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SAP HANA: Verschiedene Ansätze für die Implementierung der In-Memory-Plattform

Die Verwirrung um die In-Memory-Datenbank SAP HANA hält viele Organisationen von deren Einsatz ab. Ansätze für eine vereinfachte Nutzung von SAP HANA.

Dieser Artikel behandelt

SAP ERP

Als SAP im Jahr 2014 seine Run-Simple-Kampagne vorstellte, hoffte das Unternehmen, seinen langjährigen Ruf, nur komplexe Anwendungen anzubieten, abstreifen und deren Einsatz vereinfachen zu können.

Im Mittelpunkt der neuen Ausrichtung stand HANA - die In-Memory-Datenbank, die 2010 eingeführt wurde. Die vorrangigen Vorteile von SAP HANA gegenüber herkömmlichen relationalen Datenbanken sind die extrem schnelle Abfragegeschwindigkeit und die Fähigkeit, Echtzeit-Reporting und -Analytics damit machen zu können.

In den folgenden Jahren hat SAP allerdings bei der Veröffentlichung von HANA-basierten Produkten und Systemen für Verwirrung bei seinen Kunden gesorgt, die mit vielen unbeantworteten Fragen auf die Plattform und deren Implementierung blicken.

SAP bietet unter anderem die HANA Cloud Platform, die HANA Business One Cloud und eine Fülle von SAP-Komponenten, zum Beispiel CRM und Business Warehouse, auf Basis von HANA an. Daneben gibt es das Kernsystem für Enterprise Resource Planning (ERP) für HANA (SAP Business Suite on HANA) sowie seinen voll ausgestatteten Nachfolger, die SAP Business Suite 4 SAP HANA (S/4HANA).

Schließlich stellt das Unternehmen eine Reihe von anderen Produkten und Services unter dem Markennamen HANA bereit, einschließlich verschiedener Apps und HANA Accelerators.

Viel Unklarheit um SAP HANA

Eine Umfrage der SAP-Anwendergruppe in Großbritannien und Irland ergab zum Beispiel, dass 70 Prozent der befragten Nutzer glauben, SAP habe es versäumt, den Migrationspfad zu S/4HANA klar zu vermitteln.

„SAP denkt, dass es ein Meister des Marketings ist. Auch wenn es in einigen Bereichen gut ist, hat seine Kundenbasis nur eine unklare Vorstellung davon, was los ist und die Wahrheit ist, es hat die Verwirrung selbst verursacht“, sagt Julian Bond, ICT- Leiter des Jalousienanbieters und langjährigen SAP-Kunden Hillarys.

Hillarys schloss sein Upgrade auf das, was es für S/4HANA hielt, in beeindruckenden sechs Monaten ab, und ging im Februar 2016 damit live. Bond sagt allerdings: „Wir sind auf die SAP Business Suite on HANA umgezogen, welche als S/4HANA gedacht war. Aber mittlerweile hat SAP die Grundlinie verschoben und eine spätere Version veröffentlicht, und sagt, dass dies eigentlich S/4HANA ist.“

Als Resultat ist Hillarys bisher nicht in der Lage, die Vorteile der erweiterten Funktionalität auszunutzen, zum Beispiel das angepriesene Fiori App-Portal, das Benutzer nur mit den Apps und Funktionen versorgen soll, die sie tatsächlich verwenden, anstatt sie zu einer komplexen Liste mit Dingen zu navigieren, die sie nicht benötigen.

Herausforderungen mit SAP HANA

Das Problem für SAP-Kunden ist unter anderem, ob und wie sie zu S/4HANA migrieren. „HANA lässt sich nicht einfach wie ein Schalter umlegen – es kann eine sehr kostspielige Re-Implementierung, anstatt eines einfachen Upgrades sein. Das aktuelle Flaggschiff-Produkt von SAP, das über 40 Jahre entwickelt wurde, umfasst über 400 Millionen Codezeilen. Kunden haben Millionen in umfangreiche Anpassungen investiert, die dann möglicherweise bei einem Umzug zu S/4HANA umgeschrieben werden müssen“, erläutert Sebastian Grady, President von Rimini Street, einem Beratungsunternehmen, das Software von SAP, Oracle und anderen Anbietern unterstützt.

„Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wie Organisationen vernünftig die Kosten oder den Return on Investment berechnen können, da sie nicht alle Informationen haben, die sie benötigen. Und warum sollte ein Kunde das Risiko eines ungeprüften Systems eingehen, dass sich eventuell noch viele Jahre in der Entwicklung befindet.“

Andere glauben jedoch, dass die andauernde digitale Transformation von SAP den Umzug nach S/4HANA für die meisten treuen Kunden unvermeidlich macht. „SAP ist daran interessiert, die Leute auf die Plattform zu bringen. Es ist im Lifecycle der meisten Unternehmen ein bisschen früh dran, aber es wird passieren“, sagt Robin Webster, Technologie- und Serviceleiter beim Managed-Service-Anbieter Centiq.

