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Das richtige PaaS-Angebot für ein Unternehmen finden

Wenn es um App-Modernisierung geht, sind Platform-as-a-Service-Angebote die erste Wahl. Doch welche Plattform passt zu einem? Eine Navigationshilfe.

Ein Ausgangspunkt für die Anwendungsmodernisierung sind Automatisierungsprodukte, die meist als Platform as a Service (PaaS) bezeichnet werden. Dies sind Public- oder Private-Cloud-Services, die auf Infrastrukturservices aufbauen und aus verschiedenen Middlewareservices bestehen. PaaS-Angebote zielen auf ein breites Spektrum von Anwendern, von traditionellen Entwicklern bis hin zu Tabellenkalkulations- oder Salesforce-Experten. Dies macht es schwierig, einen PaaS-Anbieter zu beurteilen.

PaaS-Anbieter lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen: Entwicklerorientierte PaaS, bei denen das Produkt auf Entwickler abzielt, die spezifische Anwendungen von Grund auf aufbauen, und benutzerorientierte PaaS-Stacks, die erweiterte Features zu bestehenden Anwendungen hinzufügen und es Nicht-Entwicklern ermöglichen, benutzerdefinierte Software mit Cloud-Services und Backend-Infrastruktur zu erstellen.

Im Folgenden werden populäre und typische Beispiele aufgezählt, die Anwendern und Entwicklern helfen sollen, ihr Geschäft durch den Aufbau von Cloud-nativen Anwendungen zu erweitern. Der Vorteil für Entwickler bei der Verwendung von PaaS ist die reduzierte Komplexität des Aufbaus von Cloud-nativen Apps, da der PaaS-Anbieter Infrastruktur und Toolsets zusammensetzt und managt.

Auf diese Weise kann Platform as a Service den Aufwand für Codierung und Infrastruktur-Management für Mobile- und Web-Backend-Dienste verringern, und es Entwicklern ermöglichen, sich auf Funktionen und Benutzeroberfläche und nicht auf die Backend-Wartung, zu konzentrieren. Dadurch, dass Entwickler von der Infrastruktur- und Tool-Verwaltung befreit werden, können diese auf einer höheren Ebene der Programmierabstraktion arbeiten. Damit kann PaaS den Entwicklungszyklus verschlanken sowie agile Methoden wie kontinuierliche Integration und Bereitstellung ermöglichen.

Obwohl PaaS häufig von traditionellen Softwareentwicklern verwendet wird, wurde das Konzept von Softwareherstellern wie Oracle, Salesforce, SAP und anderen umgesetzt, um die Anpassung ihrer Softwarepakete für Geschäftsanwender zu ermöglichen.

Ein Top-down-PaaS-Anbieter, mit einem Produkt, das eine anspruchsvolle Software zu einer Plattform für benutzerdefinierte Enterprise-Apps macht, ermöglicht es Anwendern und Analysten, die keine erfahrenen Programmierer sind, Cloud-native Anwendungen zu entwickeln, die Geschäftsprozesse automatisieren, benutzerdefinierte Dashboards zu bauen oder andere Anwendungsnischen zu füllen, die nicht durch Softwarepakete abgedeckt werden.

Entwicklerorientiert versus anwenderorientiert

PaaS-Technologie, die sich an Entwickler richtet, kümmert sich um Codierung und Infrastruktur-Setup, so dass Entwickler auf höherer Ebenen programmieren können und sich keine Sorgen um das Backend machen müssen. Unternehmen sollten auf die unterstützten Umgebungen und Betriebssysteme jedes PaaS-Anbieters achten, um zu sehen, was am besten zu ihren Technologien und Prozessen passt.

Entwicklerorientierte PaaS

Apprenda ist ein Softwarepaket für ein privates PaaS, das einen Anwendungsserver und Container für .NET- und Java-Anwendungen bereitstellt. Es funktioniert sowohl auf Linux als auch Windows, richtet sich aber in erster Linie an Windows-Entwickler. Apprenda enthält eine Umgebung für Anwendungskomponenten, die eine verteilte, skalierbare Serverarchitektur verwenden, mit einer zentralen Verwaltungskonsole für Infrastruktur, Benutzer und Operationen, ein Entwicklerportal, und eine Vielzahl von APIs, Services und Datenbank-Konnektoren.

Anfang 2017 übernahm Apprenda Kismatic, um Kubernetes-Unterstützung für containerisierte, Cloud-native Anwendungen anzubieten. Apprenda eignet sich gut für Organisationen, die On-Premises-Anwendungen entwickeln wollen, die Cloud-native Technologien wie verteiltes Cluster-Management verwenden, ohne Open-Source-Komponenten zusammenzufassen, und sie mit vorhandenen Datenquellen und einer Sicherheits- oder Benutzerkonten-Infrastrukturen zu integrieren.

