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SAP HANA: Die In-Memory-Lösung von SAP verstehen und nutzen

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Was hinter SAP S/4HANA und der Run-Simple-Strategie steckt

Mit der „Run-Simple-Strategie“ verspricht SAP seinen Kunden einfachere Geschäftsprozesse und IT-Architekturen. Doch es gibt noch viele Hürden.

SAP hat seine Run-Simple-Strategie auf der Sapphire Now im Mai 2014 vorgestellt. Dort hatte SAP-CEO Bill McDermott...

in seiner Keynote von der Innovation gesprochen, mit der die Walldorfer ihre Kunden, Partner und sich selbst als Unternehmen verändern wollen: Einfachheit. Gleichzeitig räumte er eine Mitschuld von SAP ein, dass IT-Technologien im Lauf der Jahre immer komplizierter geworden seien.

In den Mittelpunkt eines Simple-Manifests hat der Softwarehersteller die In-Memory-Plattform SAP HANA und das Cloud Computing gestellt. Die HANA-Plattform soll die IT-Architektur vereinfachen, und mithilfe der Cloud soll die Nutzung von SAP-Lösungen erleichtert werden. Zusätzlich sollen Frontend-Lösungen wie SAP Fiori und SAP Screen Personas die Endanwender mit einer zeitgemäßen, komfortablen und personalisierbaren Bedienoberfläche bei der Erledigung ihrer Aufgaben unterstützen. 

HANA, Cloud und Fiori: Mit diesen drei Komponenten als Grundlage will SAP eine Reihe neuer Applikationen entwickeln und auf den Markt bringen, die Prozesse einfacher und schneller durchführbar machen sollen: die sogenannten S-Innovations. Aufgaben und Daten der einzelner Geschäftsbereiche wie Finanzwesen, Beschaffung oder Vertrieb werden dazu in speziellen „Simple“-Anwendungspaketen gebündelt, die auf SAP HANA basieren.

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Passend dazu stellte der Softwarekonzern auf der Sapphire mit „SAP Simple Finance“ die erste Lösung vor. An ihr lässt sich das Prinzip der neuen Applikationslinie demonstrieren: Die technische Basis dieser Anwendung bildet das SAP Simple Finance Add-On aus dem SAP Enhancement Package 7 für die Lösung SAP ERP, die auf einer HANA-Installation ausgeliefert wird (SAP ERP powered by SAP HANA). 

Indem die „Simple“-Lösung auf SAP HANA läuft, lassen sich transaktionale OLTP- und OLAP-basierte Business-Intelligence (BI)-Anwendungen auf einer einzigen In-Memory-Maschine betreiben, wobei sämtliche Finanzinformationen in einem einzigen Repository zentral abgelegt sind. 

Die Mitarbeiter aus Finanzbuchhaltung und Controlling verfügen somit bei Transaktionen und Analysen über eine einheitliche Datenbasis (Single Source of Truth). Zugleich können die Finanzdaten granular auf der Ebene von Einzelposten verarbeitet werden statt wie bisher auf vorkonfigurierten Summen. Und bei der Erstellung von Abschlüssen fallen Zwischenaggregate sowie Indizes weg. Somit lassen sich die Finanzinformationen in hoher Detailtiefe und nahezu in Echtzeit analysieren.

Im nächsten Schritt sollen die Finanzbuchhaltung und das Controlling in der SAP-Simple-Finance-Anwendung einen einzigen Beleg für die Buchhaltungsdaten verwenden können. Dadurch entfällt in Zukunft die bislang aufwendige und fehleranfällige Konsolidierung von Finanzdaten aus dem SAP-FI- und dem CO-Modul. 

Auch bei der Buchung von Erlösen und Warenverkäufen oder bei der Personalabrechnung werden die Finanzbuchhaltung und das Controlling in Zukunft auf ein gemeinsames Konto zugreifen können. Endanwender, ob CFO, Finanzbuchhalter oder Controller, sollen je nach Rolle und Berechtigung die häufigsten Aufgaben auf einer SAP-Fiori-Oberfläche erledigen können.

In der neuen SAP Business Suite 4 SAP HANA (SAP S/4HANA) hat der Softwarekonzern nun ERP-Funktionen mit den Möglichkeiten, die die In-Memory-Plattform SAP HANA für die Verarbeitung und Analyse von Daten in Echtzeit bietet, und mit der Bedienoberfläche von SAP Fiori in einem einzigen Produkt gebündelt. Die Markteinführung weiterer S-Innovations-Anwendungen, die auf SAP S/4HANA basieren, ist noch für 2015 geplant. Weitere Details dazu gab SAP bisher nicht bekannt.

