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Ohne skalierbare Datenbanktechnologie ist IoT nicht möglich

DataStax hat sich der Entwicklung von Cassandra verschrieben. Im Interview erläutert DataStax CEO Billy Bosworth, wie sich damit Betrug erkennen lässt.

Apache Cassandra wurde ursprünglich bei Facebook für das Inbox-Search-Problem entwickelt und im Juli 2008 freigegeben. Seitdem wurde das verteilte Datenbank-Management-System (DBMS) kontinuierliche weiterentwickelt und ist seit Anfang 2010 ein Top-Level-Projekt der Apache Software Foundation.

Ein Unternehmen, dass sich der Weiterentwicklung von Cassandra verschrieben hat, ist DataStax. Der Daten-Management-Softwareanbieter wurde im April 2010 von Jonathan Ellis und Matt Pfeil gegründet. Ein Jahr später gab DataStax die Ernennung von Billy Bosworth als CEO bekannt. In diesem Interview erläutert Bosworth aktuelle Entwicklungen bei DataStax, welche Vorteile verteilte Datenbanksysteme wie Cassandra gegenüber traditionellen relationalen Datenbanken haben und was sich das Unternehmen von der Kooperation mit Microsoft verspricht.

DataStax verwendet das verteilte Datenbank-Management-System Apache Cassandra. Warum hat sich DataStax für Apache Cassandra entschieden?

Billy Bosworth: Wir haben frühzeitig eine große Bewegung in der Branche erkannt. Wir entwickeln uns immer stärker zu einer vernetzten Welt mit einer Explosion von Geräten und Daten. Wir haben also verstanden, dass sich die Anforderungen an die Anwendungen weltweit dramatisch verändern, und es gab ein Loch zu füllen, da relationale Datenbanken nicht für diese neuen Herausforderungen geschaffen sind. Wir haben erkannt, dass der Ansatz von Apache Cassandra dieses Lochs zu einem wesentlichen Teil ausfüllt und somit als Grundlage für DataStax Enterprise dient.

DataStax Enterprise ist eine ständig verfügbare Daten-Management-Plattform, die Multi-Model-Anforderungen für gemischte Workloads handhabt. Apache Cassandra ist eine massiv skalierbare, nicht-relationale Datenbank, die einzigartige Vorteile wie kontinuierliche Verfügbarkeit, linear skalierbare Leistung, einfache Bedienung und einfache Datenverteilung über mehrere Rechenzentren und Cloud-Regionen hinweg bietet. Sie wurde entwickelt, um große Mengen von Betriebsdaten über viele Commodity-Server hinweg zu verwalten und eine kontinuierliche Verfügbarkeit ohne Single Point of Failure zu gewährleisten.

Ihre Masterless-Architektur ist das Geheimrezept dahinter, die Verfügbarkeit, Skalierbarkeit und Leistung steigert. Es gibt eine Reihe von geschäftskritischen Anwendungsfällen, alle erfordern die Unterstützung von Tausenden oder sogar Millionen von Anwendern oder Geräten mit einer hundertprozentigen Betriebszeit, in denen die Technologie sich von jeder anderen Option abhebt, wie zum Beispiel IoT-Anwendungen, Produktkataloge und Einzelhandelsanwendungen sowie das Tracking und Monitoring von Benutzeraktivitäten. Mit DataStax Enterprise ergänzen wir Funktionen, Leistung und Benutzerfreundlichkeit sowie zusätzliche Such- und Analysefunktionen, die alle in einem einheitlichen Sicherheitsmodell zusammengefasst sind.

Was sind die Vorteile einer solchen NoSQL-Datenbank?

Bosworth: Der Ansatz von Apache Cassandra und DataStax Enterprise wurde entwickelt, um die Anforderungen moderner Cloud-Anwendungen perfekt zu unterstützen und die Beschränkungen von Skalierung, Performance, Datenmodell und Datenverteilung relationaler Datenbanken zu überwinden. Insgesamt bietet DataStax Enterprise unter anderem kontinuierlich Verfügbarkeit, also eine Datenbank, die auch bei verheerenden Infrastrukturausfällen online bleibt. Diese ist geografisch verteilt, so dass Sie vollständig aktive Daten haben, wo immer Sie sie brauchen.

