Amazon setzt mit Platform Services andere Cloud-Anbieter unter Druck

Amazon setzt mit seinen Platform Services andere Anbieter unter Druck. Diese sind im Gegensatz zu PaaS unabhängig von Betriebssystemen und Middleware.

Die üblichen Marktregeln, also der Austausch von Waren und Dienstleistungen zu fairen Preisen, gelten auch für...

die Cloud. Ein Beispiel ist Infrastructure as a Service (IaaS). Bei IaaS bieten Provider IT-Ressourcen wie Server, Storage oder Netzwerkkomponenten als Service über das Internet (Cloud) an und rechnen diese nach Verbrauch ab (Pay per Use). Der Service Provider besitzt die technische Ausstattung und verantwortet Bereitstellung, Kühlung, Betrieb und Wartung der Infrastruktur in seinen Rechenzentren. Für den Kunden entfallen riskante Investitionen in physische Server – er kann über das Internet auf Server- und Storage-Kapazitäten zugreifen – und diese sind skalierbar. Doch Cloud-Anbieter, die höhere Gewinne erzielen wollen, müssen über IaaS hinaus weitere Services anbieten. Wie kann das gelingen?

Bislang schien die Antwort Platform as a Service (PaaS) zu sein. PaaS stellt Softwareelemente wie Betriebssystem und notwendige Middleware bereit, die zum Beispiel Entwickler benötigen, um ein Programm zu erstellen und zu testen. Sie können sich damit auf die Entwicklung der Anwendung konzentrieren, ohne sich um die Systemadministration oder Infrastruktur-Wartung kümmern zu müssen. Mit PaaS können Teams von unterschiedlichen Standorten aus an der gleichen Software arbeiten, während die Entwicklungsumgebung regelmäßig verbessert und aktualisiert wird.

Für Microsoft besteht allerdings das Problem, dass es mit Windows Azure nur ein tragfähiges PaaS-Angebot bietet – der Konzern hat Azure aber nie so positioniert und entwickelt, wie es notwendig gewesen wäre, um PaaS zu etablieren. Amazon überholt mit seinen Platform Services das PaaS-Angebot von Microsoft daher deutlich.

Platform Services sind mehr als IaaS. Sie lösen hochwertige Anwendungselemente aus dem traditionellen Betriebssystem und Middleware heraus und verwandeln sie in Web-Services, die jede IaaS-Anwendung erweitern kann. Für Cloud-Anbieter entsteht so eine neue Einnahmequelle. Entwickler können ihre Anwendungen mit einem Mehrwert versehen, ohne  spezifischen Code für die Cloud erstellen zu müssen. Die Anwender selbst erhalten flexiblere Software mit höherem Nutzwert.

Beispiele für Platform Services sind Datenbankdienste oder Tools für die Bereitstellung und Verwaltung von Cloud-Anwendungen. Sie kopieren häufig kommerzielle und Open Source Software, werden aber „as a Service“ inklusive Support angeboten und sind damit ideal für Anwender, die auf die Cloud setzen. 

AWS hebt Plattform Services auf die nächste Ebene

Während Microsoft seine Probleme mit PaaS hat, führt Cloud-Marktführer Amazon Web Services (AWS) die Platform Services in eine neue Richtung, die echte Cloud-spezifische Anwendungen verspricht. Dies wäre eine Veränderung in der Cloud-Computing-Strategie und könnte PaaS in der jetzigen Form ablösen.

Seit es die Cloud gibt, bieten Cloud-Provider Datenbank-Dienste als Plattform Service an, weil bei traditioneller Datenbank-Middleware in der Regel Daten lokal mit der Anwendung gespeichert werden müssen. Auch Private-Cloud-Stacks wie OpenStack, eine freie Software-Architektur für den Betrieb einer Cloud, bieten eine Reihe von Datenbankdiensten an. Bei OpenStack reichen diese vom einfachen Block bis zu neuen Database as a Services.