„Es gab schon immer die Notwendigkeit einer Neugestaltung, um die volle Leistungsfähigkeit von HANA zu nutzen. SAP spricht viel über die Vereinfachung, aber diese Vereinfachung ist abhängig von S/4HANA. Für die meisten Kunden geht es nur darum, wann sie umziehen – und das wird dann sein, wenn die Business-Funktionalität in S/4HANA soweit fortgeschritten ist, dass Unternehmen nicht mehr auf diese neuen Tools verzichten können.“

Julian Bond ist überzeugt, dass die frühe Planung jedes Schritts entscheidend ist. „Als wir umgezogen sind, war dies ein großer architektonischer Wandel“, sagt er. „Wir haben ursprünglich HP-UX eingesetzt, doch für HANA benötigten wir Linux, also sind wir zu SUSE gewechselt. Das beinhaltete die Umschulung aller internen Mitarbeiter. Wir haben sogar einige unserer Nicht-SAP-Systeme migriert, um Erfahrungen zu sammeln, wie produktive Systeme in dieser Umgebung laufen. HANA geht außerdem davon aus, dass man in einer virtualisierten Welt arbeitet, also mussten wir uns mit der Virtualisierungsschicht beeilen.“

Die Wahl des richtigen Partners für den Umzug ist ebenfalls entscheidend. „Wir haben Panaya gewählt“, sagt Bond. „Ihre Tools waren in der Lage, unseren gesamten benutzerdefinierten Code zu analysieren, um zu ermitteln, wie viel umgeschrieben werden musste, was die Implementierung erheblich beschleunigte.“

HANA erfordert außerdem einen anderen Ansatz als traditionelle relationale Datenbanken, sagt Bond. „Wenn man zu einer Spalten-/In-Memory-Datenbank wechselt, muss man umdenken. Regeln, die 30 Jahre gut funktioniert haben, eignen sich nicht länger. Zum Beispiel ist die HANA-Archivierung anders. Da die Datenbank bereits im Arbeitsspeicher komprimiert ist, macht Archivierung sie nicht kleiner, sondern kann sie sogar vergrößern.“

Lewis Marston, CEO beim SAP-Spezialisten Rocket Consulting, empfiehlt Unternehmen, einen ganzheitlichen Blick auf ihre Anwendungslandschaft und Roadmap zu werfen, so dass strategische Entscheidungen mit der Ausrichtung auf die SAP Application Roadmap gemacht werden. „Eine klar definierte Datenstrategie ist ein Muss vor dem Umzug zu S/4HANA", sagt er. „Daten ohne Wert werden auch mit der hohen Speicherkompression, die in HANA verfügbar ist, die Infrastrukturkosten deutlich steigern.“

Auf die Roadmap achten

Marston rät Unternehmen, ihre Cloud-Strategie sowie Beschränkungen zu berücksichtigen. Dies erfordert einen strategischen Blick auf die SAP-Cloud-Roadmap für einige Branchensysteme, um Kapazitätslücken zu vermeiden.

Da nicht jede Implementierung eins zu eins das vorherige System ersetzt, sollten Unternehmen zudem darüber nachdenken, wie alte und neue Systeme für einen bestimmten Zeitraum koexistieren können, bis S/4HANA voll funktionsfähig ist.

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Robin Webster von Centiq betont darüber hinaus, dass der jeweilige Geschäftsbereich ausreichend vorbereitet sein muss. „Man sollte sicherstellen, dass der entsprechende Funktionsbereich für S/4HANA bereit ist. Zum Beispiel wird die HR-Engine, die viele Kunden kennen und lieben, in S/4HANA nicht unterstützt, da SAP davon ausgeht, dass man die SaaS-Anwendung SuccessFactors verwendet. Und einige Bereiche haben wohl einfach nicht die agilen Fähigkeiten, die für S/4HANA nötig sind.“

Security und Patching

Schließlich müssen Unternehmen angesichts des geringen Alters von HANA besonders auf Sicherheit und Patching achten. Nach Angaben von Alex Ayers, Mitbegründer des Risiko-Management-Beratungsunternehmens Turnkey Consulting, sollte Security ganz oben auf der Agenda stehen.

„S/4HANA ist eine relativ neue Technologie und wichtige Updates werden über SAP Notes und neue Releases zur Verfügung gestellt“, sagt er. „Regelmäßiges Patching ist erforderlich, da das Produkt noch reift. Die Change-Management-Prozesse einer Organisation sollten bereit sein, dies zu unterstützen.“

Der Sicherheit eines Systems sollte laut Ayers so viel Aufmerksamkeit erhalten wie die Konfiguration von Rollen und Benutzern. „Regelmäßig werden Schwachstellen gemeldet und Organisationen müssen die Möglichkeit haben, Risiken zu beurteilen und rechtzeitig Korrekturen oder Abhilfemaßnahmen anzuwenden.“

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Artikel wurde zuletzt im Juli 2017 aktualisiert

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