Zudem erhält man niedrige Latenzzeiten. Die Reaktionszeiten sind schnell genug für intensive Cloud-Anwendungen. DataStax Enterprise ist linear skalierbar, um aktuelle und zukünftige Datenanforderungen an Cloud-Anwendungen zu erfüllen. Darüber hinaus gibt es umfassende Datenmanipulationsoptionen, die eng in ein einziges System integriert sind; eine kohärente Integration und Interoperabilität von gemischten Workloads und mehreren Datenmodellen; ein Enterprise-ready Daten-Management für Cloud-Anwendungen; und eine geringe TCO, denn es gibt keine Anforderungen an spezielle Hardware, separate Replikations- oder Failover-Systeme oder andere Zusatzsoftware. Ein oder eine geringe Anzahl von Administratoren kann Hunderte oder sogar Tausende von Knoten verwalten. Eine relationale Datenbankumgebung würde viele DBAs für die Verwaltung der Architekturen und die Reaktion auf Ausfälle oder Wachstumsspitzen erfordern.

Für welche Szenarien sind DataStax Produkte geeignet?

Bosworth: DataStax bietet Produkte und Services für das Daten-Management von Cloud-Anwendungen, die eine immense Skalierbarkeit, Reaktionsfähigkeit und Verfügbarkeit in einer geografisch verteilten Umgebung erfordern. Beispiele hierfür sind zum einen Customer-Experience-Systeme und zum anderen Anwendungen, die Effizienz und Optimierung erfordern. Customer Experience umfasst eine Reihe von Anwendungsfällen, die für das Unternehmen von strategischer Bedeutung sind, um die Kundenzufriedenheit zu steigern, zum Beispiel 360-Grad-Kundenansichten in Echtzeit, Personalisierung, Empfehlungen und Betrugserkennung. Im Hinblick auf Effizienz und Optimierung ist es für Szenarien im Bestands-Management, Supply Chain Management, in der Logistik, Asset Monitoring, für Sicherheit und Compliance und natürlich E-Commerce gedacht.

Ihre Kunden sind zum Beispiel Netflix, ebay oder McDonald' s. Können Sie uns ein oder zwei kurze Beispiele nennen, wie Ihre Kunden DataStax nutzen?

Bosworth: ING verwendet DataStax Enterprise zum Beispiel, um eine Anwendung zu betreiben, mit der Kunden ihr Konto über das Handy und die Website einsehen können. Sie wollten, dass die Menschen auf eine reichhaltigere Weise häufiger mit ihren Konten interagieren. ING entschied sich für DSE, da sie als Bank die offizielle Unterstützung und Zertifizierung für Anwendungen, die in die Produktion gehen, benötigen.

IHS Markit nutzt DataStax Enterprise wiederum, um seinen digitalen Katalog mit mehr als 500 Millionen Elektronikbauteilen und -komponenten für Smartphones bis hin zu Satelliten zu versorgen. Die sogenannte Content Parts Factory wird eingesetzt, um geschäftskritischen Support für die gesamte IHS-Produktlinie zu bieten, da sie dem Unternehmen Einblicke und Services in Aktivitäten wie Stücklistenanalysen für ihre eigenen Produkte zur Verfügung stellt.

Einer Ihrer Hauptpartner ist Microsoft, die selbst Datenbankprodukte anbieten. Wo ergänzen sich DataStax und Microsoft?

Bosworth: Um den ständig wachsenden Anforderungen moderner Unternehmen gerecht zu werden, die von On-Premises-Lösungen in hybriden Cloud-Umgebungen wechseln, bietet die On-Demand-Cloud-Datenbanklösung DataStax Enterprise on Azure für Unternehmen sowohl Entwicklungs- als auch produktionsreife DSE-Cluster (BYOL), die mit Hilfe von Azure-Resource-Management-Templates innerhalb von Minuten auf dem Microsoft Azure Marketplace eingeführt werden können. Dies ermöglicht den Aufbau von hochleistungsfähigen IoT-, Web- und mobilen Anwendungen, die sich vorhersehbar und mit bemerkenswerter Geschwindigkeit über globale Azure-Rechenzentren skalieren lassen.

Darüber hinaus ist DataStax der Enterprise Cloud Alliance von Microsoft beigetreten, einer Kooperation, die das Engagement von DataStax verstärkt, die branchenweit besten On-Premises-, Hosted- und Public-Cloud-Datenbanklösungen anzubieten. Das Ziel des Microsoft Enterprise Cloud Alliance Partnerprogramms ist es, ein starkes Partnerökosystem in einer breiten Palette von Enterprise-Cloud-Produkten zu schaffen, zu pflegen und auszubauen. Durch diese Allianz arbeiten DataStax und Microsoft zusammen, um erweiterte Enterprise-Angebote für den Azure-Marktplatz zu entwickeln, die durch automatisierte ARM-Scripting-Funktionen die Komplexität von Bereitstellungen reduzieren.

