Was hat der SAP IoT-Marketing-Hype mit der Realität zu tun?

SAP beschäftigt sich auf breiter Front mit dem Internet der Dinge. Doch von IoT-Standards und Lösungen von der Stange ist man noch weit entfernt.

SAP ist aktuell ziemlich damit beschäftigt, für seine Kunden sinnvolle Strategien für das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) zu finden. Gleichzeitig versucht SAP immer noch herauszufinden, auf welchen IoT-Bereich sie sich konzentrieren sollen. Die daraus resultierenden SAP IoT-Angebote spannen einen breiten Bogen – zusammen mit Partnern angebotene Gateway-Hardware, branchenspezifische Anwendungen und HANA-basierte Datenarchitekturen. Daneben bietet SAP auch weniger greifbare Frameworks, um Sensoren mit geschäftlichen Anforderungen zu verknüpfen. Und SAP geht Partnerschaften ein, um eine bessere weltweite Konnektivität zu erreichen.

„Weil das Internet der Dinge so ein tiefes und breites Thema ist, haben wir ein Framework geschaffen, das wir ‚Things to Outcomes‘ nennen“, sagt Nayaki Nayyar, General Manager und Global Head of IoT and Innovation Go-to-Market bei SAP.

Die Things sind Sensoren, Geräte und IoT-Architekturen, während die Outcomes die Ergebnisse, also die wirtschaftlichen Vorteile sind. Nicht überraschend ist, dass die primäre Anstrengung von SAP darauf gerichtet ist, seinen Kunden bei ihren Business-Anwendungen zu helfen. Der Hintergedanke: Sie können Anwendungsfälle liefern, die über das Datensammeln hinaus tatsächlich einen Wert bieten.

„In diesem Jahr konzentrieren wir uns in erster Linie auf Fertigung, Transport und Logistik, Energie und natürliche Ressourcen sowie Konsumgüter. Das sind die vier Industriebereiche, die bereits ergebnisbasierte IoT-Anwendungen haben,“ erklärt Nayyar. „Alle unsere IoT-Anwendungen werden von unserer IoT-Plattform angetrieben, einer Erweiterung unserer Kern HANA-Plattform, die in der Cloud oder On Premise laufen kann.“

Für das nächste Jahr erwartet die SAP-Expertin wirtschaftsnahe, ergebnisbasierte IoT-Anwendungen für das Gesundheitswesen, die Versicherungsbranche, sowie Städte und die Landwirtschaft. Die Anwendungen dafür sind so konzipiert, dass IoT-Daten über Analytics ausgewertet werden und Unternehmen helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Mehr als Ergebnisse: Die grundlegenden Elemente von SAP IoT

Während erfolgreiche Business-Einsätze das A und O für die Akzeptanz von IoT sind, sagt SAP auch, dass ihre Kunden nach Unterstützung bei der IoT-Konnektivität und den Middleware-Layers suchen.

Zu Beginn dieses Jahres veröffentlichte SAP ein neues IoT Foundation Bundle für HANA. Unternehmen sollen damit beim Management von IoT-Daten unterstützt werden. Das Paket hilft Organisationen, Daten zu filtern, zu aggregieren und zu korrelieren und die Informationen kostengünstig zu speichern. Außerdem unterstützt es beim Einsatz von SAP HANA Vora für Big-Data-Analysen. SAP hat auch seinen IoT SIM Management Konnektor für HANA integriert, der die Verwaltung der Verbindung von zellulären IoT-Geräten erleichtert.

Das SAP IoT Foundation Bundle arbeitet eng mit SAPs neuem IoT Intelligent Edge Processing Bundle für HANA zusammen. Das Edge Processing Bundle besteht aus einer Edge-Datenbank und einem Sync-Client sowie SAP Plant Connectivity.

Neben der Analytics- und Connectivity-Software brauchen SAP-Anwender auch noch Sensoren, Geräte und Hardware, um ihre IoT-Architekturen zu bauen.

Warum IoT so schwer ist

Im Vergleich zu technologischen Umwälzungen wie Mobilität und Cloud ist der Anwendungsbereich des Internets der Dinge viel breiter und geht tiefer als Cloud und Mobility zusammen. Zunächst ist da die schiere Anzahl der potentiell verwendeten Sensoren. Nimmt man die Schätzung der Analystenhäuser, sind mehrere Milliarden Sensoren nötig. Schon allein in alltäglichen Consumer-Geräten wie Kleidung, Fahrzeugen und Werkzeugen werden Milliarden von IoT-Sensoren verwendet.

Ein großer Teil der Daten wird über irgendeine Form von Mobilfunknetz reisen. Für Verbindungs- und Skalierungszwecke wird IoT auch eine starke Dosis Cloud Computing nutzen. Die Architektur wird weiter durch Gateways verkompliziert, die weit entfernt von den Unternehmensservern sitzen - die aber die Analyseprozesse starten und Daten-Bits von Geräten an den Rändern einsammeln. Diese zerlegen sie dann, bevor sie eine Teilmenge an leistungsfähige Analyseanwendungen weiterleiten. Dort wird dann aus den Daten etwas nützliches herausgeholt.

