Wie Software die Neugestaltung der Automobilindustrie vorantreibt

In Autos stecken immer mehr IT-Entwicklungen aus dem Consumer-Bereich. Vernetzte Fahrzeuge schaffen aber auch eine Konkurrenzsituation zu IT-Firmen.

Vernetzte Fahrzeugtechnologie bringt Automobilherstellern neue Möglichkeiten, um auch nach dem Verkauf eines Autos noch Gewinne zu generieren, indem zusätzliche Dienste und Funktions-Upgrades angeboten werden. Darüber hinaus fördert es laut Gartner durch ein personalisiertes Kundenerlebnis die Markentreue.

Die Zahl neuer Automobile, die mit Datenverbindungen ausgestattet sind, entweder durch ein eingebautes Kommunikationsmodul oder durch die Verbindung zu einem Mobilgerät (Tethering), wird im Jahre 2016 voraussichtlich 12.4 Millionen betragen und bis 2020 auf 61 Millionen anwachsen.

James Hines, Forschungsdirektor bei Gartner, sagt dazu: „Vernetzte Fahrzeuge werden weiter Innovationen im Produkt- und Dienstleistungsbereich generieren, neue Unternehmen kreieren, Leistungsversprechen und Geschäftsmodelle ermöglichen und eine neue Ära der intelligenten Mobilität einläuten. Hierbei wird sich der Fokus der Automobilindustrie immer weiter von einem individuellen Autobesitz für die Kunden zu einem serviceorientierten Blick auf persönliche Mobilität ändern.

Gartner verweist dabei auf den Umstand: je vernetzter Autos werden, desto selbstständiger werden sie auch, was auch zu einer Steigerung der eingebetteten Rechenleistung in Autos führen muss. Autonome Fahrfunktionen wie Abstandsregeltempomaten, Kollisionsvermeidung und Notbremsassistenzsysteme erfordern eine Kamera- und Sensordatenverarbeitung sowie eine Mustererkennung in Echtzeit.

BMW kündigte erst kürzlich an, eines der Unternehmen zu sein, das die neue Atom-basierte Plattform Joule (PDF) und die Intel RealSense Kameratechnologie verwendet. Elmar Frickenstein, Senior Vice President für autonomes Fahren bei BMW, sagt im Rahmen des Intel Developer Forums im August 2016, dass Autos praktisch einen Supercomputer integriert haben müssen, damit sich autonomes Fahren kontrollieren lässt.

„Außerhalb des Autos braucht es ein leistungsfähiges Cloud-System, um Dinge wie Schwarmintelligenz und Routenplanung zu ermöglichen sowie ein 5G-Netzwerk, um den Austausch von Daten zwischen der Cloud und dem Auto zu ermöglichen,“ erläutert Frickenstein.

Auf der Ignite, dem jährlichen Microsoft-Entwickler-Event in Atlanta, kündigte der Autohersteller Renault-Nissan die Partnerschaft mit einem Softwareunternehmen an. Hierbei soll Azure als Basis dienen, um die eigene Strategie für vernetzte Autos weiter anzutreiben. „Autos werden immer vernetzter, intelligenter und persönlicher,” sagt Ogi Redzic, Senior Vice President der Renault-Nissan Alliance.

IT sei schon jetzt ein Teil von Volvo, erklärt auch Peter Lorentzon, Vice President des Autoherstellers im Bereich Consumer IT-Services, kürzlich auf einem EMC Event in Schweden. „Wir sind mit unserem Unternehmen an der Spitze des Wandels, um diesen weiter voranzutreiben.“  Er sagt, das Unternehmen fokussiert sich darauf, das Leben der Verbraucher leichter zu machen. „Wir entwickeln Produkte nicht nur der Technologie wegen.“

Wie viele Autokonzerne erkennt auch Volvo die Notwendigkeit, sich nicht nur auf das Verkaufen von Autos zu beschränken. Lorentzon erklärt: „Wir könnten auch nur Hardware liefern, doch wir wollen unsere Autos mit anderen Dienstleistungen ausstatten.“ Zudem fügt er hinzu, dass Volvo einer der ersten Anbieter für Connected-Car-Technologien ist. „Das Hinzufügen von privaten Services ist etwas, auf das wir uns nun konzentrieren.“

Die große Herausforderung für vernetzte Autos ist, dafür zu sorgen, dass digitale Dienste relevant bleiben, auch wenn das Auto älter wird. Der Leiter der Volvo Geschäfts- und Strategieentwicklung für die Consumer IT, Jonas Rönnkvist, erklärt: „Die Automobilindustrie braucht drei bis vier Jahre, um ein Auto zu entwickeln, bevor es circa 20 Jahre in Betrieb ist.“ Er vergleicht das mit der Markteinführung von Microsoft Windows 95 vor 20 Jahren.

„In der digitalen Welt kann man es sich nicht einmal mehr vorstellen, an einem Windows 95 Computer zu arbeiten,“ sagt er. Unter den großen Herausforderungen der Industrie ist die Langlebigkeit der vernetzten Autos daher wohl die Größte.

„Es ist schwierig für uns vorauszusehen, was die nächste digitale Dienstleistung in drei Jahren sein wird.” Man muss bedenken, dass einige digitale Dienstleistungen überholt sein werden, lange bevor die Nutzungsdauer des Autos vorüber ist. Dazu sagt Rönnkvist: „Digitale Dienste und Infotainment sind eine Herausforderung, wenn man den Zeitrahmen für die Nutzung eines Autos betrachtet.“

Aber für die nähere Zukunft erwartet er, dass Autos ein integrierter Teil der vernetzten, digitalen Erfahrung der Konsumenten werden. „Heute nutzen Menschen immer mehr Cloud-basierte Dienste auf immer mehr Geräten. In der Zukunft nutzt man zum Beispiel den Musikservice zuhause, auf dem Computer und im Auto“, ist Rönnkvist überzeugt. Die Herausforderung, der die Automobilindustrie gegenübersteht, ist, wie man die Nutzung über all diese Geräte hinweg reibungslos ablaufen lässt.

In einer vernetzten Welt, so glaubt Rönnkvist, haben Autos einen Nachteil, weil sie keine Standards und Interoperabilität vorschreiben können. „Wir sind mit Google, Apple und Start-ups im Wettbewerb und befinden uns nicht an der Spitze der Nahrungskette.“

Das vernetzte Auto drängt die IT an die Spitze der Automobilindustrie. Zusammen mit den Fortschritten in der Technologie müssen Automobilhersteller überdenken, auf welche Art und Weise mit digitalen Zulieferern gearbeitet werden soll, denn je vernetzter ein Auto wird, desto besser müssen Software und die digitalen Services, die auf ihm laufen, auch unterstützt werden. Das verwandelt Automobilunternehmen laut Rönnkvist letztlich in IT-Betreiber.

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Artikel wurde zuletzt im November 2016 aktualisiert

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