Amazon bietet diese Datenbank-Services auch an, hat seine Platform Services aber um Cloud-Anwendungen erweitert, die es bei anderen Providern nicht gibt. Was ist das Besondere bei Amazon? Die AWS Platform Services binden den Nutzer im Gegensatz zu PaaS nicht an eine bestimmte Betriebssystem/Middleware-Kombination. Dadurch ist es möglich, für jede Plattform AWS-basierte Anwendungen zu entwickeln und bestehende Anwendungen mit relativ geringem Aufwand um Cloud-Funktionen zu ergänzen. Die Platform Services von Amazon bieten für die einfachere Bereitstellung Werkzeuge wie CloudFormation, Elastic Beanstalk , CloudWatch und OpsWorks. Hinzu kommen Cloud-spezifische Dienste für Anwendungen wie AppStream und Kinesis oder Services für virtuelle Desktops, Caching oder Web-Optimierung.

Amazon erhöht Druck auf PaaS- und IaaS-Anbieter

Der Ansatz des Marktführers Amazon bei den Platform Services stellt einen tiefgreifenden Wandel beim Cloud Computing dar. Das hat zwei unmittelbaren Auswirkungen: Die Cloud-Services bewegen sich weg von PaaS hin zu IaaS, und die IaaS-Anbieter sehen sich gezwungen, eigene Platform Services zu entwickeln, die mit AWS konkurrieren können.

Dieser Wandel in der Cloud von PaaS zu Platform Services stellt auch die Hersteller von Betriebssystemen und Middleware vor große Herausforderungen: Sie können nicht einfach ihre gegenwärtige Situation in den Rechenzentren verbessern, indem sie eine Cloud-Version ihrer aktuellen Plattform anbieten. Um weiterhin auf dem Markt erfolgreich zu sein, müssen Anbieter wie Microsoft ihre Middleware in Form einzelner Web Services vertreiben und nicht als komplette Plattform.

PaaS-Anbieter und auch viele IaaS-Provider könnten durch die Platform Services vom Markt verschwinden, da sie einem doppelten Risiko ausgesetzt sind. IaaS-Anbieter entstehen erstens höhere Kosten, da sie investieren müssen, um gegen die Platform Services von AWS bestehen zu können. Zweitens erhält Amazon durch die Einnahmen aus den Platform Services genügend Spielraum, um die Preise für seine IaaS-Angebote zu senken. Damit setzt Amazon die Mitbewerber unter Zugzwang. Senken sie ihre Preise, verlieren sie Umsatz. Reduzieren sie die Preise nicht, verlieren sie Marktanteile.

Wandel zu Platform Services birgt Risiken

Der Wandel zu Platform Services birgt aber Risiken. So gibt es bislang keine Standard- Schnittstellen für Platform-Services; IaaS-Anbieter könnten ihre eigenen Frameworks und APIs nutzen. Das Ergebnis wären proprietäre System und die Abhängigkeit vom Anbieter (Vendor Lock- in). Die Nutzer von Platform Services müssen daher besonders darauf achten, wie sie diese Dienste in ihre Anwendungen integrieren. Dies gilt besonders, wenn sie die Dienste mehrerer IaaS-Provider  beziehen oder wenn dem bestehenden IaaS-Anbieter die Übernahme oder Insolvenz droht.

Daher ist es notwendig, Antworten auf diese „API-Explosion“ zu finden, bevor die Platform Services allgegenwärtig werden. Die beste Strategie besteht in einer weitgehenden Isolation der restlichen Logik von den Anwendungs-Anforderungen an die Platform Services, so dass man den Anbieter ohne große Auswirkungen wechseln kann. Vereinfacht wird dies durch die Prüfung aller Implementierungen derzeit existierender Platform Services, die Suche nach neuen Anbietern, die diese zur Verfügung stellen sowie die schrittweise Anpassung der Anwendungen entsprechend der Marktbedingungen.

Amazon hat seine Platform Services noch nicht fertig entwickelt, sondern steht erst am Anfang. Wenn das Unternehmen sein Angebot erweitert, wird man sehen, dass es seine Anwendungen speziell für die Cloud entwickelt und nicht einfach aktuelle Anwendungen in die Cloud verschiebt. Das ist ein entscheidender Schritt für den verstärkten Cloud-Einsatz in Unternehmen.

Über den Autor: Tom Nolle ist Präsident von CIMI, einem strategischen Beratungsunternehmen im Bereich Tele- und Datenkommunikation.

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Artikel wurde zuletzt im Mai 2014 aktualisiert

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