Ist die Zeit für Mobile BI reif?

Laut Analysten könnte der Business-Intelligence-Markt in den kommenden Jahren weiter wachsen und die Zahl der BI-Anwender steigen.

Dieser Artikel behandelt

BI-Technologie

Es folgt ein Überblick zu Nutzenpotenzialen und Anwendungsbeispielen von Mobile BI. Für die erfolgreiche Verwirklichung...

von Mobile BI gelten technologische Anforderungen: Die Dynamik im Endgeräte-Markt erfordert flexible Mobile-BI-Lösungen, die sich gut an veränderte Unternehmensprozesse im Backend anpassen lassen. Ziel des Beitrags ist es zu zeigen, wie Standardlösungen und Entwicklungsplattformen solche Aufgaben lösen können.

Mobile Business Intelligence (Mobile BI) befasst sich damit, geschäftliche Daten auf mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets zugänglich zu machen. Die rasant zunehmende Verbreitung gut ausgestatteter Smartphones (IDC: 50 Prozent Marktwachstum in 2011 [IDC11]) ebnet den Weg für einen Mobile-BI-Boom, der laut Analysten den BI-Markt in den kommenden Jahren mit prägen wird [Gar11].

Auch Tablets eignen sich hervorragend für BI-Anwendungen. Entscheidend ist jedoch der Schritt vom Handy zum Smartphone: Die Dynamik im Endgeräte-Markt – derzeit vor allem geprägt vom Aufstieg der Open-Source-Plattform Android – gibt den Takt für Weiterentwicklungen im Mobile-BI-Markt vor [vgl. IDC11; Gar11].

Die Dynamik im Endgeräte-Markt erfordert flexible Mobile-BI-Lösungen, die sich gut an veränderte Unternehmens-prozesse im Backend anpassen lassen.

Basis für Mobile BI sind generelle BI-Strategien. Als typische Ziele gelten dabei Effizienzsteigerungen in ausgewählten Abschnitten der Wertschöpfungskette. In Service und Vertrieb eingesetzte BI-Apps liefern laut Anbietern von Mobile-BI-Lösungen etwa Erkenntnisse, wo und wie ein Unternehmen bestimmte Leistungen erzielt und wo es Optimierungspotenziale gibt. 

Das Versprechen: Mobile-BI-Informationen erleichtern Mitarbeitern vor Ort schnellere und bessere Entscheidungen. Doch kann es eingehalten werden? Gartner prognostiziert, dass der mobile Zugriff auf BI-Daten und die Zahl von BI-Anwendern in den kommenden Jahren drastisch zunehmen wird: Im Jahr 2013 sollen schon ein Drittel aller Zugriffe auf BI-Funktionalitäten mittels Handheld-Geräten stattfinden [Gar11].

Diese Entwicklung kann der „Demokratisierung“ des Zugangs auf Business Intelligence zum Durchbruch verhelfen [Abe10a]: So konstatiert eine Studie der Aberdeen Group bei Unternehmen, die mobile BI-Anwendungen implementiert hatten, doppelt so viele BI-Anwender wie in Unternehmen, die ihre BI noch nicht „mobilisiert“ hatten [Abe10b]. Für die Zeit ab 2012 rechnen Analysten damit, dass neben Reports und Dashboards verstärkt aufgabenspezifische, analytische Anwendungen für mobile Endgeräte erhältlich sein werden [Gar11].

Mobile Reports, Dashboards und Alerts

Zu den typischen Anwendungsszenarien für Mobile BI zählen heute Reports und Alarmmeldungen auf mobile Geräte. Vorkonfigurierte Berichte werden in regelmäßigen zeitlichen Abständen (Push) oder auf Abruf (Pull) versendet und halten beispielsweise über die Entwicklung definierter, betrieblicher Kennzahlen (KPI) auf dem Laufenden. 

Spezifizierbare Reports dagegen ermöglichenes mobilen Anwendern, nach Bedarf dedizierte geschäftliche Informationen abzurufen. Beispiel: Im Vertrieb sind immer wieder aktuelle Daten und Analysen zu bestimmten Kundensegmenten relevant für Gespräche und Entscheidungen vor Ort; Geschäftsführer benötigen eher Dashboards zu Umsatz- und Ergebnisanalysen. 

Für Anwenderin Management-Positionen kann es besonders sinnvoll sein, unterwegs oder auch zwischen Besprechungen mit geringstem Aufwand bestimmte Report-Daten abzurufen. Für solche Zwecke sind gut ausgestattete Smartphones und Tablets heute wie geschaffen – vorausgesetzt, die geeigneten Mobile-BI-Anwendungen stehen bereit.

Außerdem können Mobile-BI-Anwendungen Alarmmeldungen zu außergewöhnlichen Ereignissen in erfolgskritischen Geschäftsprozessen transportieren, sei es im Vertrieb, im Service oder in der Logistik. Das ermöglicht kurze Reaktionszeiten unmittelbar nach Überschreiten von Schwellwerten, die für kritische Parameter definiert sind. 

