MicroStrategy 9: Erweiterungen für Workgroup BI

MicroStrategy hat das neue Release von MicroStrategy 9 angekündigt. Auf der MircoStrategy World 2009 konnte man erste Eindrücke davon sammeln.

Dieser Artikel behandelt

BI-Technologie

MicroStrategy (MSTR) kündigte jüngst den Release von MicroStrategy 9 an. Auf der MircoStrategy World 2009 konnte ich mir einen ersten Eindruck von den neuen Funktionen und Erweiterungen machen. Eine erste detailierte Einschätzung finden Sie in Kürze in unserer BI Studie. Insgesamt besuchten die Tagung über 1000 Besucher, eine leicht rückläufige Zahl im Vergleich zu 2008. Dies ist laut MSTR primär der aktuellen Wirtschaftskrise zu zuschreiben und nicht einem sinkenden Interesse an Business Intelligence (BI). So müssen sich laut MicroStrategy zahlreiche Kunden und Interessenten aufgrund der Sparmaßnahmen ihrer Unternehmen mit Reisen und Tagungsbesuchen zurückhalten.

MicroStrategy stellte schon vor einigen Monaten eine neue Komponente ihrer Plattform zum Aufbau von Cockpits und Dashboards vor. Dies ist eine echte Erweiterung der Funktionalität und bedeutete auch für viele Bestandskunden einen klaren Vorteil. Fokus von MSTR lag bei der Entwicklung auf einer möglichst tiefen Integration der Dashboard- und Grafik-Engine in die Architektur der BI-Plattform. So lässt sich beispielsweise eine Vielzahl von bestehenden Berichten einfach von der bisherigen Darstellung als HTML-Bericht auf die Flash-Technologie umschalten. Für Release 9 wurde im Vorfeld schon gemunkelt, dass die Neuerungen eher technische Erweiterungen sein werden und nicht primär für den Endanwender in Form von neuer Funktionalität sichtbar sein werden. Wie gemunkelt so eingetreten - viele Neuerungen betreffen die Architektur der Plattform und Technologie in Release 9.

Neues Web-Frontend im Office 2007 Stil

Einige Erweiterung für den Endwender wird es trotzdem geben. Mit dem neuen Release verfolgt die Entwicklungsabteilung von MSTR weiterhin das Konzept sich an den Oberflächen von Microsoft Office zu orientieren - künftig im Stil von Office 2007. Mit der Nutzung von Ribbons hinterlässt das Frontend einen wesentlich aufgeräumteren Eindruck beim Anwender. Die auf der Konferenz vorgestellten Funktionen gehen deutlich weiter im Vergleich zu den heutigen Möglichkeiten mit Release 8. So ist es endlich möglich auch für Berichtsentwickler wichtige Funktionen direkt im Web zu nutzen. Dies war in Release 8 sicherlich eine Schwäche im Vergleich zu den grösseren Mitbewerbern wie Cognos oder Business Objects. Erklärtes Ziel von MSTR ist es immer mehr Funktionen des Full-Client schnellst möglich im Web zur Verfügung zu stellen. Dies scheint mit der neuen auf AJAX-basierenden Architektur deutlich leichter umsetzbar zu sein.

Workgroup BI

Die spannendste Erweiterung von MSTR 9 ist sicherlich die Möglichkeit dezentrale, vom Fachbereich gesteuerte BI-Projekte direkt im Fachbereich umsetzen zu lassen. Mit Release 9 stellt MSTR ein Konzept und Tools vor, um die Workgroup-BI-Lösungen bei Interesse und Bedarf nach einiger Zeit in eine Enterprise-Reporting-Plattform zu überführen. MSTR reagiert damit auf den Erfolg von kleinen, fachbereichsbezogenen Werkzeugen die mit ihren einfachen und schnell aufzubauenden Lösungen eine verstärkt Anklang in den Fachbereichen finden. Typischen Anwendern in den unterschiedlichen Abteilungen eines Unternehmens geht es primär um die Umsetzungsgeschwindigkeit und die Einfachheit bei der Implementierung. Eine detailierte Beschreibung des Konzeptes finden Sie in unserer BI-Studie.