Das Cloud-Foundry-Ökosystem ist ein Open-Source-PaaS-Projekt, das bei Pivotal Labs entstand – ein EMC-VMware-Spinout – und nun von einer unabhängigen Stiftung geleitet wird. Cloud Foundry ist für Cloud-native Anwendungen konzipiert, die eine Microservices-Architektur, Container und RESTful APIs verwenden.

Cloud Foundry läuft auf einer Vielzahl von Private- und Public-Cloud-Infrastrukturen, einschließlich VMware, OpenStack, Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und Google Cloud Platform. Zu den zentralen Features zählen Service-Broker für Registrierung und Anwendungsverbindung, Service-Router, um direkten Traffic zur richtigen Komponente zu leiten, und Cloud Controller für System- und Anwendungs-Management. Es gibt außerdem einen Message Bus, Blob-Storage für Anwendungscode und gebündelte Builds, eine Authentifizierungs-Engine und verschiedene Logging- und Monitoring-Komponenten.

Cloud Foundry ist die Basis für mehrere kommerzielle Produkte und Online-Dienste: von Pivotal Labs selbst, Atos, CenturyLink (AppFog), GE (Predix, IoT-Anwendungen), Hewlett Packard Enterprise (Stackato), IBM (Bluemix) und Mendix. Jedes dieser Unternehmen kann zusätzliche Komponenten zur Basis-Cloud-Foundry-Version hinzufügen und für bestimmte Plattformen optimieren beziehungsweise enger integrieren, zum Beispiel IBM Bluemix.

Google App Engine ist ein PaaS-Angebot innerhalb der Cloud Platform von Google. Die Plattform ist für Webanwendungen und Mobile-Backends konzipiert – also Dinge, die man zum Beispiel auf einem Google Chromebook oder einem Android-Smartphone erwartet. App Engine verwendet Container, die mit einer unterstützten Laufzeitumgebung vorkonfiguriert sind. Entwickler haben die Auswahl zwischen Java, Python, PHP und Go. Teams, die sich auf andere Sprachen spezialisiert haben, zum Beispiel C++, sollten bedenken, dass der Code in eine der unterstützten Sprachen umgewandelt werden muss.

Google App Engine umfasst verschiedene persistente Speicherdienste, einschließlich NoSQL, SQL und In-Memory-Caches, automatische Instanz-Skalierung und Lastverteilung, asynchrone Task-Warteschlangen, zum Beispiel ein Message Bus, Aufgabenablaufplanung, eine Suchfunktion und eine enge Integration mit der Google-Cloud, APIs und anderen Produkten, einschließlich der Verwendung von Google-Konten und der Authentifizierungs-Engine.

Wie die Google App Engine hat Microsoft Azure App Service seinen Infrastruktur-Stack mit den übergeordneten Anwendungsservices erweitert, die den Prozess des Erstellens von Cloud-nativen Apps optimieren. Der Fokus von Azure App Service sind Mobile und Webanwendungen mit .NET, Node.js, JavaScript, Java, PHP oder Python. Abgesehen von Web- und Mobile-Backends kann Microsoft Azure App Service auch für Service-Interfaces zwischen Clients und Servern genutzt werden, was Microsoft API oder Logic Apps nennt.

Oracle Cloud ist der Überbegriff für die Serviceprodukte des Datenbankriesen, einschließlich Enterprise-Resource-Planning- und Human-Capital-Management-Anwendungen, zusammen mit der reinen Infrastruktur. Der gehostete PaaS-Stack nutzt die Kern-Datenbank-Technologie von Oracle und zielt auf datengesteuerte Anwendungen mit Diensten für SQL, NoSQL, Big Data (Hadoop und Spark) und Echtzeit-Data-Pipelines und Event-Streaming (Apache Kafka) ab. Angesichts der Sun-DNA von Oracle ist es keine Überraschung, dass Java die bevorzugte Programmierumgebung innerhalb des Cloud-Service für Entwicklung und Tests ist. Außerdem umfasst der Oracle Cloud Platform Staging und Produktion, die Unterstützung für WebLogic, Mobile-Backends und JavaScript sowie Node.js. Wie andere PaaS-Technologie bietet Oracle API-Management, Infrastruktur- und Service-Monitoring, Log-Analyse und Aufgabenautomatisierung.

