Fachrichtung der Kunde sein Projekt betrachtet, wir bieten die entsprechenden Leistungen: von der Infrastruktur über die Anwendungen bis hin zu Data-Warehouse- oder Business-Intelligence-Lösungen. Diese integrierte Lösungsstrategie beweist sich bei mehr als 800 Kunden in mehr als 1.900 Projekten jährlich. Unser Fokus liegt auf den Bereichen Business Intelligence, Application Development, Infrastructure Engineering und Training. Eine eigene Einheit – die Trivadis Services – übernimmt den Betrieb der IT-Systeme beim Kunden wie Datenbanken oder Applikationen.

Wie sehen die einzelnen Geschäftsbereiche genau aus?

Björn Bröhl: Die im Cloud Computing verwendeten Technologien sind seit längerer Zeit Teil unserer Kernkompetenz, sei es im Oracle-, Microsoft- oder Open-Source-Stack. Zudem ist das Kernelement eines nachhaltigen und erfolgreichen Cloud-Computing-Einsatzes – die Garantie von Services mit SLAs – ein Teil der Lösungskompetenz im Bereich Managed Services. Gerade im Bereich Security und Application Performance Management hält die Public Cloud Herausforderungen bereit, die man am besten mit einem kompetenten Partner angeht.

Erfolg mit Big Data erfordert neue Formen der Informationsverarbeitung, einschließlich unkonventioneller Daten-Management-Technologien, -Architekturen und Analysefunktionen. Die Anwendungsfälle von Big Data sind mittlerweile umfangreich aber auch jeweils einzigartig. Doch unabhängig vom jeweiligen Use Case, stellen sich bei der Umsetzung immer wieder dieselben Herausforderungen. Dazu zählen der effiziente Umgang mit großen Datenmengen, die schnelle Verarbeitung von Datenströmen und die Beherrschung komplexer Analysen. Für die Implementierung von Big-Data-Projekten haben wir drei Lösungen entwickelt.

Björn Bröhl Trivadis

„Unser Fokus liegt auf den Bereichen Business Intelligence, Application Development, Infrastructure Engineering und Training.“

Björn Bröhl, Trivadis

Data-Warehouse-Lösungen müssen immer höheren Ansprüchen an Flexibilität und Anpassbarkeit genügen, dabei aber kostengünstig in der Implementierung und im Betrieb bleiben. Eine Herausforderung, die sich nur schwer mit traditionellen Vorgehensweisen und Methoden realisieren lässt. Data-Warehouse-Automatisierung nutzt Methoden zur Steigerung der Effizienz und der Effektivität der gesamten DWH-Prozesse und geht weiter, als nur automatisch Datenstrukturen und ETL-Prozesse zu generieren. Unser Data Warehouse Automation Tool biGenius ist das Bindeglied zwischen den Business-Anforderungen und der produktiven BI-Lösung. biGeniusTM ist sowohl Methode als auch Werkzeug und unterstützt Kunden von der Anforderungsanalyse über die Umsetzung in die technische Lösung bis zum Betrieb aller Phasen von BI-Projekten.

Für alle diese Bereiche hat Trivadis außerdem ein Trainingsangebot. Mit unserem Lösungs- und Dienstleistungsangebot unterstützen wir Kunden über den gesamten IT-Lifecycle. Angefangen bei Strategie und Technologieberatung, der anschließenden Konzeption und Umsetzung einer Lösung, begleitet von System- und Projekt-Management. Nach der Umsetzung übernehmen wir außerdem den Infrastruktur- und Applikationsbetrieb.

Ihr Unternehmen verbucht einen deutlichen Teils des Umsatzes im Bereich Managed Services sowie Outsourcing. Wie wichtig sind diese beiden Geschäftsfelder für Trivadis?

Björn Bröhl: Managed Services und Outsourcing sind elementare, strategische Geschäftsfelder für uns. Trivadis Services decken mit Betrieb, Support und Wartung den gesamten Lebenszyklus der Applikation und Infrastruktur des Kunden ab. On-Premise im kundeneigenen Rechenzentrum oder als Service in der Cloud. Dieses breit gefächerte Service-Angebot stellt die ganzheitliche Pflege von IT-Systemen und deren Anwendungen sicher, entweder als standardisiertes Produkt, in Form von Infrastructure und Application Care, oder als individuell anpassbare SLA-Leistung.

Möchten Sie diese Geschäftsbereiche in Zukunft weiter ausbauen?

Björn Bröhl: Ja, auf jeden Fall sollen Managed Services und Outsourcing weiter ausgebaut werden − gerade im Hinblick auf die erwähnten Cloud-Aspekte. Wir haben uns das Ziel gesetzt, das komplette Lösungs- und Dienstleistungsangebot, das wir für den Kunden erbringen, nach der Umsetzung auch als Service anbieten zu können. Wir wollen unseren Kunden helfen, Komplexität zu reduzieren, damit diese sich auf ihre Kernkompetenz fokussieren können.

