Neue Ansätze bei der Implementierung von Services mittels SOA

SOA Services spielen eine wichtige Rolle im Anwendungsdesign heutiger Architekturen. Vor allem die mobilen Dienste tragen zum steigenden Einsatz von SOA bei.

In der Vergangenheit hat Anne Thomas Manes erklärt, das Paradigma der Service-orientierten Architektur (SOA) sei...

schlicht tot. Das hat sich geändert: Auf dem Gartner Application Architecture, Development & Integration (AADI) Summit 2012 erklärte sie, SOA spiele eine Schlüsselrolle in einem neuen Zeitalter des Anwendungsdesigns.

„Es gibt viele Faktoren, die uns heute dazu zwingen, das Design unserer Architekturen anders anzugehen“, sagte Manes, Distinguished Vice President bei Gartner, vor Teilnehmern der Konferenz in Las Vegas. „Den 'Nexus of Forces' kann man nicht richtig beherrschen, wenn man den Aufbau der Architektur von Diensten nicht ganz anders aufzieht.“

Der Ausdruck „Nexus of Forces“ wurde beim AADI immer wieder erwähnt. Er steht für die Art und Weise, wie Mobilität, Cloud, soziale Medien und Information konvergieren. Bei Gartner ist man der Meinung, dass diese Trends eine grundlegende Wende bei IT-Anwendern eingeleitet haben.

Tom Nolle, President von CIMI Corp., einer Beratungsfirma für Telekommunikation und Medienstrategien, sagt zu diesem Thema: „In der gesamten Branche ist man sich sehr bewusst darüber, dass mobiles Breitband einen Weg eröffnet hat, der das Verhältnis zwischen Verbrauchern und Angestellten auf der einen sowie Anwendungen und Datenressourcen auf der anderen Seite auf eine neue Grundlage stellt.“

Nach Ansicht von Manes führen die erwähnten Kräfte zusammen dazu, dass bei der Konzeption von Diensten eine zunehmend verbraucherorientierte Herangehensweise geboten sei. Der Schlüssel bestehe darin, von den Unternehmenszielen und den Bedürfnissen der Konsumenten auszugehen.

„Man muss zunächst überlegen, was der fragliche Dienst im Einzelnen leisten soll“, erläuterte sie. „Worin besteht das Geschäftsziel, dem ein bestimmter Service dient? Auf welche Weise werden ihn die Verbraucher in Anspruch nehmen? Welche Funktionen und Fähigkeiten erhoffen sie sich von ihm?“ Die Antworten auf diese Fragen sollten den Ausgangspunkt jeder Entscheidung zur Entwicklung eines neuen Service darstellen, so Manes.

Für Robert Daigneau, bei Slalom Consulting zuständig für Anwendungsentwicklung, ist diese Betrachtungsweise jedoch alles andere als neu, auch wenn sie gerade wieder neue Verbreitung findet: „Es ist schon immer so gewesen, dass man beim Design von Diensten das Ziel vor Augen haben sollte, also die Art und Weise, wie sie in Anspruch genommen werden. Aber in der SOA-Welt ging es in der Vergangenheit zuallererst um den Aspekt der Governance, also darum, die Angebote unter Kontrolle zu behalten.“ Stattdessen, so Daigneau, sollte man als Architekt vor allem die Bedürfnisse der Kunden im Auge haben.

Manes betonte ihrerseits, SOA-Methoden seien für diese Art der Service-Modellierung unverzichtbar. „Methoden wie SOMG, Everware-OCBDI, SOMA oder SODA zwingen dazu, an die Nutzer der Services zu denken, und somit an die Artefakte, mittels derer man diejenigen Fähigkeiten implementieren und Aktivitäten ermöglichen kann, die von ihnen gewünscht werden.“

Sie räumte ein, dass man zwar vielerorts schon seit Jahren mit SOA arbeite. In manchen Fällen aber beruhe dies bisher nicht auf entsprechenden SOA-Designmustern. „Bei der Modellierung von Diensten ist es ja alles auf eine Reihe von Geschäftszielen ausgerichtet. Der Prozess, mit dem man die Service-Orientierung verwirklicht, besteht in der Umsetzung einer Reihe von Prinzipien, die einem dabei helfen, diese Ziele zu erreichen. Und wie werden diese Prinzipien in der Praxis angewandt? Durch die Verwendung bestimmter Designmuster.“

Ohne diese Design-Patterns sei es bei einer SOA nicht möglich, kurzfristige Änderungen zu implementieren, so dass eine neue Anwendung im Grunde jedes Mal als Äquivalent ihres Vorgängers daherkomme, oft mit langsamerer Middleware. „Gewöhnlich wird dabei die Middleware-Schicht ersetzt, nicht jedoch die Designmuster, auf denen die eigentliche Anwendung beruht“, erläuterte Manes. „Aber beim Design von Services führt eigentlich kein Weg an SOA-Designmustern vorbei.“

Andere Branchenbeobachter merken allerdings an, dass SOA-Designmuster nicht für jedes Szenario geeignet sind, das bei der Umsetzung von Services denkbar ist.

