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Daten in die Cloud auslagern: Snowball ist eine Möglichkeit unter vielen

Wie bekommt man große Datenmengen in die Cloud? Amazon bietet für seine Services mit Snowball eine Appliance. Doch es gibt auch mehrere Alternativen.

Wie kommen große Datenmengen in die Cloud? Amazon Web Services (AWS) bietet für den Datentransfer mit Snowball eine große Variante eines externen Datenspeichers. Dieser ist speziell auf den Austausch großer Datenmengen mit der AWS-Cloud optimiert. Das Gerät erlaubt es IT-Teams, Datenmengen im Terabyte- und Petabyte-Bereich schnell und sicher in die AWS-Cloud zu übertragen – oder von dort aus auf lokale IT-Systeme. Auf diese Weise lassen sich die Daten ganzer Rechenzentren in die Cloud hoch- und bei Bedarf wieder herunterladen. Allerdings hat Snowball auch Einschränkungen.

AWS Snowball kann 50 Terabyte Daten auf einmal übertragen. Die Sicherheit steht dabei im Mittelpunkt: Die Appliance hat interne und externe Sicherheitsfunktionen integriert, einschließlich eines manipulationssicheren Gehäuses und 256-Bit-Verschlüsselung. Um Snowball zu nutzen, muss man mit der AWS Management Console einen Auftrag erstellen, die Snowball-Appliance anfordern und den Snowball-Client herunterladen und installieren.

Sobald die Appliance im Unternehmen eingetroffen ist, stellen Sie mit dem lokalen Netzwerk eine Verbindung her, richten die IP-Adressen manuell oder mit DHCP ein und geben mit Hilfe des Clients die Verzeichnisse an, die man kopieren möchten. Der Client verschlüsselt die Daten automatisch, kopiert sie in die Appliance und informiert einen, wenn die Datenübertragung abgeschlossen ist. Für die Übertragung großer Datenmengen lassen sich mehrere Snowball-Appliances parallel oder nacheinander verwenden. So kann man zum Beispiel 100 TB Daten mit zwei Snowball-Appliances transferieren.

Löst Snowball das Cloud-Transfer-Problem?

Mit diesem Prozedere geht Snowball eine riesige Herausforderung an, vor der viele Unternehmen stehen. Um große Datenmengen in die Cloud zu verschieben, gibt es im Prinzip nur drei Optionen: Die Übertragung per Internet, den Kauf mehrerer externer Festplatten, um Daten zu speichern und sie dann an AWS zu versenden – oder die Verwendung von Snowball.

Allerdings haben die ersten beiden Möglichkeiten ihre Tücken. So kann die Übertragung großer Datenmengen zu oder von AWS sogar mit Highspeed-Internetverbindungen extrem langsam sein. Und die Speicherung von Daten auf Festplatten ist aufwendig, umständlich und dauert lange. Mit Snowball ist das anders: Unternehmen bestellen die Snowball-Appliance, stecken sie in ihr Netzwerk und senden sie nach dem Datentransfer wieder zurück zu AWS.

„Der Service bietet eine gute Möglichkeit zur Unterstützung einmaliger Datenimporte oder Workflows für die Stapelverarbeitung“, sagt Steve Pao, CMO bei Igneous Systems, einem in Seattle ansässigen Unternehmen, das lokale Rechenzentren in die Cloud exportiert. Die Appliance kann auch die richtige Wahl sein, wenn teure Upgrades der Netzwerkinfrastruktur vermieden werden sollen, große Engpässe bei der Datenverarbeitung bestehen oder wenn man an einem abgelegenen Ort arbeitet.

Snowball ist kein Allheilmittel

Allerdings hat AWS Snowball nicht alle Probleme der Datenübertragung in die Cloud gelöst. So kämpfen Unternehmen vor der Bestellung von Snowball häufig mit ihrem Datentransferplan. Die vollständige Übertragung der Daten zu AWS dauert einschließlich Versand- und Bearbeitungszeit in den AWS-Rechenzentren etwa eine Woche. Mit zwei parallelen 48-TB-Snowballs lässt sich die doppelte Datenmenge in der gleichen Zeit kopieren, oder man kann 80 TB Daten in zweieinhalb Tagen auf einen einzelnen 80-TB-Snowball kopieren. Dadurch würde die Gesamtzeit auf ungefähr eineinhalb Wochen erhöht.

Um dieses Problem zu entschärfen, sollten man einen Plan haben, welche Daten an Snowball übertragen werden müssen und auch wer diesen Transfer organisiert – und zwar, noch bevor Snowball eintrifft. Unternehmen sollten auch ein Wartungsfenster vereinbaren, um alle Arbeiten zu erledigen.

Die Kosten der Snowball-Appliance sind ebenfalls nicht unerheblich. Bei 250 US-Dollar pro 80 TB Daten und nur einem Tag oder zwei Tagen Turnaround-Time, um alles abzuwickeln, müssen Unternehmen auch Zeit und Personalkosten einbeziehen, wenn Sie eine Kosten-Nutzen-Abwägung für Snowball treffen möchten.

