Compliance- und Kostenaspekte bei Softwarelizenzen in der Cloud

Das Verschieben von Anwendungen in die Public Cloud kann die Softwarelizensierung erschweren. Ist ein cloudspezifisches Lizenzmodell die Antwort?

Wenn Sie Anwendungen in eine Public-IaaS- oder PaaS-Cloud migrieren, vereinfacht sich dadurch Ihr Hardware-Management....

Doch dafür ergeben sich im Bereich der Softwarelizenzierung sofort neue Probleme. Stammt das Lizenzierungsmodell eines Anbieters noch aus der Vor-Cloud-Ära, so kann es vorkommen, dass Ihre Verträge mit einem solchen Anbieter nicht speziell auf das Thema Cloud Computing eingehen.

Amazon Web Services (AWS) und andere Cloudanbieter haben dagegen cloudspezifische Softwarelizenzen im Programm, die wiederum eigenen Herausforderungen mit sich bringen. Hier sind fünf Punkte, die Sie im Hinterkopf behalten sollten, wenn Sie beurteilen, wie sich Ihre Cloudmigrationspläne auf Ihre Softwarelizenzen auswirken werden:

1. Mit welchem Lizenzmodell arbeitet Ihr Softwareanbieter? Manchmal scheint es, als gäbe es genauso viele Softwarelizenzmodelle wie Softwareanbieter. Manche Lizenzmodelle basieren auf der Zahl benannter Benutzer, andere Anbieter berechnen lieber auf Grundlage der Zahl gleichzeitiger Benutzer. Und wieder andere ermitteln ihre Gebühren nach dem Serverprozessor oder der Anzahl der Kerne.

Nutzerbasierte Lizenzen können durchaus das Ausführen von Anwendungen in einer Public Cloud einschließen, sofern Ihr Vertrag keine anderen Klauseln enthält, die den Einsatz in der Cloud einschränken. Prozessor- oder kernbasierte Lizenzen sind da schon problematischer, da die Anbieter von Infrastructure as a Service (IaaS) ihre Instanzen anhand kundenspezifischer Bemessung der CPU-Leistung verkaufen. So rechnet AWS zum Beispiel mit der Recheneinheit der Elastic Compute Cloud (oder EC2) ab, die einem Opteron- oder Xeon-Prozessor entspricht. Die Google Compute Engine spezifiziert dagegen eine Reihe virtueller Cores pro Instanztyp in Google Compute Engine Units (GCEU). Die Leistung eines logischen Kerns in einem Sandy Bridge (Intel Core)-Prozessor beträgt beispielsweise 2,75 GCEU. Wenn Sie CPU-basierte Lizenzen haben, lassen sich diese unter Umständen nur schwer auf die CPU-Einheiten der Cloudanbieter abbilden.

2. Wie sorgt man für die Einhaltung von Softwarelizenzen? Als Folge der Komplexität der Softwarelizenzierung hat sich inzwischen ein Markt für Lizenz-Management-Tools etabliert und viele größere Organisationen arbeiten inzwischen damit. Wenn auch Sie dazugehören, schauen Sie sich an, ob und wie diese Tools mit cloudbasierten Ressourcen zusammenarbeiten. Nicht immer erkennen automatisierte Lizenzermittlungstools, die mit Vor-Ort-Servern gut funktionieren, auch cloudbasierte Instanzen. Unter Umständen kann es helfen, die Konfiguration der Lizenz-Management-Software zu ändern oder ein VPN zu implementieren, das die cloudbasierten Server enthält.

Überlegen Sie sich, wie Sie ohne Softwarelizenz-Management-Anwendung eine Nutzungsüberschreitung lizenzierter Software verhindern können. Wenn Sie zum Beispiel ein Abbild einer virtuellen Maschine (VM) mit Software gespeichert haben, die nach der Zahl der CPUs lizenziert wurde, wie lässt es sich dann vermeiden, zu viele Instanzen auszuführen? Eine Möglichkeit wäre, die Maschineninstanz so zu konfigurieren, dass sie nach anderen laufenden Instanzen sucht und sich deaktiviert, wenn eine andere aktiv ist. Oder Sie könnten in Ihre Überwachungsskripts eine Prüfung einbauen, die ermittelt, ob die Zahl der Instanzen, auf denen lizenzierte Software ausgeführt wird, Ihre Kapazität überschreitet, damit Sie je nach Bedarf Server abschalten können.

3. Enthält Ihre Softwarelizenz eine Klausel über Cloud Computing? Ältere Softwarelizenzvereinbarungen erwähnen Public-Cloud-Computing vielleicht nicht explizit, besonders, wenn sie sich ohne Änderung routinemäßig verlängern. Gewährt ein Vertrag einem Lizenznehmer gewisse Rechte nicht ausdrücklich, kann es sein, dass der Anbieter ihm diese Rechte vorenthält. Lassen Sie Fragen zu Verträgen und Rechten von einem Rechtsbeistand prüfen und entsprechende Aspekte mit dem Anbieter klären.

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4. Verletzen Cloud-Computing-Verfahren und -Praktiken Ihre Lizenz? Softwarelizenzen können Einschränkungen bezüglich der Zahl zulässiger Sicherungskopien enthalten. Da Cloudanbieter Daten zur besseren Verfügbarkeit replizieren, kann es Fälle geben, in denen die Zahl der Sicherungskopien die zulässige Zahl überschreitet. Oder für eine Software bestehen Exporteinschränkungen. Wird eine Software über Landesgrenzen hinweg repliziert, können sich auch hier unvorhergesehene Probleme ergeben.

5. Kommt für Sie eine bedarfsorientierte, cloudbasierte Lizenz infrage? Softwareanbieter profitieren möglicherweise von einer Partnerschaft mit einem IaaS-Anbieter, um ihre Software auch in der Cloud anzubieten. Im AWS-Marketplace können Kunden Lizenzsoftware mit bedarfsorientierter Abrechnung erwerben. Datenbanken, Business-Intelligence-Tools, Sicherheitsanwendungen, Content-Management- sowie CRM-Anwendungen und viele weitere sind nach diesem Modell erhältlich. Analog zur konventionellen Softwarelizenzierung gibt es auch hier nicht nur ein Modell zur Gebührenfestlegung. Viele der Produkte im AWS-Marketplace werden nach Stunden abgerechnet, während man andere monatlich oder pro Nutzer fakturiert.

Wenn Sie bereits einen Vertrag mit einem Softwareanbieter haben, der auch in einem Cloud-Marketplace Produkte anbietet, gelingt es Ihnen möglicherweise, neu zu verhandeln oder Ihre bestehende Lizenz auf ein cloudbasiertes Modell zu übertragen.

Vergessen Sie dabei nicht, dass in Ihre Beziehung zu Ihrem Softwareanbieter eine dritte Partei eintritt, wenn Sie Ihre lizenzierte Software in die Cloud verschieben. Möglicherweise weisen die Verträge von Cloudanbietern Konditionen auf, die Einfluss auf Ihre Lizenzpraxis haben. Ein Cloudanbieter könnte Sie verpflichten, die volle Verantwortung für Verstöße gegen Softwarelizenzen zu übernehmen. Auf jeden Fall ist es ratsam, sich sowohl zu Ihren Softwarelizenzen als auch zu Ihren Verträgen mit Cloudanbietern rechtlich beraten zu lassen.

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Artikel wurde zuletzt im August 2015 aktualisiert

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