Red Hat OpenShift, die kommerzielle Implementierung des Open-Source-Projektes OpenShift Origin, ist ein Container-basiertes PaaS, das Docker-Packaging und Kubernetes Cluster Management kombiniert. Es ist als geteilter oder dedizierter Managed Service oder als On-Premises-Software verfügbar. Die Plattform unterstützt Anwendungen in Java, Ruby, Node.js, Python, PHP und anderen Programmiersprachen über Add-On-Module, die die OpenShift API verwenden. Es umfasst MongoDB-, MySQL-, PostgreSQL- und SQLite-Datenbanken sowie JBoss-Middleware, einschließlich der Red Hat BPM Suite, Webserver und Push-Benachrichtigungsdiensten.

Anwenderorientierte PaaS

Business-Anwender müssen einen PaaS-Anbieter mit einem Stack suchen, der bestehende Anwendungsplattformen wie Oracle, SAP oder Salesforce erweitert, da diese den einfachsten Zugriff auf Daten, Metadaten, Benutzerkonten und übergeordnete Anwendungsservices bieten, um benutzerdefinierte Dashboards, Datenvisualisierungen oder formularbasierte kollaborative Workflows zu erstellen.

Oracle Application Builder ist eine browserbasierte visuelle Entwicklungsumgebung, die es Nicht-Programmierern ermöglicht, Anwendungen zu erstellen, indem sie vorkonfigurierte Komponenten miteinander über eine GUI verbinden. Anwendungen können Oracle SaaS über REST APIs verwenden, um benutzerdefinierte Formulare und Dashboards zu erstellen.

Wie bei jedem PaaS-Stack wird Application Builder typischerweise verwendet, um benutzerdefinierte Erweiterungen für bestehende Anwendungen zu erstellen sowie Pakete und benutzerdefinierte Anwendungen zu integrieren, indem Daten geteilt oder Calling-Funktionen von einer zur anderen übertragen werden. App-Erweiterungen sind oft neue, benutzerdefinierte Web- oder Mobile-UIs, die mit einer Drag-and-Drop-Schnittstelle erstellt werden können.

SAP HANA Cloud Platform ist ein Managed Service, der eine Reihe von Anwendungsservices anbietet, welche die Entwicklung mit jeder SAP-Anwendung, einschließlich der In-Memory-Datenbank SAP HANA, erlauben. Typische Anwendungsfälle sind Dashboards, die HANA und On-Premises-Datenquellen, Mobile-Frontends und Internet-of-Things-Datenanalyse integrieren.

Salesforce App Cloud ist der übergeordneter Service für die Force.com- und Heroku-Entwicklungsplattformen von Salesforce. Es verfügt über eine grafische Benutzerschnittstelle, eine Drag-and-Drop-Umgebung – Lightning – für die schnelle Zusammenstellung von benutzerdefinierten Apps aus vorgefertigten Komponenten.

Aufbauend auf der Salesforce Customer-Relationship-Management-Applikation, kombiniert App Cloud Kern-Infrastruktur-Services wie Datenbanken, Storage und Container mit Plattformdiensten wie Workflow Engine, Social Collaboration, Reporting und Dashboards, einem Mobile Backend und Anwendungs-UIs.

Obwohl Entwickler Microservices in Heroku DX, Node.js, Ruby, Python, Java und PHP kodieren können, zielt App Cloud auf Geschäftskunden ohne formale Programmierkenntnisse. Typische Anwendungsfälle sind die Mobilisierung bestehender Salesforce-Apps, die Integration einer oder mehrerer Salesforce-Apps – zum Beispiel Kunden- und Mitarbeiter-Apps – und das Erstellen von Datenanalytik-Dashboards aus Salesforce-Aktivitäten.

Der richtige PaaS-Anbieter hängt vom Team ab

Die Auswahl eines PaaS-Produkts hängt in hohem Maße von der vorhandenen Infrastruktur einer Organisation, Anwendungsanforderungen, der Zielgruppe und dem Entwicklerteam ab. Unternehmen, die erfahrene Entwickler haben, um komplett neue Cloud-native Anwendungen zu bauen, sollten sich auf entwicklerorientierte Plattformen und die zugehörige Infrastruktur konzentrieren.

Umgekehrt, bevorzugen Cloud-Start-ups häufig Google App Engine aufgrund der Container-Unterstützung und automatischen Skalierbarkeit. Sie konzentrieren sich auf eine OpenStack-Cloud-Foundry-Kombination aufgrund der lebendigen Open-Source-Community und der Fähigkeit, sowohl On-Premises-Systeme als auch eine Vielzahl von Cloud-Services nutzen zu können.

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Artikel wurde zuletzt im August 2017 aktualisiert

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