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Der Zugang zu Daten ist nicht nur eine IT-, sondern auch eine Management-Frage

Anwender waren früher vor allem Datenkonsumenten, heute analysieren sie Daten selbst. Dadurch ergeben sich aber auch Spannungen zur Data Governance.

Die Herrschaft aller ist ein bedeutendes, aber oft auch mühsames Geschäft: „Demokratie ist die Notwendigkeit, sich gelegentlich den Ansichten anderer Leute zu beugen“, sagte bereits Winston Churchill. Klar, wer die anderen mitreden lässt, der muss eben auch an der einen oder anderen Stelle mit abweichenden Meinungen, Widerspruch oder Gegenvorschlägen rechnen.

Was für die Staatstheorie gilt, gilt nicht weniger für die Data Democracy in Unternehmen. Leistungsstarke Business-Intelligence-Lösungen, die vor allem durch Self Service überzeugen, fassen, analysieren und visualisieren im Big-Data-Zeitalter riesige Datenmengen – und eröffnen Einblicke, die so vorher nicht möglich waren.

Daten fangen an, unentdeckte Zusammenhänge offenzulegen. Sie beginnen zu „sprechen“ und Geschichten zu erzählen – aber eben nur denen, die Zugang zu ihnen haben. Das kann im besten Fall die Arbeit revolutionieren: Weil User mit selbst gebauten Dashboards genau die Inhalte aus dem Data Lake evaluieren und visualisieren können, die für sie wichtig sind, ohne sich mit dem riesigen Rest des Datenbestands befassen zu müssen. Neue Einsichten können gewonnen werden. Ideen können sprudeln, wo bislang Ratlosigkeit herrschte. Und die Mitarbeitermotivation kann neue Höhen erreichen, wenn Data Discovery im Do-it-Yourself-Verfahren signalisiert: Herrschaftswissen war gestern, jetzt sind Klugheit und Kreativität aller gefragt.

Doch im weniger idealen Fall? Bohren Mitarbeiter plötzlich tief in Daten hinein, die man bisher eigentlich ganz gerne von ihnen ferngehalten hat? Verschaffen sie sich Zugang zu sensiblen Geschäftsdaten, die auch den Wettbewerb interessieren könnten? Manipulieren sie Daten nach ihren persönlichen Interessen oder zur Verschleierung? Oder gieren sie „nur“ nach den Kunden von Kollegen, die sie ohnehin nicht leiden können? Jedes Szenario allein ist schon geeignet, Geschäftsführern und IT-Verantwortlichen Magenschmerzen zu bereiten. Denn Haftungsfragen bei Datenlecks oder -klau können sehr unangenehm werden, wenn deswegen irgendwo Schaden entsteht.

Doch lässt sich das überhaupt verhindern? Ist Self Service BI nicht automatisch der sichere Todesstoß jeder Data Governance? Fest steht: Governance in der IT darf kein Nebenschauplatz sein, mit dem man sich nur widerwillig befasst, wenn in Beschaffung, Produktion oder Vertrieb gerade nichts zu tun ist (also fast nie). Data Governance ist eine Querschnittsaufgabe, die Sensibilität in allen Unternehmensbereichen braucht und nicht vernachlässigt werden darf. Optimale Anwendung von Self Service BI (möglichst alles, was neue Einblicke verschaffen könnte, wird analysiert, visualisiert und interpretiert) und notwendige Zugriffsbegrenzung zum Data Lake (um Manipulation von Daten, das unautorisierte Abfließen von Daten oder Spionage zu verhindern) sind die beiden Leitplanken der komplexen Reise in eine datengetriebene Business-Zukunft.

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Wer Zugang zu welchen Quellen erhalten soll (etwa durch Beschränkungen im Drill Down, durch Anonymisierung detaillierter Daten oder Ausschluss bestimmter Datenbereiche), ist nicht nur eine IT-, sondern vor allem eine Management-Frage, die eng mit Ressourcenplanung, Prozessgestaltung und letztlich Innovation zusammenhängt. Auch bei Unternehmen, die sich ein umfängliches und effektives Daten-Management zu Gute halten, sind sich die Verantwortlichen längst nicht überall sicher, dass die Daten auch bei den Mitarbeitern ankommen, die am meisten damit anfangen können. Das hat die jüngste Studie des Wall Street Journals und Qlik ergeben.