„Weil noch nichts davon standardisiert ist, lassen sich große Unternehmen bislang nur langsam auf IoT ein“, sagt Roger Kay, Principal Analyst von Endpoint Technologies Associates, und fügt hinzu, dass das Internet der Dinge zudem „das nicht-triviale Problem hat, den Strom von Daten von entfernten Geräten mit den Datenbanken größerer Unternehmen zu verbinden.“

SAP IoT-Partnerschaften

Nayyar sagt, dass SAP für die Lösung der Konnektivitätsproblematik aktiv Partnerschaftem mit Sensor- und Geräteherstellern eingegangen ist. Ebenso gibt es Partnerschaften mit Gateway-Providern um sicherzustellen, dass die Intelligent-Edge-Software von SAP in Gateways integriert wird. Nur so kann gewährleistet werden, dass Daten gefiltert und nur nützliche Daten an SAP-Anwendungen ausgeliefert werden.

SAP und Dell kombinieren für das Internet der Dinge Dells intelligentes Edge Gateway 5000 mit SAP-Software. Damit ist es möglich, die IoT-Datenverarbeitung schon auszuführen, bevor die Daten HANA erreichen. SAP arbeitet auch eng mit Hitachi, OSIsoft, Cisco, Intel und Siemens zusammen. „Aktuell führen wir Gespräche mit GE“, ergänzt Nayyar.

Aber das ist nicht alles: SAP geht auch Partnerschaften mit Telekommunikationsunternehmen auf der ganzen Welt ein, um sicherzustellen, dass IoT-Konnektivität in möglichst vielen Schlüsselregionen möglich ist. Dies ist besonders wichtig für Sendungsverfolgungsanwendungen und Unternehmen, die Wirtschaftgüter verfolgen müssen.

Immer noch eine große Herausforderung für SAP-Kunden ist es herauszubekommen, welchen Sensoren, Geräten und Anbietern von IoT-Lösungen sie vertrauen sollen. „Der Markt ist fragmentiert, vor allem am unteren Ende – es gibt so viele Player, Sensortechnologien und Verbindungstechnologien“, erklärt Nayyar. „Diese machen eine Menge chaotischen Lärm.“

Ein Teil von SAPs IoT-Mission ist folglich, seinen Kunden bei der Auswahl zu helfen. Das ist viel einfacher, wenn SAP einen strategischen Partner zur Hand hat, der bei IoT-Implementierungen unterstützen kann. „Wir nähern uns dem Thema stark über die Industrie an, indem wir Standard-Anwendungsfälle mit präsentierbaren Vorteilen suchen, bevor andere das tun“, sagt Nayyar. „Wir beginnen mit dem Ergebnis und bringen dann Partner ein, die bei der Connectivity unterstützen, um dann möglichst alles aus einer Hand zu bekommen.“

Mehr zum Thema SAP:

SAP HANA Hadoop Erweiterung: Ein großer Schritt in Richtung Internet der Dinge.

SAP TechEd && d-code: SAP möchte das Internet der Dinge antreiben.

Schlanke HANA-Version angekündigt: SAP bringt HANA Express Edition heraus.

Interner versus externer SAP-Support: Die Vor- und Nachteile.

SAP HANA Vora: Die Engine setzt Expertise für Apache Hadoop und Spark voraus.

Darüber hinaus hat SAP ein IoT Consulting Services Team geschaffen, das Unternehmen in jeder Phase der digitalen Transformation helfen kann. Die Leistungen reichen vom Erstellen von Roadmaps über Hilfe beim Proof of Concept bis zur schnellen Bereitstellung von Dienstleistungen. Die meisten SAP IoT-Anwendungen gehen bislang vom Kunden aus und die müssen sich mit vielfältigen Sensortypen, Anschlussschichten und Geschäftszielen beschäftigen.

Insgesamt gesehen ist die Reise zu hochskalierbaren IoT-Anwendungen weit entfernt von einem kurzen Tagestrip, sagt Frank Gillett, Vice President und Principal Analyst bei Forrester Research.

„Ich glaube, der Hype um das Internet der Dinge ist vollkommen richtig. Denn er hilft uns zu verstehen, dass das auf lange Sicht eine große Sache sein wird. Aber es wird sehr viel langsamer und komplexer gehen, als wir es gewohnt sind“, sagt Gillett. „Es gibt nicht die eine Technologie, keinen einheitlichen Standard – und den wird es auch nie geben. Es gibt viele verschiedene Anwendungsfälle, die grundlegende organisatorische Änderungen voraussetzen, einschließlich neuer Geschäftsmodelle für Kunden, die sich im Laufe der Zeit mitentwickeln werden.“

Folgen Sie SearchEnterpriseSoftware.de auch auf Twitter, Google+ und Facebook!

Artikel wurde zuletzt im Dezember 2016 aktualisiert

Pro+

Premium-Inhalte

Weitere Pro+ Premium-Inhalte und andere Mitglieder-Angebote, finden Sie hier.

Essential Guide

Industrie 4.0 und IoT: Bestandsaufnahme, Best Practices und Sicherheit

Diskussion starten

Schicken Sie mir eine Nachricht bei Kommentaren anderer Mitglieder.

Mit dem Absenden dieser Daten erklären Sie sich bereit, E-Mails von TechTarget und seinen Partnern zu erhalten. Wenn Ihr Wohnsitz außerhalb der Vereinigten Staaten ist, geben Sie uns hiermit Ihre Erlaubnis, Ihre persönlichen Daten zu übertragen und in den Vereinigten Staaten zu verarbeiten. Datenschutz

Bitte erstellen Sie einen Usernamen, um einen Kommentar abzugeben.

- GOOGLE-ANZEIGEN

SearchSecurity.de

SearchStorage.de

SearchNetworking.de

SearchDataCenter.de

Close