Beispiel: Alerts können Service-Mitarbeiter rechtzeitig darauf aufmerksam machen, dass sich die Lieferung bestimmter Ersatzteile für einen Kunden verzögert. In der Finanzbranche sind Alarmmeldungen gefragt, die Mitarbeiter auf außergewöhnliche Entwicklungen im Wertpapiermarkt aufmerksam machen, auf die Verantwortliche sofort reagieren sollten.

Ziel: Effizienz und Umsatzsteigern

Außer dem praktischen Nutzen wird von Investitionen in Mobile BI auch die Aussicht auf einen positiven Return on Investment erwartet. Die Aberdeen Group stellte 2010 in einer Studie fest, dass der mobile Einsatz von Dashboards sich insgesamt positiv auf die Effizienz und Reaktionsfähigkeit auswirkt [Abe10b]. 

Als besonders leistungssteigernd erweisen sich solche Dashboards demnach, wenn sie im direkten Kundenkontakt genutzt werden. Die Untersuchung ergab auch, dass Mobile BI in Vertrieb und Service zu überdurchschnittlichem Umsatzwachstum in Unternehmen führt – verglichen mit Organisationen, in denen Mobile BI nicht zum Einsatz kommt.

Flexibilität in Frontend und Backend

Lösungen für Mobile BI unterscheiden zwischen der Infrastruktur im Backend auf der einen und Frontend-Anwendungen (Apps) auf der anderen Seite. BI-Apps dienen heutzutage vor allem dem Abruf von BI-Informationen aus der Unternehmenszentrale. 

Technologisch ist es jedoch eine Herausforderung, mit einer einzigen Lösung eine möglichst große Bandbreite an Smartphones und Tablets zu integrieren. Nicht umsonst beschränken sich manche Lösungsanbieter auf ausgewählte, aktuelle Standards für mobile Geräte. 

Das Versprechen: Mobile-BI-Informationen erleichtern Mitarbeitern vor Ort schnellere und bessere Entscheidungen.

Angesichts der dynamischen Entwicklung im Markt für mobile Lösungen stellt sich die Frage, ob das ratsam ist, denn es schafft unerwünschte Abhängigkeiten. So verwenden immer mehr potenzielle Anwender von Mobile BI nicht nur ein einziges mobiles Endgerät, sondern mehrere: Wer zwischen Laptop, Smartphone und Tablet wechselt, möchte mit all diesen Geräten einen gleichermaßen bequemen Zugang zu BI-Daten erhalten. 

Flexibilität im Frontend ist daher für Anwender und Anbieter das Gebot der Stunde: Nur so lassen sich mit vertretbarem Aufwand neue technische und funktionale Entwicklungen bei den Endgeräten integrieren.

Für die Infrastruktur im Backend gilt die Anforderung, dass sie kurze Antwortzeiten bei mobilen Datenabfragen ermöglicht. Bei größeren Unternehmen sind stabile und schnelle Zugriffspunkte auch für größere Nutzerzahlen gefragt. Eine gut skalierbare Lösung deckt auch zukünftig wachsende Anforderungen von Organisationen ab.

Eine weitere technische Aufgabe ist die Komprimierung der BI-Daten für eine unkomplizierte Datenübertragung auch bei zeitweilig geringerer Bandbreite. Für den Fall, dass die Mobilfunk-Verbindung ganz abbricht, sollte es möglich sein, mit den auf dem Endgerät vorhandenen BI-Daten weiterzuarbeiten und die abgebrochene Session ohne Datenverlust später wieder aufnehmen zu können. 

Unverzichtbare Voraussetzung für erfolgreiche Mobile BI ist ein zentral gesteuertes Gerätemanagement (Mobile Device Management), damit Anwender sich ohne Ablenkung durch technische Fragen auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren können. Professionelles Gerätemanagement sorgt auch für möglichst lückenlose Geräte- und Datensicherheit. 

Dafür werden zentral kontrollierbare Sicherheitsrichtlinien definiert. Deren Umsetzung stellt sicher, dass kein Unbefugter mit mobilen Endgeräten auf Unternehmensdaten zugreifen kann, vor allem nicht bei Geräteverlust.

Out-of-the-box-Lösung oder Mobile-BI-Plattform?

Für die Umsetzung von Mobile BI existieren derzeit zwei Lösungsansätze: Standardlösungen (Out-of-the-box) stehen Plattformen für Mobile BI gegenüber. Der Out-of-the-box-Ansatz wird vor allem mit schneller Implementierung in Verbindung gebracht. 

Anbieter wie MicroStrategy und QlikTech bieten für ihre BI-Lösungen kostenfreie Apps an, mit denen Dashboards und Reports auf dem Handy verfügbar sind. Für SAP BusinessObjects steht seit 2010 eine kostenlose iPhone-App bereit: Die damit abrufbaren Reports und Echtzeit-Daten lassen sichweiter analysieren und bearbeiten, unter anderem mit Drill-up und Drill-down.

In Frage kommen Out-of-the-box-Lösungen vor allem dann, wenn die damit verfügbaren Funktionen weitestgehend dem absehbaren Bedarf der Anwender entsprechen und die Integration mit dem Backend und verschiedenen Datenquellen ausreicht. 

