Mobile Business Intelligence: Das gibt eine Riesenwelle

Die totale Digitalisierung des (Geschäfts-) Alltags birgt Chancen und Risiken für die Gesellschaft. Arbeit mobil zu erledigen wird normal. Das trifft auch BI zu.

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BI-Technologie

"Das gibt einene Riesenwelle“, zeigt sich Rainer Schink von der Abteilung Reporting und Finanzwesen beim Pharmazie-...

und Chemiekonzern Merck, Darmstadt, überzeugt. Zwar arbeiten derzeit bei Merck allenfalls ein gutes Dutzend Manager mit mobilen Geräten, auf denen BI-Applikationen möglich sind, doch diese sind schon jetzt allesamt begeistert, wie Schink beteuert. „Und zwar sowohl die ‚Teckies‘, die immer über alles Neue jubeln, als auch die eher gediegenen Mitglieder der Merck-Familie.“ Diese hält mit einem Aktienanteil von rund 70 Prozent nach wie vor das Zepter in der Hand. Ein Ausrollen der mobilen BI-Anwendungen läuft in diesen Tagen. 

Die Experten auf der arcplanet 2011, einer Veranstaltung von arcplan, Langenfeld, gehen davon aus, dass es zwei unterschiedliche Arten von Einsatzgebieten geben wird: die direkte Anbindung mobiler Geräte an die Business-Analytics-Systeme im Unternehmen und eine Lösung, die bei Merck Push Notification heißt. Dabei abonniert der Nutzer einen Datenservice, etwa aus seinem Verantwortungsbereich, und wird über sein Smartphone oder seinen BlackBerry nur dann informiert, wenn sich wichtige Kennzahlen verändert haben oder Vorgänge angestoßen oder abgeschlossen wurden.

Nicht viele Änderungen notwendig

„Wir mussten eigentlich nicht viel ändern“, erinnert sich Projektleiter Schink. Denn seit über zehn Jahren ist beim Pharmazie- und Chemiekonzern ein System im Einsatz das fast schon einen altmodischen Namen trägt: MIS – Management-Informationssystem. Es wird – in der Vollversion vom Top-Management und quasi als MIS light vom mittleren Management unter dem Namen MARS, Merck Advanced Reporting System – von jeweils rund 400 Personen angezapft. Kern des Systems ist laut Schink die weitgehende Standardisierung. Die Online-Berichte folgen immer dem gleichen Muster: Nach einem Aufriss weiß der Manager, worum es geht – etwa den Tagesumsatz –, dann folgen die Werte, dann wird über die Abweichung gegenüber einem definierten Zeitraum berichtet, und dann wird das Ganze in einer Grafik zusammengefasst.

Pro Abteilung gibt es eigentlich kaum mehr als eine Handvoll Berichte, die der jeweilige Verantwortliche sehen muss. Merck arbeitet mit einer Art Berichtshülsen, die nur mit Daten gefüttert werden müssen. Der große Vorteil ist: Es ist völlig gleichgültig, auf welchem Wege diese Berichtshülsen gefüllt werden oder auf welchem System sie bereitgehalten werden. „Wir müssen für mobile Anwendungen keine getrennten Datenbereiche führen oder Daten doppelt halten“, erläutert Schink. „Und die Anwendung selbst entscheidet quasi, was kommen soll.“ Will heißen: Fordert zum Beispiel ein BlackBerry Daten an, dann „weiß“ das System, in welchem Format diese darstellbar sind; ist es ein unternehmensinternes Gerät, dann werden die Spalten eben anders, ausführlicher präsentiert.

„Das Ziel der Darstellung auf mobilen Endgeräten muss immer der schnelle Überblick sein“, berichtet Karl-Ulrich Selbach, Geschäftsführer von Selbach Information Systems, Mettmann. Selbach hat an der Implementierung bei Merck mitgewirkt – und arcplan, die inzwischen ihre mobile Lösung Lizenznehmern gratis anbieten. „Ist es möglich, eine arcplan 6.6 Application auf BlackBerries zum Laufen zu bringen?“, fragt Schink noch im September 2010 im Forum der arcplan community. „Falls ja: Hat irgendeiner eine Idee, wie das gehen könnte?”

DHTML und Java ausprobiert

Die Merckianer haben dazu die Dynamic HyperText Markup Languag” (DHTML) und Java ausprobiert. „Aber der BlackBerry zeigt immer nur weiße Seiten“, zeigte sich Schink am Anfang enttäuscht. Die Phase ist vorbei. DHTML machte am Ende das Rennen. Doch trotz der anfänglichen Begeisterung des Merck-Managements bleiben etliche Aufgaben zu erledigen. So gibt es etwa derzeit noch keine Einwahl über eine einzige Schnittstelle, kein Single Sign-On

Um die Einwahl sicher zu machen, muss der Benutzer sich derzeit über ein VPN, ein Virtuelles Privates Netzwerk, anmelden, ein Computernetz also, das zur Verbindung zweier oder mehrerer Standorte das Internet als Transportweg nutzt, ohne jedoch im Internet öffentlich erreichbar zu sein. Nach der Passworteingabe im VPN-Tunnel erfolgt die Anmeldung im Unternehmensnetzwerk. „Zu umständlich“, urteilt Karl-Ulrich Selbach. Gegen Ende des Jahres soll es bei Merck den Single-Sign-on geben. Probleme, so Selbach, gab es auch bei der Adaption auf das kleine Display mobiler Geräte. Zwar kann man schnell durch die Listen der Daten scrollen, aber eine Hierarchie-Abbildung ist „nur bis zu einem gewissen Grade“ möglich, so der Merck-Berater. 