„Viele Leute sagen sich einfach: Wir wenden jetzt Designmuster an. Dann schauen sie sich um, wo diese verwendet werden könnten. Aber das entspricht eigentlich nicht dem Sinn der Sache,“ erklärt Daigneau, der in seinem jüngsten Buch unter dem Titel Services Design Patterns verschiedene Lösungen für die Herausforderungen beschreibt, wie sie sich beim Design von Services stellen.

„Man kann nicht sagen, dass der Bedarf für Designmuster heute größer wäre als früher, denn sie haben eigentlich immer ihre Verwendung gefunden,“ fügt er hinzu. „Das Wichtigste ist eher das Wissen darum, an welcher Stelle welche Patterns Anwendung finden sollen. So gibt es zum Beispiel im Mobilbereich, für die Cloud sowie Big Data eine Reihe von Mustern, die sich besser eignen als andere.“

In gewisser Weise stellt die Verwendung von Designmustern für eine Service-Architektur im Zusammenhang mit der oben genannten Konvergenz von Faktoren völliges Neuland dar. Nach der Meinung von Tom Nolle gibt es dabei noch eine ganze Reihe ungeklärter Fragen, beispielsweise hinsichtlich der Implementierung von Apps für die Cloud.

„Man kann sich nicht wirklich an die Erarbeitung von SOA-Designmustern machen, solange man keinen Implementierungsrahmen festgelegt hat“, sagt Nolle. „Wenn man zum Beispiel mit einem Cloud-Dienst interagiert, dann ist es ja eine Tatsache, dass es bei mobilen Geräten bauartbedingte Beschränkungen gibt. Und die haben großen Einfluss darauf, auf welche Weise die Integration in einen komplexen Prozess stattfinden kann, mit dem letztlich der Dienst bereitgestellt wird.“

Nach Auffassung von Manes muss ein Unternehmen heutzutage an allererster Stelle in der Lage sein zu bestimmen, welche Services benötigt werden und warum, und an welcher Stelle sie eingesetzt werden sollen. In der Vergangenheit ist man bei der Entscheidung, welche Dienste entwickelt werden sollen, entweder nach der Top-Down- oder der Bottom-Up-Methode vorgegangen.

Auf dem AADI Summit erklärte Manes den Unterschied so: „Beim Top-Down-Verfahren setzt sich eine größere SOA-Initiativgruppe zusammen und sagt: Wir müssen zunächst einmal all die verschiedenen Dienste bestimmen, die wir entwickeln wollen. Und danach wird das gesamte Service-Angebot gleichzeitig geschaffen.“ Bei der Bottom-Up-Methode fange man dagegen auf der Projektebene an und konzentriere sich meist auf ein spezifisches Geschäftsziel oder einen bestimmten Kundenbedarf.

Daigneau weist darauf hin, dass der Top-Down-Ansatz Methode einige Fallen bereithält: „Wenn man versucht, alles vor vornherein auszuarbeiten, und sich vielleicht sagt, wir wollen alle möglichen Dienste mit hineinnehmen, die wir vielleicht brauchen werden, dann ist das der falsche Weg. Es wird immer einen neuen Aspekt geben, den man nicht vorausgesehen hat, oder etwas, was auf einem falschen Verständnis beruhte, weil nicht die ganze Information vorlag. Man sollte sich stattdessen anschauen, was die Projekte im Einzelnen genau erfordern und das Ganze pragmatisch angehen, vom Standpunkt des Kunden. Zunächst sollte man klären, welche Dienste für bestimmte Erfordernisse in Frage kommen, und diese entsprechend auflisten, und dann kann man nach Bedarf weitere hinzufügen.“

Auch für den Fall, dass man sich nicht für die eine oder andere der beiden Methoden entscheiden will, hat Manes einen salomonischen Vorschlag: Man könne sie in einer Art dafür, Service-Architektur zu behandeln, kombinieren.

Eine praktische Herangehensweise könne darin bestehen, die Implementierung von Services als Teil von Projekten anzugehen, was in gewisser Weise der Bottom-Up-Methode entspräche. Gleichzeitig könnten die für Enterprise Services Architecture zuständigen Teams das Service-Portfolio nach Bedarfslücken und Konsolidierungsmöglichkeiten durchforsten, was eher dem Modell Top-Down entspreche.

Artikel wurde zuletzt im Dezember 2012 aktualisiert

Pro+

Premium-Inhalte

Weitere Pro+ Premium-Inhalte und andere Mitglieder-Angebote, finden Sie hier.

Erfahren Sie mehr über SOA

0 Kommentare

Älteste Beiträge 

Passwort vergessen?

Kein Problem! Tragen Sie Ihre E-Mail-Adresse unten ein. Wir werden Ihnen eine E-Mail mit Ihrem Passwort schicken.

Ihr Passwort wurde an die folgende E-Mail-Adresse gesendet::

- GOOGLE-ANZEIGEN

SearchSecurity.de

SearchStorage.de

SearchNetworking.de

SearchDataCenter.de

Close