Vielen Unternehmen wird die Cloud als Innovationstreiber verkauft. Können Sie erläutern, wo die Cloud Innovationen erzeugt oder unter Umständen hemmt?

Björn Bröhl: Die Cloud alleine ist ein geringer Innovationstreiber. Durch Cloud-Services lassen sich viele Prozesse vereinfachen, viele Services punktueller und kostengünstiger einkaufen oder zur Verfügung stellen. Das setzt wiederum Ressourcen für die Innovationsentwicklung frei. Aber eigentlich entstehen Innovationen an anderer Stelle. Sie entstehen rund um das Thema Daten-Management, rund um das Handling riesiger Datenmengen, das ohne Cloud-Technologien nur schwer möglich ist, dort wo aus Daten Mehrwerte für das Geschäft generiert werden.

Ein großes Hemmnis in Deutschland ist immer noch der ganze Themenblock rund um Datenschutz und Datensicherheit. Das ist immer dann aktuell, wenn es darum geht, Daten oder Systeme in die Cloud zu verlagern. In vielen Unternehmen besteht noch Unklarheit darüber, was juristisch und technologisch heutzutage alles möglich ist, um genau diesen Gefahren entgegenzustehen. Trivadis hat hierfür ein eigenes Beratungsangebot, wo wir Kunden helfen, einen geeigneten Cloud-Service  und Anbieter zu finden. Wir beraten unsere Kunden hier gemeinsam mit Anwälten, konzentrieren uns aber auch auf Compliance.

Für wen eignet sich der Umstieg auf Cloud- und Managed-Services?

Björn Bröhl: Das ist immer eine Einzelfallentscheidung. Es gibt nicht das typische Unternehmen, wo sich Cloud oder Managed Services eignen oder nicht eignen. Man muss sich ein Unternehmen mit seiner IT Umgebung in seiner Gesamtheit genau anschauen und dann entscheiden. In nahezu jedem Unternehmen gibt es Teilbereiche, wo es sich lohnt, bestehende Systeme durch Cloud-Services zu ergänzen oder abzulösen. Der Umfang ist meistens abhängig von der Unternehmensgröße und vom Reifegrad der IT. Als Faustformel kann gelten, je größer ein Unternehmen ist, desto punktueller werden Prozesse, Applikationen und Systeme in die Cloud überführt oder unterstützt. Bei kleinen Unternehmen hingegen geht es oft hin bis zum kompletten Betrieb der IT und der Client-Systeme in der Cloud.

Beispielsweise haben wir für ein kleineres Unternehmen die komplette IT mit Cloud-Services abgedeckt – und zwar bis hin zum Management der Arbeitsplätze in Form von Microsoft Office 365, was als Managed-Services geliefert wird. Auch in diesem Bereich hängt es von verschiedenen Aspekten ab, in welchem Umfang das für Unternehmen sinnvoll ist. Das geht los mit Mitarbeitervertretung oder Urlaubsvertretungen, wo eine einfache Administration sichergestellt werden muss, und geht bis zum kompletten Betrieb von komplexen Systemen oder ganzen IT-Abteilungen. Auch da haben wir entsprechende Referenzen.

Der Begriff Digitale Business Transformation wird in den letzten Monaten immer wieder aufgegriffen. Was verbinden Sie mit diesem Begriff?

Björn Bröhl: Wir verstehen die Herausforderungen unserer Kunden in der klassischen wie in der neuen IT. Wir helfen Kunden, ihre bestehenden IT-Systeme soweit zu modifizieren und mit neuen Technologien anzureichern, dass sie Big Data oder Cloud-basierte Technologien oder auch das Internet der Dinge, in ihre IT-Welt integrieren können. Auf diese Weise erhalten unsere Kunden den notwendigen Freiraum, um sich der Ausrichtung der Digitalen Business Transformation zu stellen. Kurz: Wir gestalten die Digitale Business Transformation unserer Kunden durch die technologische Umsetzung der neuen Geschäftsmodelle und deren Integration in die bestehende IT mit.

Die digitale Transformation geht einher mit Themen wie Big Data, Business Intelligence und Cloud Computing. Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang neue Datenbanktechnologien?

Gregor Zeiler: Der Begriff Digitale Business Transformation repräsentiert für mich einen großen Evolutionsschritt in der zukünftigen Geschäftsausrichtung der Unternehmen. Ähnlich wie Industrie 4.0, also die 4. industrielle Revolution, nur nicht so eng auf eine Branche bezogen. Das Schöne an diesem neuen Hype-Begriff ist aber, dass er mehr von der Bedarfsseite der Unternehmen ausgeht und nicht vorrangig von der Anbieterseite gepusht wird, wie im Falle von Big Data. Man könnte es auch so formulieren: Digitale Business Transformation ist der sehnlich erwartete konkrete Anwendungsfall für Big-Data-, Analytics- und Cloud-Technologien.