BlackBerries bereiten offenbar JavaScript-Probleme, so die Experten. Bei Android-Geräten könnte sich Google quasi eine Hintertür gelassen haben, um beurteilen zu können, was alles mit den Smartphones getrieben wird – eine Befürchtung, die die Szene auch für Apple-Geräte hegt. Lassen sich Profile mitschneiden, wenn eine der zahlreichen Apps ausgeführt wird? 

Security auch bei Mobile BI ein Thema

Die Sicherheit bleibt ein großes Thema bei BI auf mobilen Geräten. Aber die Chancen sind jetzt real – und damit ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass mobile BI nur ein neuer Hype ist, den wir morgen schon wieder vergessen haben. Mobiltelefone, die zu Fotos eines Straßenzugs die passenden Immobilienanzeigen suchen, Kühlschränke, die Ernährungstipps geben, elektronische Identitäten zur sicheren Abwicklung von Geschäften im Internet – die Digitalisierung des Alltags schreitet voran. „Und man muss die Stärken der mobilen Geräte besser in BI-Szenarien integrieren“, sagt Karl-Ulrich Selbach. Smartphones etwa verfügen über eine Kamera, mit der sich trefflich Barcodes scannen lassen. Oder per GPS-Ortung lässt sich der Benutzer lokalisieren. 

„Dann kann man auch lokalisierte Informationen auf die Geräte schicken“, zeigt sich Selbach überzeugt. Der Vertrieb im Lager weiß mit seinem BlackBerry-Scan womöglich auf die Schnelle, wie viele Produkte abverkauft wurden – und kann vor Ort eine Nachbestellung auslösen. Wie bei vielen Apps bei Apple und Konsorten sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. 

Und eine sehr realistische Anwendung ist das, was bei Merck Push Notification heißt: Oft hat das Management eine bestimmte – unternehmenskritische – Entwicklung im Auge, ist aber gleichzeitig unterwegs. Business as usual ist nicht das, was wirklich interessiert. Aber dort, wo Kennzahlen aus dem Ruder laufen, da wird es wirklich interessant. Kleine Informationshappen können hier schon ausreichen, um Entscheidungen herbeizuführen. Auf welchem Gerät sie dargeboten werden, ist dabei wirklich egal.

Alles Hype, oder was? 

„Einige bezeichnen Mobile-BI immer noch als etwas, das wir nicht brauchen oder das nur ein weiteres IT-Instrument ist. Jene, die damit vertraut sind, nennen es die Zukunft der Business Intelligence“, wirbt zum Beispiel die Brightcon GmbH, Merzhausen. Wie so häufig in der IT-Branche geht der Streit darum, ob wir einem neuen Hype nachhecheln – oder ob wir mitten in einem Paradigmenwechsel stecken. Hier hilft ein Blick auf nüchterne Zahlen: Der weltweite Smartphone-Markt soll im Jahr 2011 um 50 Prozent wachsen, prophezeien die Marktforscher von IDC. Die Zahl der verkauften Geräte springt demnach auf 450 Millionen – 2010 waren es 303 Millionen, 2009 174 Millionen. Immer mehr Menschen entdecken, wie „smart“ es ist, unterwegs ein Gerät dabeizuhaben, das Fragen beantworten kann. Warum dann nicht auch jene, wie es um Geschäftsprozesse steht? 

In der Tat: „Das Zukunftsthema für MicroStrategy ist die Unterstützung von Business Intelligence auf mobilen Geräten, allen voran Apples iPhone und iPad“, berichtet Dr. Carsten Bange von BARC, Würzburg, auf seinem BeyeNETWORK-Blog zur letztjährigen Kundenkonferenz von MicroStrategy. Die Grundannahme von MicroStrategy sei hierbei, dass diese Geräte auchwesentliche Geschäftswerkzeuge werden und nicht nur „Spielzeuge“ für den privaten Bereich. Auch SAS „goes mobile“: SAS Business Intelligence stellt Anwendungen als Self Service im Web-Browser, in Microsoft-Office-Clients oder auf mobilen Endgeräten, insbesondere Smartphones, zur Verfügung. Und mit Cubeware zum Beispiel sind Berichte und Dashboards einfach und direkt über Apps verfügbar. Ein nochmaliges Erstellen der Berichte für den mobilen Client ist dafür nicht nötig. Die Cubeware Mobile Service Architecture ermöglicht es Kunden und Partnern, Apps für die Plattformen der unterschiedlichsten Smartphone- und Tablet-Anbieter zuerstellen – angefangen von Apple über BlackBerry, HTC und Microsoft bis zu Palm.

Über den Autor:

Ulrich Schmitz ist Chefredakteur der Fachzeitschrift BI-SPEKTRUM.

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Artikel wurde zuletzt im September 2011 aktualisiert

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