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Welche Möglichkeiten bietet SAP EWM für Kitting-Prozesse?

Kitting kann aus SAP ECC oder SAP EWM in den Geschäftsszenarien Kit-to-Stock und Kit-to-Order angestoßen werden. Reverse Kitting ist in EWM verfügbar.

Kitting (Englisch für Kit: Bausatz) ist der Prozess des Zusammenstellens der Komponenten oder Teile eines Produktes. Es besteht aus dem montierten Produkt – dem Kit-Header – und den Kit-Komponenten. Meist werden Einzelkomponenten beziehungsweise Einzelteile nach Kundenwunsch zu einem Kit zusammengestellt. Dies erfolgt bereits im Lager. Produzierende Unternehmen setzen solche Kit-Prozesse ein, um von weniger Materialtransporten und kürzeren Prozesszeiten durch optimierte Fertigungsprozesse zu profitieren.

Kitting gibt es in drei Szenarien: Kits können entweder in einem Kit-to-Stock-Geschäftsszenario auf Vorrat gefertigt und nach dem Erstellen in den Bestand überführt werden. Oder sie werden in einem Kit-to-Order-Geschäftsszenario erst dann zusammengebaut, wenn ein Kundenauftrag eingeht. Reverse Kitting ist das Zerlegen von bestehenden Kits in die ursprünglichen Komponenten, um diese wiederzuverwenden. Die Demontage eines Bausatzes ist auch in SAP Extended Warehouse Management (EWM) verfügbar.

Unternehmen, die SAP ERP Central Component (ECC) für die Mehrzahl ihrer Business-Transaktionen und EWM für Logistikprozesse verwenden, können wählen, ob sie ECC oder EWM als primäres ERP-System für den Kitting-Prozess verwenden möchten. Sowohl ECC als auch EWM sind Bestandteile der Business Suite.

Hier ist ein tiefergehender Blick auf Kitting in SAP.

Kit-to-Stock

In Kit-to-Stock wird der Kitting-Prozess in ECC durch einen Fertigungsauftrag für ein halbfertiges oder fertiges Produkt – das Kit – ausgelöst. Dieser Produktionsauftrag wird regelmäßig erstellt, um Kits in Erwartung des zukünftigen Bedarfs zu montieren – man spricht von Make-to-Stock, im Deutschen: Auftragsfertigung. Die montierten und gelagerten Kits werden gegen Kundenaufträge oder bei Bedarf zur Verwendung in einem Enderzeugnis verkauft.

Da ECC das Hauptauslösesystem für das Kitting ist und aufgrund der Integration von ECC und EWM erstellt EWM eine Auslieferungsanforderung (Outbound Delivery Request) zur Ausgabe der für das Kitting erforderlichen Komponenten. Die Kits werden in EWM dann über eine Anlieferungsanforderung (Inbound Delivery Request) empfangen, und die Bestandsinformationen werden sowohl in EWM als auch in ECC aktualisiert.

Wenn EWM das primäre System ist, das die Auftragsfertigung anstoßen soll, wird in EWM eine logistische Zusatzleistung (Value-Added Service, VAS) für Kits angelegt. Dieser VAS-Auftrag erstellt einen Auslieferungsbeleg (Outbound Delivery Document) zur Ausgabe der Komponenten eines Kits, während die Erstellung des Anlieferungsbelegs (Inbound Delivery Document) gewährleistet, dass EWM die montierten Kits entgegennehmen kann.

Kit-to-Order

In Kit-to-Order wird ein Kit gebaut, wenn ein Auftrag eingeht. Ein Kundenauftrag in ECC löst das Kit-to-Order-Kitting aus und führt zur Erstellung einer Auslieferungsanforderung in EWM, um die Komponenten eines Kits aus dem Lager auszugeben. Durch die Erstellung eines Anlieferungsbelegs wird sichergestellt, dass EWM die montierten Kits an das Lager liefern kann. Alle Bestandsinformationen der Komponenten und Bausätze der ausgegebenen Kits werden gleichzeitig in ECC und EWM aktualisiert.

In einem Kit-to-Order-Szenario mit EWM als primärem ERP-System wird ein VAS-Auftrag mit einem Work Center verwendet, wenn die Kosten von Montagesets im Unternehmen erfasst werden müssen. Wenn jedoch die Kosten für den Zusammenbau der Kits irrelevant sind, dann dient der VAS-Auftrag ohne Work Center diesem Zweck, da die Zusammenstellung der Kits im allgemeinen Verpackungsbereich des Lagers erfolgt.

Die dritte und einfachste Möglichkeit für Kit-to-Order ist die Montage von Kits im Kommissionierbereich. Das bedeutet, dass die Komponenten der Kits gleichzeitig mit dem Hauptprodukt kommissioniert und versendet werden, sobald das Endprodukt versandfertig ist.

Abbildung 1 zeigt den Hauptbildschirm von EWM mit der Option für Kit-to-Order.

Make-to-Oder-Kitting in SAP EWM.
Abbildung 1: Make-to-Oder-Kitting in SAP EWM.

Reverse Kitting

Reverse Kitting ist der Prozess der Demontage von Kits. Dies ist dann relevant, wenn Kits nicht mehr benötigt werden oder wenn die Komponenten eines Kits für ein anderes Produkt oder eine andere Baugruppe gebraucht werden.

Die Demontage des Bausatzes löst in EWM ein VAS-Auftrag für Reverse Kitting aus. Der VAS-Auftrag kann mit einer Stückliste (Bill of Materials, BOM) angelegt werden, damit das System die Komponenten des Kits zusammen mit seinen individuellen Mengen zerlegen kann. Ein VAS-Auftrag ohne Stücklisten erfordert es, dass ein Lagerarbeiter die Komponenten des Kits, die in den Bestand zurückgegeben oder zurückgenommen werden, manuell eingibt.

Unternehmen, die die Einführung von SAP S/4HANA planen, sollten wissen, dass EWM zu S/4HANA gehört, so dass S/4HANA den gesamten Kitting oder Reverse-Kitting-Prozess managen kann.

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Artikel wurde zuletzt im Dezember 2017 aktualisiert

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