Ein weiteres Argument für Standardlösungen ist, dass sie sich mit relativ geringem Aufwand bereitstellen lassen. Sobald jedoch die Anforderungen deutlich über den gesteckten Rahmen der Lösung hinausgehen, muss genau geprüft werden, inwieweit und mit welchem Aufwand unternehmensspezifische Anpassungen möglich sind.

Wie muss man eine Mobile-BI-Architektur „stricken“?

Jede Mobile-BI-Lösung wird früher oder später daran gemessen, ob und inwieweit sie sich an veränderte Voraussetzungen und neue Anforderungen anpassen lässt. Neue Bedürfnisse entstehen nicht nur im Endgeräte-Markt für Smartphones und Tablets, sondern auch im Backend. 

Dort können sich bestehende Datenbanken und BI-Technologien ändern, angetrieben durch technologische Weiterentwicklungen oder neue Unternehmensprozesse. Mobile Technologien sollten sich gut auf Veränderungen bei den Datenquellen abstimmen lassen.

Um Herausforderungen für Mobile BI sowohl im Back- als auch im Frontend gleichermaßen gewachsen zu sein, bieten sich passende Entwicklungsplattformen an: Damit entstehen durchgängige Lösungen, die BI-Daten im Backend „mobilisieren“ und zu den Endgeräten der Anwender bringen. 

Mobile Technologien sollten sich gut auf Veränderungen bei den Datenquellen abstimmen lassen.

So dient etwa die Sybase Unwired Platform dem Aufbau und Management kompletter Infrastrukturen für Mobile BI. Die Middleware erlaubt mobilen Zugriff auf heterogenstrukturierte Datenquellen, darunter Datenbanken, Web-Services und Softwareanwendungen, die auf SOA (Service-orientierte Architektur) aufbauen.

Kern einer solchen Plattform sind die sogenannten Mobile Business Objects (MBOs), die mit grafischen Entwicklungswerkzeugen ohne Programmierkenntnisse erstellt werden können. Fertige MBOs bilden die benötigte Prozesslogik ab und verbinden mobile Endgeräte mit den Datenquellen im Backend, beispielsweise für Datenabfragen und -analysen. 

Mit dem sogenannten Sybase Device Application Designer lassen sich native Anwendungen für verschiedene mobile Endgeräte einrichten. Dazu wird zunächst die für Endgeräte allgemein geltende Anwendungslogik abgebildet. Auf dieser Grundlage erfolgt das Customizing für den Einsatz der Anwendung auf verschiedenen Gerätetypen (Smartphones, Tablets, Laptops). 

Unterschiedliche Eigenschaften und Weiterentwicklungen von Endgeräten lassen sich so berücksichtigen. Neben Entwicklungsumgebungen wie Visual Studio and Eclipse integriert die Plattform auch das Programmiertool 4GL, mit dem sich die Entwicklung nativer, mobiler Geschäftsanwendungen vereinfachen lässt. 

Ergänzt wird die Plattform durch Lösungen für das zentrale Gerätemanagement, für Backups und Datensicherheit. So kann die zuständige IT-Abteilung mobile Anwender mit den jeweils benötigten Anwendungen, Updates und Kommunikationsroutinen versorgen. Datensicherheit wird durch die Verschlüsselung sensibler Daten auf mobilen Geräten gewährleistet. 

Bei Verlust oder Diebstahl von Endgeräten lassen sich per Remote Data Wipe mobil gespeicherte Daten löschen, auf deren Backups danach nur noch die zentrale IT-Abteilung zugreifen kann.

Fazit

Den Weiterentwicklungen bei mobilen Lösungen wird auch der Mobile-BI-Markt in den kommenden Jahren dynamisch folgen. Eine Herausforderung wird sein, Vorteile des Out-of-the-box-Prinzips mit Vorteilen von Middleware und Entwicklungsplattformen zusammenzubringen. Schnelle Implementierung beigleichzeitig hoher Flexibilität und Anpassbarkeit sind Anforderungen, denen sich Mobile-BI-Anbieter stellen müssen.

Literaturverzeichnis:

[IDC11] IDC’s WorldwideQuarterly Mobile Phone Tracker: „IDC Forecasts Worldwide Smartphone Market to Growby Nearly 50% in 2011“, www.idc.com, abgerufen am 29.3.2011

[Gar11] GartnerReport: „Predicts 2011: New Relationships Will Change BI and Analytics“,25.11.2010, www.gartner.com [Abe10a] Aberdeen Group: Analyst Insight, „MobileBI: Delivering Actionable Intelligence to the Point of Decision“, Oktober 2010, www.aberdeen.com, abgerufen am 7.2.2011

[Abe10b] Aberdeen Group: Report „MobileBI: Actionable Intelligence for the Agile Enterprise“, Dezember 2010, www.aberdeen.com, abgerufen am 6.4.2011

Über den Autor:
Harald Talarczyk ist freier Fachjournalist für IT- und BI-Themen in Bonn.

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Artikel wurde zuletzt im September 2011 aktualisiert

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