Auch verstehen mangels nachvollziehbarer Visualisierung in vielen Unternehmen Mitarbeiter das Datenmaterial gar nicht, das sie serviert bekommen. Self Service BI setzt unter anderem hier an und bewegt sich vom Aufbereiten der Daten zum Daten-Buffet. Funktionell gestaffelte Zugangsmodelle können den Umfang des Datenzugriffs bestimmten Tätigkeiten und Rollen im Unternehmen zuordnen (zum Beispiel Aufgaben mit oder ohne Kundenkontakt, mit oder ohne Steuerungsfunktion oder im Lieferantenbereich).

Die erweiterte Diskussion um gesetzliche und betriebliche Governance führt auch zu Security-Fragen wie Tracking, das nach dem Zuordnen von Zugriffs- und Handlungsrechten nachvollziehbar macht, welche Daten von welchen Endpunkten abgefragt wurden. Oder wer wann Daten verändert hat, beziehungsweise in welchen Kombinationen Daten-Matches aufgesetzt wurden. Allerdings: Wer einfachen Zugang zu großen Datenmengen, unkomplizierten Dashboard-Bau und verständliche Visualisierung erwartet, will nicht bei den ersten Schritten ausgebremst werden oder sich durch die gefühlte Beobachtung permanent gehemmt fühlen.

„Data Governance ist eine Querschnittsaufgabe, die Sensibilität in allen Unternehmensbereichen braucht und nicht vernachlässigt werden darf.“

Robert Schmitz, Qlik

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Ob Mitarbeiter tatsächlich sinnvoll und im Interesse des Unternehmens mit Self Service BI arbeiten – oder ihre eigentliche Arbeit vernachlässigen, um mit Dashboards „à la carte“ unbefugt durch Bilanzen, Quartalsberichte, Vergütungsmodelle, Provisions- oder Bonus-Zuweisungen zu steuern –, ist eine polarisierende Frage. Aber eine, die sich Manager beim Thema BI immer wieder stellen. Daher muss konsequenterweise gelten: Data Compliance sollte in einer Big-Data-Umgebung nicht aus dem Management ausgelagert, sondern aktiv ins Management hinein geholt werden. Ob dementsprechend eingesetzte C-Level-Manager (CDO, CIO) oder die verschiedenen Abteilungsleiter die nötige Relevanz von Data Governance als Querschnittsaufgabe gewährleisten, hängt vom einzelnen Unternehmen ab. Sicher ist jedoch, dass Zugänge, Zuständigkeiten, Kompetenzen und Befugnisse eindeutig und transparent organisiert werden müssen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Anwender früher vor allem Datenkonsumenten waren. Heute beschäftigen sie sich mit Analyse und Visualisierung. Sie werden zu Datenakteuren und lernen so viel über ihr Unternehmen, über Kunden und Geschäftsprozesse. Die Anwender von Self-Service-BI-Lösungen können sich nach Bedarf eigene Dashboards bauen und das auswerten, was für sie am wertvollsten ist – in der für sie besten Form. Nicht nur unternehmensinterne Daten sind dabei interessant, sondern unter Umständen auch Geodaten, soziodemografische Inhalte oder Wetterdaten, welche in die Betrachtung einbezogen werden können.

In der Bewertung der selbst analysierten und visualisierten Daten ziehen Mitarbeiter ihre eigenen Schlüsse über das Erkannte. Freies, kreatives und konstruktives Arbeiten, allerdings in einem verwalteten Datenraum: Das ist ein vielversprechender Ansatz, um im Spannungsfeld zwischen Self Service BI und Governance bestmögliche Resultate zu realisieren.

Über Robert Schmitz:
Robert Schmitz ist als Country Manager DACH beim Visual-Analytics-Anbieter Qlik für Deutschland, Österreich und die Schweiz verantwortlich.

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Artikel wurde zuletzt im August 2016 aktualisiert

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