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IoT, Smart Contract und Blockchain: Was ist der Status quo?

IoT, Blockchain und Smart Contracts sind in aller Munde. Doch bei der Frage, ob sie reif sind, gehen die Meinungen bei Analysten und Juristen auseinander.

Für die meisten Organisationen dreht sich das Internet der Dinge vor allem um mehr und bessere Geräte, die besser miteinander verbunden sind, um mehr und bessere Daten und Entscheidungen zu erzeugen.

Doch das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) dreht sich implizit um die Automatisierung von allem. Und das impliziert, dass viele Geschäftskonzepte mitgebracht werden müssen, um die Fahrt zu beginnen – einschließlich der Idee eines Vertrags zur Steuerung von Geschäftstransaktionen.

Das Vertragsrecht hat eine lange Geschichte mit mehreren Jahrhunderten der Praxis und Gesetzgebung. Wenn Vordenker also versuchen, Verträge „smart“ zu gestalten und sie über Blockchain vorantreiben, ist das spannend und entmutigend zugleich.

Wie sich das Konzept aktuell entwickelt, wird große Auswirkungen auf künftige IoT-Initiativen haben. Es gibt rechtliche Komplexitäten zu berücksichtigen, aber auch mögliche Probleme, zum Beispiel unerwartete Fehler im Code und in den Verträgen selbst.

IoT, Smart Contracts und Blockchain kreuzen sich

„Eines der wichtigsten Aspekte im Internet der Dinge ist zu wissen, mit wem man sich verbindet. Diese Anforderung als Vertrauensmechanismen für Millionen oder Milliarden Sensoren ist es, der ein dezentrales System wie Blockchain notwendig macht", sagt Dr. Richard Mark Soley, Geschäftsführer des Industrial Internet Consortium.

Doch das Verbinden von smarten Verträgen und IoT ist eine andere Angelegenheit. Wenn Blockchain ein verteiltes Hauptbuchsystem ist, erweitert das Vertragskonzept die Funktion des Hauptbuchs, was eine Sprache für Vertragsbedingungen und Messungen einschließt, um festzustellen, ob bestimmte Bedingungen erfüllt sind.

„Ein Smart Contract kann so gestaltet werden, dass er automatisch ausgeführt wird, wenn sowohl die Käufer- als auch die Verkäufer-Konditionen erfüllt sind“, erklärt Bill Fearnley Jr., Research Director of Worldwide Compliance, Fraud, Risk Analytics and Blockchain Strategies bei IDC.

Zu diesen Bedingungen könnte es zum Beispiel gehören, dass der Preis einer Ware und der gewünschte Liefertermin mit dem übereinstimmen, was eine Person zu zahlen bereit ist und wann sie die Lieferung verlangt. Mit anderen Worten, ein Smart Contract kann über eine Blockchain hinweg funktionieren, um die Geschäftstätigkeit und den Handel zu erleichtern.

Nach Angaben von Fearnley gibt es bereits automatisierte Kauf-Verkaufsverträge, aber mit Blockchain kann man Code und Vertragsbedingungen nehmen und sie in ein Hauptbuch setzen, das von mehreren Parteien geteilt wird.

„Der Vorteil ist, dass der Kauf-Verkaufsvertrag erfüllt und anschließend auch der Zahlungsvertrag ausgeführt wird“, sagt der Analyst. „Der Grund dafür, dass Smart Contracts so viel Aufmerksamkeit erhalten, ist, dass, während Kauf und Verkauf schnell ausgeführt werden können, die Abwicklung nach dem Handel oft chaotisch abläuft und teuer ist. Doch mit Blockchain wird der gesamte Papierkram automatisiert und die Aufzeichnungen werden in die Blockchain gelegt.“

„Der Kauf-Verkaufsvertrag kann im Voraus abgeschlossen, Aufzeichnungen können automatisch für die Rückverfolgbarkeit protokolliert und Aufzeichnungen können verwendet werden, um die Herkunft von Problemen nachzuvollziehen“, erläutert Fearnley.

Das Problem mit Smart Contracts

Ein Angriff auf die Decentralized Autonomous Organization (DAO) im Jahr 2016 bedeutete für Blockchain einen Rückschritt. In diesem Fall versuchte das DAO eine Art Beteiligungskapitalfonds zur Verfügung zu stellen, der über die Ethereum-Blockchain gestartet und im Mai 2016 über einen Token-Verkauf finanziert wurde.

