Mit Banking Analytics zu einer adaptiven Risikosteuerung

Eine zentrale Risikosteuerung und Portfolioanalyse auf Knopfdruck können von vielen Banken nicht in der notwendigen Qualität bereitgestellt werden.

Eine zentrale Risikosteuerung und übergreifende Portfolioanalysen auf Knopfdruck werden zwar von den Marktteilnehmern und Aufsichtsbehörden gefordert, können jedoch von vielen Banken heute noch nicht in der notwendigen Qualität bereitgestellt werden. Gewinnoptimierung bei mehr Transparenz und weniger Risiko heißt heute die Devise.

Das Risikomanagement und Berichtswesen haben nicht erst seit der Finanz- und Wirtschaftskrise bei Banken immens an Bedeutung gewonnen. Der gesamte Finanzdienstleistungssektor sieht sich bereits heute u.a. mit Risiko- und Eigenkapital-Richtlinien der Aufsichtsbehörden wie SolvV (Solvabilitätsverordnung),  Solvency II, Basel II und MaRisk mit komplexen Herausforderungen konfrontiert. Zur Früherkennung und Vermeidung von Krisen haben die Compliance-Richtlinien jedoch ihr Ziel verfehlt. Als Folge der Finanzkrise und zur Vermeidung systemischer Risiken planen die hiesigen und europäischen Gesetzgeber (unter anderem mit Basel III) allerdings noch eine deutliche Verschärfung der Compliance-Regeln für das Banken- und Versicherungswesen und fordern die mitunter unvorbereiteten Unternehmen bereits zu umfangreichen Stresstests auf. Aber nicht nur die Aufsichtsbehörden fordern mehr Transparenz und Sicherheit, auch Investoren, Partner  und die eigene Geschäftsführung stellen hohe Anforderungen an ein adäquates Risikomanagement, welches sowohl Marktrisiken und Kreditrisiken als auch operationelle und strategische Risiken abdeckt.

Obwohl Systeme für das Risikomanagement, Controlling, Reporting und Business Intelligence (BI) im Bankengewerbe bereits in größerem Umfang zum Einsatz kommen, konnten die Finanzdienstleister in der Vergangenheit ihre Kredit-, Produkt-  und  Geschäftsrisiken nur unzureichend analysieren und bewerten. Der Ausfall von Forderungen und damit verbundenen Refinanzierungsrisiken und  Liquiditätsengpässen stellen Banken auch heute noch vor große Probleme. Zwar gilt die Finanzbranche bei der Nutzung von Prognose-Instrumenten und Data Mining zur Ermittlung und Bewertung von Risikopositionen sowie Verhaltensmustern von Kunden als führend, jedoch ist die Datenqualität häufig für fundierte Entscheidungen unzureichend. 

Zum Einen erschwerten die Konsolidierungsprozesse durch Akquisitionen und neue Geschäftsmodelle vielfach die Umsetzung einer kohärenten IT-Strategie, zum anderen stießen die Analyseinstrumente durch uneinheitliche Systemstrukturen und Datenbestände schnell an ihre Grenzen. Die bestehende Systemarchitektur vieler Banken ist mit ihren unterschiedlichen Lösungs-Silos im Front- und Backoffice und der oftmals systemischen Trennung von Stammdaten und Kennzahlen für umfassende Analysen wenig geeignet. Zwar werden die Systeme häufig über dieselben Datenquellen beliefert, doch die Auswertungsergebnisse werden in vielen Systemen isoliert generiert. Ein übergreifendes Monitoring und aussagekräftige Auswertungen auf valider Datenbasis waren dadurch faktisch kaum möglich.

Gerade in so dynamischen Marktumfeldern wie im Finanzdienstleistungssektor benötigen die Unternehmen jedoch ein Echtzeit-Monitoring über Erfolg und Performance ihrer komplexen Produktportfolios, der jeweiligen Geschäftsbereichsaktivitäten und ihrer erbrachten Dienstleistungen. Immer mehr Banken investieren daher in eine integrierte, kennzahlen- und risikogeleitete Unternehmenssteuerung auf Basis eines Corporate Performance Management und Banking Analytics Systems. Damit erhalten Banken nicht nur einen unternehmensweiten Überblick über Risiko-Rendite-Profile sämtlicher Produkt- und Geschäftsbereiche, sondern steigern auch die Prozesseffizienz und Rentabilität insbesondere im Kredit- und Investmentgeschäft.

Um ein nachhaltiges Risikomanagement und effizientes Reporting zu ermöglichen, bedarf es einer IT-Infrastruktur, die eine durchgängige Top-Down-Analyse sämtlicher Datendimensionen für die interne und externe Berichterstattung erlaubt und gleichzeitig die Instrumente für eine proaktive Unternehmenssteuerung auf operativer und strategischer Ebene bereitstellt. Das Datenmanagement ist eine der wichtigsten Herausforderungen bei der Etablierung eines erfolgreichen, unternehmensweiten Risikomanagements. Dafür muss zunächst mit einem leistungsfähigen Data-Warehouse-System die Basis geschaffen werden, um die Flut der Daten und Informationen aus verschiedenen Systemen zusammenzuführen, zu aggregieren und für die Auswertung aufzubereiten. webbasierte Integrationsplattformen und Business Integratoren, die Daten via ETL (Extract, Transform, Load) und MDM (Master Data Management) aus heterogenen Systemen vereinheitlichen, unterstützen diesen Prozess.

Auf der Datenbasis setzen schließlich die Business Intelligence und Performance Management Anwendungen auf, um mit Hilfe speziell für das Bankgeschäft vorkonfigurierter KPIs (Key Performance Indicators) Potenziale und Risiken zu ermitteln, Portfolios zu überwachen und gemäß der aktuellen Compliance- Richtlinien zu steuern.

Neben den Einsatzgebieten Compliance-Reporting und Performance Management kommen Banking Analytics Lösungen heute auch für das Activity Based Costing und die operative sowie strategische Finanzplanung zum Einsatz. Mit einer adaptiven Business Process Plattform im Kern der Lösung ermöglicht Banking Analytics eine ganzheitliche und zielgerichtete Gesamtsteuerung des Unternehmens.

Haben Banken in der Vergangenheit noch die Komplexität und Kosten eines Systems zur adäquaten Risikosteuerung und dem Risiko-Reporting gescheut, stellt der Markt heute auch entsprechende Miet-Lösungen auf Cloud- bzw. SaaS-Basis zur Verfügung, die eine schnelle und kostengünstige Einführung sicherstellen. Zwar werden entsprechende BPM- oder BI-Systeme bislang nur von wenigen Herstellern auf Mietbasis angeboten, aber die Nachfrage nach standortunabhängig einsetzbaren, wartungsarmen Web-Lösungen ohne nennenswerte Kapitalbindung und kurzen Einführungszyklen wächst mit den höheren Marktanforderungen zusehends, wie auch eine Unternehmensbefragung im Rahmen des BPM Trend Reports 2010 gezeigt hat.

Über den Autor:

Lars Frutig ist Geschäftsführer und verantwortlich für Marketing & Vertrieb von Ramco Systems in der Schweiz.

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Artikel wurde zuletzt im Juli 2011 aktualisiert

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