Wer sind die Gewinner und Verlierer der Übernahme von Concur durch SAP?

SAP hat Concur übernommen. Werden die Kunden beider Firmen dadurch nun gewinnen? Die Meinungen der Analysten und Berater zu dieser Frage sind geteilt.

Während der Kauf von Concur durch SAP allgemein begrüßt wurde, findet zumindestens ein Analyst, dass die Anwender die Verlierer dieses Deals sind. „Die Anteilseigner von Concur sind glücklich. Ich wüsste nicht, warum das auf irgendjemand sonst zutreffen sollte“, sagt Duncan Jones, Analyst bei Forrester Research.

SAP gab Mitte September bekannt, die Firma Concur, einen Anbieter Cloud-basierter Software für Reisekosten- und Spesen-Management, für 8,3 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen und damit weiter zu wachsen. Der mittlerweile abgeschlossene Concur-Kauf ist der bislang letzte Schachzug im Bestreben von SAP, sein Cloud-Portfolio durch Akquisitionen zu erweitern

Es gibt kein zweites Ariba. Und es gibt kein zweites Concur.

Holger Mueller, Principal Analyst, Constellation Research

Bereits 2012 erwarb SAP mit Ariba einen Anbieter einer Cloud-basierten Beschaffungsplattform für 4,3 Milliarden Dollar. Beim Kauf von Fieldglass, einem Anbieter von Cloud-Software für das Management externer Mitarbeiter im Jahr 2013 blieb die Kaufsumme unveröffentlicht. Was aus dem eigenen Konkurrenzangebot SAP Cloud for Travel and Expense künftig werden soll, wurde bisher auch nicht bekanntgegeben.

Jones sagt, er finde die Behauptung von SAP-CEO Bill McDermott, dass nur SAP mit Ariba, Concur und Fieldglass ein solch komplettes Cloud-Portfolio für das Ausgaben-Management besitze, etwas seltsam. „Ich frage mich, warum es irgendjemanden interessieren sollte, dass SAP über ein solch komplettes Angebot verfügt? Wer hat etwas davon, dass SAP all diese Applikationen besitzt? Sie stehen jede für sich. Sie haben kein durchgängiges Look and Feel”, so Jones.

Analysten sind unterschiedlicher Meinung

Laut Holger Mueller, Vice President und Principal Analyst bei Constellation Research in San Francisco stärkt der jüngste Schachzug die Position als Anbieter von Ausgaben-Management, die SAP durch den Einkauf von Ariba und Fielglass gewonnen hat. „Sie ziehen in diesem Bereich an allen anderen vorbei. Sie kaufen die Park Avenue des Ausgaben-Managements”, sagt Mueller. Damit würde ein Monopol in dieser Softwarekategorie geschaffen. „Es gibt kein zweites Ariba. Und es gibt kein zweites Concur."

Der Concur-Kauf beinhaltet die Integration eines Buchungssystems für Fluglinien, Hotels und andere Reiseanbieter, das SAP aus eigener Kraft nur schwer hätte aufbauen können. „Das ist eine ganze Menge Arbeit und ein großer Wert", sagt Mueller. Außerdem kommt SAP seinem Ziel näher, die meisten Cloud-Kunden aller Anbieter zu gewinnen. Für SAP-Anwender würden letztlich neue Ausgaben-Management-Produkte aus der Übernahme hervorgehen, so Mueller.

Berater Ethan Jewett sagt, dass Wachstum durch Akquisition in diesem Fall die einzige Alternative für SAP zu sein scheint: „Insgesamt würde ich sagen, es ist ein guter Zug. Die Stärke von SAP ist der Geschäftsprozess und während sie Fortschritte mit technischen Cloud-Angeboten gemacht haben, hatten sie in diesen Bereichen Mühe, Schritt zu halten", sagt Jewett. „Da scheint Wachstum durch Akquisition die nächstbeste Strategie zu sein."

Cindy Jutras, Direktorin der Unternehmensberatung Mint Jutras, nannte den Kauf ebenfalls einen geschickten Zug, der gut zu dem passe, was SAP mit den Akquisitionen von Ariba und Fieldglassen begonnen habe. „Es baut auf dem Konzept von Business-Netzwerken auf und ist durchgängig Cloud-basiert", sagt Jutras. „Ich habe Concur schon benutzt. Es ist fast schon schwierig, überhaupt jemanden zu finden, der es noch nicht benutzt hat."

Dennoch würden letztlich weder SAP noch Concurs Benutzer von dem Deal profitieren, so Jones. „Bestehende Concur-Kunden gewinnen nicht. Sie verlieren vielmehr einen Anbieter, der auf sie und ihren Bereich fokussiert ist", sagt der Forrester-Analyst. SAP Kunden hingegen würden frustriert, weil sie ihr Geld in die SAP-eigene Lösung für Reisekosten- und Ausgaben-Management investiert haben, und jetzt erleben müssten, wie SAP zugibt, dass die Lösung von Concur die bessere war.

Kunden wollen Software, die integriert ist, auf der gleichen Technologie beruht und ein einheitliches Look and Feel bietet, so Jones. „Concur ist keine SAP-Lösung. Es ist eine Concur-Lösung im Besitz von SAP. Das ist nicht das, was die Kunden wollten."

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Artikel wurde zuletzt im Februar 2015 aktualisiert

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