Können Sie uns einen Einblick geben, wo DataStax in Deutschland aktiv ist und wer Ihre deutschen Kunden sind?

Bosworth: Im deutschsprachigen Raum setzt die 3-Banken-Gruppe mit ihrer IT-Tochter Drei Banken EDV erfolgreich DataStax Enterprise ein. Eine 3-Banken-Fallstudie wird in Kürze veröffentlicht. Einige andere deutsche Großunternehmen setzen ebenfalls DataStax-Lösungen ein, doch wir können noch keine Details nennen.

Billy Bosworth CEO DataStax

 „Ob Mobiltelefone, vernetzte Autos oder Drucker, die selbständig leere Tintenpatronen bestellen, ohne moderne, skalierbare Datenbanktechnologie ist das alles nicht möglich.“

Billy Bosworth, DataStax

Welche aktuellen Projekte hat DataStax in der Pipeline?

Bosworth: Wir fügen Apache Cassandra immer noch zusätzlichen Mehrwert hinzu, was Funktionen, Leistung, Benutzerfreundlichkeit und Plattformbreite betrifft. Und Cloud ist für uns der Schlüsselbereich. Im Mai haben wir DataStax Managed Cloud, unseren verwalteten Service von DataStax Enterprise, auf den Markt gebracht. Anfang dieses Monats haben wir außerdem unsere Engineering-Kooperation mit Oracle rund um den Oracle Cloud Data Hub vorgestellt.

Hat DataStax derzeit Projekte für Anwendungen im Zusammenhang mit dem Internet der Dinge und Industrie 4.0?

Bosworth: Auf jeden Fall. Ob Mobiltelefone, vernetzte Autos oder Drucker, die selbständig leere Tintenpatronen bestellen, ohne moderne, skalierbare Datenbanktechnologie ist das alles nicht möglich. Die Technologie gewährleistet eine ununterbrochene Verfügbarkeit mit einer permanenten Architektur und ermöglicht sofortigen Datenzugriff mit geringer Latenz. Interaktive und kundenorientierte Funktionalität ist immer gewährleistet.

Das Cloud-basierte Daten-Management ist auf die zunehmende Informationsmenge aus verschiedenen Kanälen und die unterschiedlichen Zugriffsmöglichkeiten auf große, komplexe, teilweise unsortierte Datensätze in Echtzeit zurückzuführen. Technologische Innovationen zeigen sich jetzt besonders deutlich im Energiesektor. Durch die Kombination von IoT, Cloud-basiertem Echtzeit-Daten-Management, neuesten Big-Data-Analyse-Fähigkeiten, intelligenten Distributionsnetzwerken und Sensortechnik ergeben sich in diesem Bereich vielfältige Optimierungsmöglichkeiten. Das Internet der Dinge, das auf dem richtigen Daten-Management basiert, ermöglicht Unternehmen und Verbrauchern intelligente Entscheidungen zu treffen, Energie- und Kosteneinsparungen zu erzielen und die Umwelt zu schützen.

Themen wie Betrugserkennung und Sicherheit sind auch bei DataStax zentrale Themen. Können Sie uns sagen, was DataStax in diesen Bereichen anbietet?

Bosworth: Zusammengefasst: Betrug ist eine der größten Herausforderungen insbesondere im E-Commerce und im Finanzsektor. Durch betrügerisches Verhalten verlieren Unternehmen jedes Jahr Milliarden Euro. Angesichts der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise, zunehmender Geldwäschekriminalität und Terrorismusfinanzierung werden die Gesetze immer strenger. Dies alles macht eine effektive Betrugsaufdeckung unabdingbar und erfordert von vielen Organisationen tiefgreifende Anpassungen an IT-gestützte Prozesse.

Im Finanzdienstleistungssektor kann die Aufdeckung von Betrug verschiedene Szenarien umfassen: von der Aufdeckung von Kreditkartenbetrug über den Diebstahl von Identitätsgutschriften bis hin zur Verhinderung der Eröffnung eines Kontos durch Personen, die sich auf einer Überwachungsliste für Terroristen befinden. Solche Lösungen zur Aufdeckung von Betrug sind oft komplex und nicht einfach zu implementieren und können daher sehr kostenintensiv sein. Schließlich müssen diese Millionen von Transaktionen pro Sekunde sicher verwaltet werden. Und DataStax bietet dafür die perfekte Infrastruktur.

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Artikel wurde zuletzt im November 2017 aktualisiert

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