SAP HR-Management: Die Zukunft des Personalwesens liegt in der Cloud

Der Trend zu Software as a Service (SaaS) hat seinen Ursprung auch im Personalwesen. Dort wurde bereits vor über zehn Jahren Software ausgelagert.

Traditionellen On-Premise Anwendungen existieren sicherlich noch lange. Doch neue Entwicklungen bei Human-Capital-Management...

(HCM) -Software gehen vor allem von On-demand- und mobilen Human-Resources (HR) -Anwendungen sowie von In-Memory-Technologie (SAP HANA) und sozialen Medien aus.

„Unter den großen Softwarefirmen gibt es nur wenige, die künftig noch bedeutende Ressourcen in ihre lokal installierten Talent-Management-Anwendungen stecken“, sagt Steve Bogner, geschäftsführender Partner des Beratungshauses Insight Consulting Partners. „Dieser Trend ist schon länger zu beobachten. Ich denke, dies wird auch so weitergehen.“

On-demand-Boom bei HR-Anwendungen dank sozialer Medien 

Ein Grund für die Popularität von On-demand-Lösungen für das Personalwesen ist nach Beobachtung Bogners die Tatsache, dass HR grundsätzlich auf Collaboration angelegt ist und viele Menschen gleichzeitig das System nutzen müssen. Dies sei vor allem bei Self-Service-Portalen für Mitarbeiter der Fall.

Als weiterer Trend im HR-Bereich, besonders im Zusammenhang mit Cloud-Anwendungen, nennt Bogner die Verbreitung sozialer Medien. „Bei HR geht es um Menschen und der Mensch ist ein soziales Wesen“, erklärt er. „Soziale Medien sind ein gutes Mittel, um Menschen zu einem gemeinsamem Handeln zu bringen.“ 

Am Anfang war die Lohnabrechnung 

Nach Ansicht von Jon Reed, einem unabhängigen SAP-Berater und Chef von JonERP.com, nahm die Verlagerung zu Software as a Service (SaaS) schon vor Jahren ihren Anfang, als Unternehmen begannen, ihre Lohn- und Gehaltsabrechnung auszulagern. „Das war noch nicht die Cloud, aber man gewöhnte sich an den Gedanken, dass man etwas, das kein Kernprozess war, als Ware betrachten und auch von jemand anders erstellen lassen kann“, erklärt Reed. 

Dies änderte sich mit einer Firma namens Workday, der nach Reeds Ansicht der Verdienst zukommt, als Erste eine SaaS-basierte HR-Plattform in der Cloud bereitgestellt zu haben. „Workday hatte daran großen Anteil“, so Reed. „[Sie] sagten damals: Wir sollten einige Prozesse neu konzipieren und in die Cloud stellen, sodass auch andere darauf zugreifen können. Ihr Schwerpunkt lag am Anfang mehr auf HR-Kernsystemen. Mittlerweile expandieren sie aber in zahlreiche Richtungen.“ 

Andere folgten dem Beispiel von Workday, darunter SuccessFactors, das von SAP im Rahmen seiner Portfolio-Erweiterung bei On-demand-HCM-Anwendungen gekauft wurde, und Taleo, das aus demselben Grund von Oracle übernommen wurde.

HCM als strategischer Faktor

Nicht unwichtig im Zusammenhang mit der Nutzung von On-demand-Anwendungen für HR-Aufgaben ist nach Reed die Tatsache, dass die Unternehmen damit stärker, als es bei lokal installierten Anwendungen üblich war, HR als strategischen Faktor begreifen.

„[Ich meine HR] nicht nur als Funktion, die man auslagert, sondern als ein Instrument, das für Unternehmen strategische Bedeutung haben kann“, erläutert er. „[Vielleicht nicht] dieselbe strategische Bedeutung wie beispielsweise die Entwicklung eines Produkts der nächsten Generation, aber sicherlich schon in dem Sinne, dass man begreift, dass eine intelligente Personalpolitik ein strategischer Vorteil gegenüber Wettbewerbern sein kann.“ 

Joshua Greenbaum, unabhängiger Analyst und Leiter von Enterprise Applications Consulting, ist derselben Ansicht. Die Unternehmen würden beträchtliche Mittel in Bereichen wie Talent-Management investieren, was wiederum die Anbieter zu neuen Aktivitäten veranlasse.