SAP-Konsolidierung hat Priorität vor Cloud

Allerdings ist zu fragen, inwieweit die Run-Simple-Strategie von SAP auch den Nerv der Kunden trifft, zumal diese erst ihre aktuelle Finanzlandschaft in die SAP HANA Enterprise Cloud verlagern müssen, wenn sie auf SAP Simple Finance wechseln wollen. Sicher, SAP-Software ist komplex und das SAP Graphical User Interface (GUI) alles andere als eine zeitgemäße Oberfläche für Endanwender, die im Privatbereich Apps gewohnt sind, die sich spielerisch leicht bedienen lassen. Das Gebot der Einfachheit ist deshalb richtig. Aber derzeit drückt die Kunden der Schuh an anderer Stelle.

Die Konsolidierung komplexer SAP-Landschaften sowie Rollout-Projekte haben derzeit Vorrang vor der Einführung neuer Technologien wie Cloud Computing und SAP HANA. Das belegt eine Umfrage, die die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) im Vorfeld ihrer Technologietage (24./25. Februar 2015 in Mannheim) vorstellte. 

Lediglich 17 Prozent der mehr als 250 an der Umfrage teilnehmenden DSAG-Mitgliedsfirmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (D-A-CH) wollen in SAP HANA und Cloud-Lösungen investieren. Insbesondere bei der Verlagerung von SAP-Anwendungen in die Cloud sind laut DSAG viele Fragen noch offen, vor allem beim Schutz von Informationen und des geistigen Eigentums.

Bei HANA fehlen Business Cases

Schon 2014 hatte eine DSAG-Umfrage die mangelnden Investitionen in SAP HANA konstatiert. Mehr als 80 Prozent der Umfrageteilnehmer beschäftigten sich demnach noch nicht mit der Umstellung der Business Suite auf HANA. „Es sind nicht primär die Kosten oder das technische Verständnis. Das Grundproblem besteht darin, dass für viele Kunden kein Business Case zu erkennen ist. Viele Unternehmen sehen zurzeit kein Innovationspotenzial für ihre Geschäftsprozesse“, kommentiert DSAG-Vorstandsvorsitzender Marco Lenck das Umfrageergebnis.

Kritisch sieht auch Frank Scavo, Mitgründer des US-Beratungsunternehmens Strativa und Präsident der IT-Research-Firma Computer Economics, die Run-Simple-Strategie von SAP. Lob verdient seiner Ansicht nach SAP Simple Finance. Dem Softwarekonzern sei es mit dieser Anwendung tatsächlich gelungen, die Code-Basis, die Bedienoberfläche sowie die Implementierung zu vereinfachen. Kritisch sieht der IT-Experte dagegen, wie SAP den Support durch Managed-Cloud-Services-Angebote vereinfachen will.

SAP selbst muss einfacher werden

Scavo bezweifelt, dass Kunden bestehende SAP-Installationen in die Cloud verlagern werden, nur um eine Simple-Applikation nutzen zu können. Vor ähnlichen Problemen stehe zurzeit übrigens auch Oracle. Laut Scavo liegt die schwierigste Aufgabe für SAP in der Vereinfachung des Supports. 

Sie könne nur dann zufriedenstellend gelöst werden, wenn der Softwarekonzern seine interne Organisation und die Firmenkultur bei den kundenorientierten Prozessen umkrempelt. Anders könnten die Kunden kaum motiviert werden, die neuen Managed-Services-Angebote auch aufzugreifen.

Allerdings lässt sich Vereinfachung nicht einfach von oben herab dekretieren. Das musste SAP-Chef Bill McDermott am eigenen Leib erfahren, als er, um das Bekenntnis von SAP zur Run-Simple-Strategie zu unterstreichen, Ende Oktober 2014 zu Testzwecken ein neues, schlichteres orangefarbenes Firmenlogo einführte – jedoch ohne Wissen der Belegschaft. Wenige Wochen später war dieses Experiment wieder beendet, da die Belegschaft sich laut Medienberichten übergangen fühlte und sich gegen die Abschaffung des bisherigen blauen Logos aussprach.

Das Gleiche gilt im Umgang mit Kunden, über deren Kopf hinweg SAP bei S/4HANA nicht agieren dürfe, warnt DSAG-Vorstandsmitglied Andreas Oczko: „Die bei den Kunden bereits eingesetzten installierten Lösungen dürfen von SAP nicht außer Acht gelassen werden. Bestehende SAP-Produkte müssen im Rahmen der Wartungszusage von SAP bis 2025 signifikant weiterentwickelt werden, da die Kunden hier regelmäßig über die Wartungszahlungen in die Softwarepflege investieren. Die bestehenden Produkte müssen seitens SAPs zumindest gleichberechtigt zu S4/HANA behandelt werden.“

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Artikel wurde zuletzt im März 2015 aktualisiert

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