MicroStrategy nutzt In-Memory-Caching mit neuem Release cleverer

Mit dem ab März 2009 verfügbaren Release erlaubt MicroStrategy seinen Kunden Daten in einer eigenen Datenbank auf dem Applikationsserver abzulegen und so die Abfrageperformance zu verbessern. Interessant an der Architektur ist, dass Kunden keine Änderungen an der Datenanbindungen oder an den entwickelten Berichten vornehmen müssen. Im Unterschied zu dem bekannten Caching, wählt der Administrator gesamte Teilbereiche eines Datenmodells oder einzelne Objekte und speichert diese für einen schnelleren Zugriff in der In-Memory-Datenbank von MicroStrategy. Dies erfolgt über eine eigene Oberfläche zur Administration. Mit diesem Ansatz ist MicroStrategy der erste Anbieter, der ein eigene Datenbank als integralen Bestandteil in der Reporting-Plattform anbietet, die unabhängig von der darunterliegenden Datenbank arbeitet. Andere Anbieter wie Business Objects, Cognos oder Oracle können zwar auch In-Memory-Technologien anbieten - diese sind jedoch als eigenständige Datenbanken konzipiert und nicht direkt in die Plattform integriert. Die Frage, ob es Aufgabe eines Frontend-Anbieters ist eine In Memory Datenbank zur Steigerung der Performance in die BI-Plattform zu integrieren, ist wohl pauschal nicht zu beantworten. Restriktion der Architektur von MicroStrategy ist aber sicherlich, dass die Lösung für MicroStrategy sehr gut integriert und ohne grossen Aufwand nutzbar ist - aber eben nur für MicroStrategy.

Multi Source BI - eine sinnvolle Erweiterung bei der Datenanbindung

Eine echte Verbesserung in der Anbindung von unterschiedlichen Datenquellen erfährt MicroStrategy mit dem neuen Release 9. In Zukunft wird es möglich sein unterschiedliche Datenquellen in einer semantischen Schicht (project) zu kombinieren. Dies erlaubt Anwendern direkt in einem Bericht Daten auch aus unterschiedlichen Datenbanken zu kombinieren. So lassen sich beispielsweise Oralce 11g Daten mit einem Auszug aus Microsoft SQL Server 2005 direkt kombinieren ohne eine Verknüpfung von Daten durch den Berichtserstellers im Bericht. Die Definition der Verknüpfung erfolgt stattdessen in der semantischen Schicht durch den Administrator.Die Komplexität wird so für den Reportersteller deutlich reduziert und vereinfacht.

Weiterhin keine Planung im Portfolio

Gerade jetzt nach dem Rückzug von Microsoft durch die Abkündigung des PerformancePoint Servers ergibt sich wieder eine grosse Chance mit Planungslösungen bei Unternehmen zu punkten. Auch bei strategischen Projekten werden häufig Anbieter bevorzugt, die ein vollständiges Portfolio für Reporting, Analyse und Planung liefern können. MSTR fokussiert sich trotz der grossen Chancen und Möglichkeiten weiterhin als der Spezialist für Dashboarding, Reporting und Analyse. Die Lücke wird auch mit Release 9 nicht geschlossen.

Abschied vom Narrowcast Server

Unter dem Namen Distribution Services verfolgt MSTR das Ziel, die bisher getrennten Funktionen im Narrowcast Server mit in die Plattform zu integrieren. Die Distribution Services haben die Ausrichtung die Self Services für Endanwender zu erhöhen und die Abhängigkeit bei der Informationsverteilung zu Administratoren und Power Usern zu kappen.

Fazit

Insgesamt haben die Neuerungen in MSTR 9 einen klaren Fokus auf Architektur und Technologie. Endanwender werden keine grossen Veränderungen erkennen können. Der Grundstein für notwendige Erweiterungen ist mit Release 9 geschaffen, um in Zukunft weitere Verbesserungen im Web-Frontend einfacher und effizienter anbieten zu können. Das Konzept Enterprise-BI mit unabhängigen BI-Lösungen des Fachbereichs ('Workgroup BI') auf einer Plattform abzubilden ist spannend - MicroStrategy muss jetzt beweisen, dass es auch in Unternehmen so gelebt werden kann. Hier die nach meiner Meinung wichtigsten Änderungen noch mal im Überblick:

  • Neues AJAX-Frontend
  • In Memory DB auf der BI-Plattform
  • Workgroup BI
  • Multi Source Zugriff in einer semantischen Schicht

Über den Autor:

Dr. Carsten Bange ist geschäftsführender Gesellschafter des Business Application Research Centers (BARC). Er ist seit mehr als 10 Jahren für nationale und internationale Unternehmen verschiedenster Branchen und Größen im Rahmen der Strategie- und Architekturberatung, Werkzeugauswahl und Qualitätssicherung in Business-Intelligence- und Datenmanagement-Projekten tätig. Als neutraler Beobachter des Softwaremarktes ist er ein häufiger Redner bei Tagungen und Seminaren sowie Autor zahlreicher Fachpublikationen und Marktstudien.

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