„Triebfeder der Entwicklung ist eine strategische Neuausrichtung der Wirtschaft in Bezug auf das Talent-Management“, so Greenbaum. „An die Stelle des alten Modells, das besagte, bei HR geht es darum, Mitarbeiter einzustellen, sie zu versichern und ihnen andere Arbeitgeberleistungen zu geben, tritt ein neues. [Dessen Grundgedanke lautet], dass das Talent der Mitarbeiter zum wichtigsten Kapital des Unternehmens gehört.“

Mit HR unterwegs

Greenbaum weist auf den Vorteil von Cloud-Apps für HR hin, so dass sie auf Mobilgeräten auch von Mitarbeitern außerhalb des Unternehmens genutzt werden können. „Die Mitarbeiter sind mobiler und weltweit unterwegs“, betont Greenbaum. „Damit sind sie häufiger als früher ohne den Schutz der Firewall. Bei einem Cloud-basierten HR-System wird die Verwaltung der Touchpoints, die mit steigender Nutzeranzahl immer zahlreicher werden, für das Unternehmen einfacher.“

Die Zunahme von Mobilanwendungen insgesamt hat auch das Wachstum bei mobilen HR-Anwendungen beflügelt, die von Anbietern wie SAP und Oracle, aber auch von kleineren Häusern wie Arch Software entwickelt werden, die mit ihren HTML-basierten SAP e-forms ein breites Spektrum von HR-Prozessen abdecken.

Größere Marktakzeptanz von HCM-Software 

Laut dem Gartner-Bericht Impact of Cloud Computing on Human Capital Management Applications sind HCM-Anwendungen nach dem SaaS-Modell mittlerweile seit einem Jahrzehnt auf dem Markt und erfreuen sich steigender Beliebtheit. Gartner zufolge ziehen die Käufer von HR-Software weiterhin SaaS-Installationen lokal installierter Software vor, auch wenn deren verschiedene Anwendungstypen unterschiedliche Reifegrade aufweisen und unterschiedlich schnell vom Markt angenommen werden. Einer der Gründe für die zunehmende Akzeptanz des SaaS-Modells ist laut dem Gartner-Bericht die Schnelligkeit der Erstbereitstellung. 

„In der Vergangenheit hat der HCM-Markt immer wieder mühsame, langwierige und erfolglose Implementierungen erlebt“, heißt es im Bericht. „Dies hat die Käufer veranlasst, sich nach einfacheren, schnelleren und praktischeren Alternativen umzusehen. Da die meisten HCM-Systeme unternehmensweit implementiert werden, bot das Saas-Modell auch den Vorteil, dass in einem wachsenden Unternehmen die Anzahl der Nutzer problemlos aufgestockt werden konnte.“ 

Gartner zufolge sind E-Recruitment und Talent-Management die häufigsten SaaS-Anwendungen im HR-Bereich. Rund 70 bis 80 Prozent der neuen Initiativen für Personalgewinnungs- und Lernzwecke werden laut Gartner als On-demand-Anwendungen bereitgestellt. Daneben erleben SaaS-Anwendungen für das Mitarbeiter-Leistungs-Management seit zwei bis drei Jahren ebenfalls einen Aufschwung. 

Trotz des von Gartner prognostizierten Trends werden jedoch lokal installierte Anwendungen nicht komplett verdrängt. Funktionen aus dem traditionellen Kernbestand von HR, wie die Verwaltung von Arbeitgeberleistungen und Gehältern, verlagern sich laut Gartner langsamer in die SaaS-Welt.

Herausforderungen für die Akzeptanz von On-Demand-HR-Software

Einige Faktoren, die für die Dynamik des Cloud Computings verantwortlich sind, wie einfache Bereitstellung und niedrige Anfangskosten, fördern auch die Akzeptanz von Cloud-basierter HR-Software. Andere Faktoren gelten nur auf dem HR-Markt, so Gartner. Hier gibt es zum einen den Effekt, dass manche HR-Anwendungen schon eine gewisse Nutzungsdauer hinter sich haben. Das führt zu einem Schub bei der Technologieerneuerung, bei der manche Unternehmen angesichts teurer Upgrades und steigender Support-Kosten auch neue Optionen wie Cloud-Anwendungen sehen.

Hemmende Faktoren für die Verbreitung von HR-SaaS sind Gartner zufolge Unsicherheiten bezüglich der Überlebensfähigkeit einiger kleinerer Anwendungen, Fragen des Datenschutzes, der Integration und IT-Sicherheit. Gartner weist außerdem darauf hin, dass die Betriebskosten von SaaS-Anwendungen bei großen Unternehmen mit großen Data Centern, die schon länger erfolgreich in Betrieb sind, nach drei Jahren höher als für lokal installierte Anwendungen liegen können.

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Artikel wurde zuletzt im Januar 2014 aktualisiert

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