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Mehr Storage mit Snowball Edge

Snowball ist kein One-Size-Fits-All-Ansatz. Deutlich mehr Speicherkapazität als Snowball hat Snowball Edge – eine Variante des Snowball-Konzepts mit Onboard-Speicher und Rechenkapazitäten, die 100 TB verschlüsselt übertragen kann. Zusätzlich zur Datenübertragung an AWS unterstützt Snowball Edge die lokale Verarbeitung von Daten, das Processing von Edge-Computing-Arbeitslasten und die Fähigkeit, Lambda-Funktionen auszuführen, wenn Daten auf das Gerät kopiert werden.

„Mit seiner integrierten Lambda-Unterstützung ist Snowball Edge ein Schritt in die richtige Richtung für die Inline-Verarbeitung von Daten“, sagt Pao. Die Appliance kann allerdings keine Daten während des Transports verarbeiten. Prinzipiell hat Snowball Edge kaum mehr Vorteile als das ursprüngliche Snowball, aber es fügt einige Eigenschaften hinzu, die seinen Wert erhöhen.

Ein weiterer Nachteil: Während Snowball sicher ist, können Unternehmen die lokalen Daten nicht entfernen, bis sie vom Amazon Simple Storage Service (S3) überprüft wurden. Das ist möglicherweise für Unternehmen nicht akzeptabel, die Daten sofort löschen möchten.

Die neuen Clustering-Fähigkeiten von Snowball Edge können bei Benutzern das Vertrauen stärken, dass ihre Daten sicher und redundant sind. Snowball Edge bietet auch Onboard-Verschlüsselung für Sicherheit und AWS-Greengrass-Integration, was die Türen für Internet-of-Things-Funktionen öffnet. Greengrass unterstützt lokales Compute-, Messaging- und Daten-Caching für verbundene Geräte. Auch mit AWS-Lambda-Funktionen kann die Appliance umgehen, selbst wenn keine Verbindung mit dem Internet vorhanden ist.

Snowmobile – der fahrende Zwischenspeicher

Noch größere Datenmengen im Exabyte-Bereich können mit dem neuen AWS-Service Snowmobile transferiert werden. Dieser Appliance ist für den Exabyte-Bereich gedacht und bietet im Prinzip die gleichen Vorteile wie Snowball Edge. Allerdings sind die Ausmaße dieses Dienstes gewaltig.

De facto ist Snowmobile ein fahrender Zwischenspeicher, der in einem Sattelzug mit Container beim Kunden ankommt. Die Daten werden in den mobilen Datenspeicher-Container geladen und durch mehrere Kabelverbindungen mit bis zu einem Terabyte pro Sekunde auf bis zu 100 Pbyte befüllt.

Der Container ist klimatisiert, videoüberwacht und wird per GPS getrackt. Optional gibt es Sicherheitspersonal und Generatoren. Einmal befüllt, wird der Snowmobile-Container samt Security-Eskorte zu AWS gefahren. Das ist ein Riesenaufwand, der natürlich seinen Preis hat.

Alternativen für den Datentransfer

Der Snowball-Ansatz ist nicht der einzige Weg, um Daten in die Public Cloud zu übertragen. Eine weitere Option ist ein Hybrid-Cloud-Ansatz, bei dem Rohdaten lokal aufgenommen, verarbeitet und zusammengefasst werden können. IT-Teams können kleinere, verarbeitete Datenmengen an die Cloud schicken, um sie zu sichern, gemeinsam zu nutzen oder zusätzliche Rechenleistung aus der Public Cloud zu nutzen.

Es gibt aber noch weitere Services, die Unternehmen dabei helfen, große Daten zu übertragen. Sie reichen von manuell bis zu hoch automatisiert. So können Unternehmen zum Beispiel die Maestrano-Plattform für eine Vielzahl von Datenbewegungs- und Datenintegrationsaufgaben zwischen Cloud- und Nicht-Cloud-Service nutzen. Der Dienst erlaubt die sofortige und automatische Datenübertragung zwischen den Systemen.

Auch Alooma, ein Data-Pipeline-Unternehmen aus Redwood City in Kalifornien, ermöglicht den Transfer größerer Datenmengen. Die Datenübertragung einfach über das Internet kann mit solchen Services nicht mithalten.

Egal wie Sie Ihre Daten übertragen: Obwohl Snowball und vor allem Snowmobile große Datenmengen auf einmal transferieren können, sollten Unternehmen umfangreichere Datentransfers grundsätzlich inkrementell starten. Und sie sollten vor allem einen Plan haben. Eines kann auch Snowball nicht: Wenn Sie Daten analog der traditionellen ETL-Funktionen (Extract, Transformation, Load) für Data Warehouses übertragen müssen, sollten Sie nach einer passenderen Methode Ausschau halten. Denn ETL ist eine Fähigkeit, die Snowball noch fehlt.

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Artikel wurde zuletzt im März 2017 aktualisiert

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