Salesforce vs. Siebel: Salesforce erfindet die Zukunft von CRM

Beim Vergleich der CRM-Anwendungen Oracle Siebel und Salesforce in Sachen Innovationskraft, hat Salesforce die Nase vor Oracle Siebel.

Dieser Artikel behandelt

CRM-Software

Image goes hereDenis Pombriant

Dies ist die eine Seite der Debatte Salesforce vs. Siebel. Der Autor unseres anderen Beitrags argumentiert, dass...

Oracle Siebel besser etabliert und vielseitiger sei als Salesforce.

Coca-Cola oder Pepsi? Ford oder Chevrolet? Betty oder Veronica? Siebel oder Salesforce? Wenn solche Entscheidungen nur so einfach wären! Um ehrlich zu sein: Ich habe im Laufe meines Berufslebens für beide Unternehmen Beratungsarbeit geleistet, und ich bin sowohl von ihren Produkten als auch von den Leuten, die dort arbeiten (bei denen Seitenwechsel gar nicht so selten sind), als auch von der Ernsthaftigkeit beeindruckt, mit der sie ihre Mission als Anbieter für Customer Relationship Management (CRM) verfolgen.

Für einen Vergleich der beiden ist es vielleicht am besten, nicht mit der Funktionalität zu beginnen, sondern mit den Märkten, die sie bedienen. Diese sehen ähnlich aus, sind aber doch höchst unterschiedlich. Beide Anbieter sind im Bereich kleiner, mittlerer und großer Unternehmen tätig. Weil es Siebel schon länger gibt, wurde es im Client-Server-Zeitalter zu einem frühen Standard. Im Verlauf vieler Jahre hat das Unternehmen dann daran gearbeitet, seine Plattform auch sozialer und mobiler zu machen.

Salesforce.com auf der anderen Seite hat mehr oder weniger Cloud-Computing erfunden – oder es zumindest mit seinem Marketing in Schwung gebracht. Damit hat Salesforce.com die modernere Infrastruktur, insbesondere im Hinblick auf sein mandantenfähiges Backend.

Diese Umstände haben auch Einfluss darauf, welche Art von Kunden die beiden Unternehmen anziehen, und auf die langfristigen Entscheidungen zur Weiterentwicklung ihrer Produkte. Siebel (und damit meine ich Oracle) hat die ältere Kundenbasis und auch die konservativere. Die meisten Siebel-Kunden dürften schon in der Client-Server-Zeit existiert haben und Upgrade für Upgrade zu einem heute Browser-basierten Interface gekommen sein.

Heute hat jedes der beiden Unternehmen reichlich Kunden. Dabei ist Siebel dasjenige, das versucht, seine Kunden in die Zukunft des Computing zu bringen. Das Salesforce-Produkt jedoch ist dort schon angekommen. Und fairerweise muss man sagen, dass es einen guten Teil dieser Zukunft selbst erfindet.

Siebel ist die ältere Lösung, und die Kunden sind eng damit verbunden. In vielen Fällen haben sie schon mehr als ein Jahrzehnt hinter sich, in dem sie ihre Implementationen installiert, angepasst, verwendet und gewartet haben. Gespräche über Siebel wandern schnell zu technischen Details über Schema, Performance-Tuning und anderen Geek-Themen. In der Salesforce-Welt sind die Kunden von den meisten dieser Aspekte isoliert, und es herrscht die Wahrnehmung vor, dass Salesforce einfacher zu verwenden ist.

Salesforce ist die Lösung, die Unternehmen über die Cloud nutzen, nach Nutzung bezahlen und verwalten. Wenn sich ein Salesforce-Nutzer nicht zufällig für die prozedurale Logik der dazugehörigen Anwendungen interessiert (oder eine eigene neu entwickelt), wird er es wahrscheinlich fast immer nur mit dem Frontend von Salesforce zu tun haben.