Doch im Juni 2016 nutzten Unbekannte eine Sicherheitslücke aus und leiteten ein Drittel der Gelder um. Die Umkehrung des Diebstahls führte zu einem umstrittenen Fork (Gabelung/Abspaltung) der Ethereum-Blockchain. Eine neue Fork modifizierte das Hauptbuch, so dass es wieder so aussah, als wäre das Ereignis nie passiert und die Finanzierung nominell an die DAO zurückgegeben. Diejenigen, die mit diesem Schritt nicht einverstanden waren, behielten jedoch eine nicht modifizierte Blockchain, die als Ethereum Classic bekannt ist.

Das Hauptbuch selbst wurde nie wirklich „gehackt“, sondern ein Fehler im Code erlaubte schlicht unbegrenzte Abhebungen. Dennoch unterstrich das Ereignis die Komplexität von Smart Contracts. „Infolgedessen sind Unternehmen, Finanzinstitute und Aufsichtsbehörden zunehmend sorgfältiger bei der Vergabe von Smart Contracts, um in Zukunft ähnliche Pannen zu vermeiden“, sagt Fearnley.

„Nennen Sie mich meinetwegen eine Smart-Contract-Kassandra. Ich denke zwar, es ist ein interessantes Konzept, welches aber mit Sorgfalt betrachtet werden muss“, sagt Martha Bennett, Principal Analyst bei Forrester Research. „Smart Contracts sind weder smart noch Verträge.“

Die Analystin erklärt, eine einfache Beschreibung von Smart Contracts sei, sie als eine Art Geschäftsprozessautomatisierung zu betrachten. „Wenn man die anspruchsvolle Sprache wegnimmt, ist es ein Satz von Geschäftsregeln, die in Software kodiert sind“, erklärt sie. „Wenn es zu viel ist, sie Geschäftsregeln zu nennen, könnte man es auch als eine Reihe von Governance-Richtlinien bezeichnen.“

„Die Schlagzeilen in den Medien behaupten, dass diese neue Code-Umgebung wie ein Gesetz sei, doch das ist sie nicht – man braucht immer noch eine separate rechtliche Vereinbarung, um etwas durchzusetzen“, fügt Bennett hinzu. „Wenn man sich mit dem Blockchain-Umfeld auseinandersetzt, also den Aktivitäten, die über Grenzen hinausgehen, benötigen Sie verbindliche Vereinbarungen darüber, unter wessen Gerichtsbarkeit dies fällt.“

Jason Epstein, Anwalt bei Nelson Mullins, stimmt dieser Aussage zu. „Blockchain verändert zwar viel, doch es verwandelt nicht zwingend die Gesetze.“ Allerdings, so merkt er an, gibt es viele bestehende rechtliche Grundsätze, die auf Blockchain angewendet werden können. „Ein Smart Contract ist nur Computercode, der auf Input und Output basiert und sich selbst ausführt. Das ist wie Daytrading“, erläutert Epstein. „In einem Blockchain Smart Contract heißt die Vereinbarung, dass der Code der Vertrag ist und keine Partei ihn zurückweisen kann.“

Sieht man einmal von der semantischen Diskussion ab, ob ein Smart Contract wirklich „smart“ ist, kann er für fast alles verwendet werden. Ob das allerdings klug ist, ist nach Ansicht von Epstein eine andere Frage. Zum Beispiel verweist er darauf, wenn in einer Situation ein Gesundheitsdienstleister einbezogen wird, muss man sicherstellen, dass die Bedingungen und Konditionen die Beteiligten datenschutzrechtlich schützen. „Spricht man über eine komplexe Vereinbarung, wird ein Smart Contract immer anspruchsvoller, da man versucht, alle rechtlichen Fragen abzudecken“, fügt er hinzu.

Die Zukunft von IoT, Smart Contracts und Blockchain

Nach Ansicht von Richard Mark Soley gibt es keinen Zweifel daran, dass IoT, Smart Contracts und Blockchain im industriellen Umfeld von großen Nutzen sein werden. Und zu diesem Zweck prüft die Object Management Group (OMG), der das Industrial Internet Consortium angegliedert ist, eine mögliche Standardisierung verteilter Vertragsmechanismen.

„Es ist noch früh“, sagt Soley. „Es gibt keine Standards, aber wir wissen, was die Standards schaffen würden.“ Allerdings weiß auch Soley, dass es einigen Projekte gibt, die mit Smart Contracts experimentieren, innerhalb des Konsortiums noch auf dem Prüfstand sind. Aber er erwartet, dass sich dies bald ändert.

„Die Dinge entwickeln sich schneller als man denkt“, sagt Soley. „In diesem Jahr erwarten wir interessante Prüfungen von kognitiven Systemen mit künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen. Ich denke, wir werden nächstes Jahr die ersten Standards für Blockchain sehen und in diesem Jahr einen Vertragsprüfstand.“

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Artikel wurde zuletzt im November 2017 aktualisiert

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