Daten, und die daraus bezogenen Informationen und Erkenntnisse, sind die Erfolgsfaktoren der Digitalen Business Transformation. Datenbanktechnologien spielen daher eine unglaublich wichtige Schlüsselrolle in ihrer Umsetzung. Mit dem Big-Data-Hype sind sehr viele neue Alternativen zu den traditionellen relationalen Datenbanksystemen dazugekommen und haben die IT-Landschaften der Unternehmen gehörig durcheinander gewirbelt.

Gregor Zeiler Trivadis

„Digitale Business Transformation ist der sehnlich erwartete Anwendungsfall für Big Data-, Analytics- und Cloud-Technologien.“

Gregor Zeiler, Trivadis

Gibt es aus Ihrer Sicht Datenbanken, die sich besonders für die Bewältigung von Big Data eignen?

Gregor Zeiler: Big Data ist ein so weites Feld, dass diese Frage nicht pauschal beantwortet werden kann. Geht es um große, eher statische Datenmengen, so ist Hadoop sicher eine gute Option. Geht es um die Verarbeitung von Streaming-Daten, also Daten in Bewegung, eignen sich ganz bestimmte NoSQL-Datenbanken besonders dafür. Sind dokumentenorientierte Daten im Spiel, sind wieder andere NoSQL-Datenbanken dafür optimiert. Müssen komplexe Zusammenhänge, Strukturen und Netzwerke abgebildet werden, so eignen sich Graphdatenbanken am besten. Sie sehen, die Herausforderung liegt in der richtigen Auswahl und in der optimalen Kombination. Eine „One-Fits-All“-Lösung gibt es im Bereich Big Data nicht.

Welche Analytics-Anwendungen eignen sich, um die Daten auf einen geschäftlichen Mehrwert hin abzutasten?

Gregor Zeiler: Das reicht von den klassischen BI-Werkzeugen bis hin zu Advanced-Analytics-Anwendungen für spezielle Data-Science-Aufgaben. Der Erfolg, Mehrwerte für das Geschäft zu entdecken, liegt primär an den zugrunde liegenden Analysedaten. Deshalb sind auch klassische Business Intelligence Tools mit der Möglichkeit, Daten miteinander zu kombinieren oder neue Datenquellen rasch zu integrieren, gute Grundlagen für Analytics-Anwendungen. Soll es tiefer ins Eingemachte gehen, sind statistische Werkzeuge aus dem Bereich Advanced Analytics und Data Science gefragt.

Lassen Sie uns abschließend noch auf das Thema Know-how eingehen. Kennen Ihre Kunden Begriffe wie Big Data und digitale Transformation beziehungsweise sind diese innerhalb der Unternehmen ein Thema?

Gregor Zeiler: Die Begriffe selbst sind ja omnipräsent in den Medien und der Geschäftswelt. In den letzten Jahren hat sich sehr wohl viel Background-Wissen dazu in den Unternehmen entwickelt. Die geführten Diskussionen mit den Unternehmen zeigen mir, dass hier bei weitem nicht mehr nur mit leeren Worthülsen das Image strategischer Projekte aufpoliert wird, sondern konkrete Vorhaben mit klarem Business-Nutzen auf Basis von Big-Data-Technologien in Planung sind beziehungsweise gerade umgesetzt werden. Ich würde sagen, bei jenen Unternehmen, die sich bereits damit befassen, ist der Reifegrad und das Know-How bereits hoch.

Wenn es um den Einsatz neuer Technologien geht: Wie aufgeschlossen sind Kunden gegenüber dem Einsatz neuer Cloud-, Analytics- oder Big-Data-Technologien?

Gregor Zeiler: Hätten Sie mich das vor einem Jahr gefragt, hätte ich sicher ganz klar mit „reserviert“ geantwortet. Heute beurteile ich die Situation mit „interessiert bis offensiv“. Wobei Big Data noch offensiver als Cloud einzustufen ist. Ich führe aktuell Gespräche mit Unternehmen, die ihre Digitalisierungsstrategie bereits voll in Angriff genommen haben und Big Data und Cloud als fixe Bestandteile ihrer Strategie sehen. Andere sind noch in der Sondierungs- und Orientierungsphase. Interessiert, nicht abgeneigt und Erfahrungen sammelnd. Wenn die Entwicklung so weiter geht, wird die Antwort in einem Jahr wahrscheinlich lauten: Analytics- und Big Data in der Cloud – ja klar, what else?

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Artikel wurde zuletzt im August 2016 aktualisiert

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