Beide Unternehmen bieten soziale und mobile Produkte, die recht gut sind. Allerdings habe ich schon den Eindruck, dass Siebel versucht, seinen Anwendungen und Geschäftspraktiken soziale Aspekte nachträglich einzubauen, während sie bei Salesforce fest eingebettet sind. Das ist ein bedeutender Unterschied, der direkt mit den zugrundeliegenden Plattformen zu tun hat. Siebel hat für Entwicklung die Plattform Oracle Fusion, und mit der Zeit wird auch die Anwendungssuite komplett in Fusion umgeschrieben. Oracle gebührt Respekt dafür, dass Fusion einstweilen optional ist, so dass Nutzer reichlich Zeit haben, sich darauf einzustellen. Noch gibt es zwar gelegentlich Bedenken hinsichtlich der Leistungsfähigkeit von Fusion, doch sobald intensiv über ein paar gute Erfolge damit berichtet wird, dürfte sich das legen.

Salesforce hat seine Plattform und API von Beginn an für Individualisierung und neue Entwicklungen geöffnet. Als Folge davon gibt es jetzt mehr als 1800 Partner-Anwendungen, die das gleiche Schema, die gleichen Werkzeuge, die gleiche soziale Infrastruktur und das gleiche Login nutzen. Insgesamt basiert Siebel auf der Annahme, dass beim Kunden genügend IT-Personal vorhanden ist, das sich um das Produkt und die vielen Individualisierungen, die jeder Nutzer vornimmt, kümmert.

Salesforce ist zumindest in Teilen stärker standardisiert, was zu einem einfacheren Betriebsprofil führt. Das Unternehmen gewinnt weiter Anteile selbst in Bereichen, wo Oracle und andere Anbieter traditionell stark sind, vor allem bei großen Unternehmen. Viele der neueren Vorzeigekunden von Salesforce haben viele andere Produkte installiert, darunter Oracle, Siebel und SAP. Doch wenn die dortigen Entscheidungsträger dazu kommen, dass sie Dinge wie Web-Anwendungen in Heroku oder wie bei GE, Coca-Cola oder Toyota soziale Apps entwickeln wollen, gewinnt Salesforce erheblich an Boden.

Dies zeigt einen wichtigen Vorteil für Salesforce: Das Unternehmen hat inzwischen die Fähigkeit, ältere Systeme mit modernen Cloud-, sozialen, mobilen und anderen Technologien zu ergänzen. Als Folge davon kann es damit weitermachen, Anwendung für Anwendung oder Abteilung für Abteilung traditionelle Installationen anzunagen. Diese Strategie ähnelt der aktuellen Entwicklung bei ERP: Hier werben Microsoft, SAP und NetSuite für zweistufige Strategien – die alten Systeme bleiben am Hauptsitz installiert, doch neue Installationen und solche in den Regionen erfolgen auf modernen Cloud-Plattformen.

Siebel ist ein Produkt für konservativere Organisationen, die mit dem IT-Paradigma des späten 20. Jahrhunderts vertraut sind. Sie kennen sich gut aus mit den unterschiedlichen Releases, ihren Anwendungen und ihren Geschäftsprozessen. Salesforce auf der anderen Seite ist das Ergebnis eines frischen Starts. Für dieses Produkt könnten Sie glatt ihr konventionelles wegwerfen, weil es eine entschiedene Abkehr von den alten Gepflogenheiten darstellt – seine Anhänger gehen wahrscheinlich lieber gewisse Risiken ein, weil sie wissen, dass sich so auch viel gewinnen lässt. Die Kunden von Salesforce erfinden mehr als andere die Zukunft, neue Geschäftsprozesse und auch sich selbst immer wieder neu.

Denis Pombriant ist Gründer und Managing Principal von Beagle Research Group LLC, einem CRM-Analysehaus mit Sitz in Boston.

Artikel wurde zuletzt im Januar 2013 aktualisiert

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