Dieser Artikel ist Teil unseres Guides: SAP HANA: Die In-Memory-Lösung von SAP verstehen und nutzen

Wie es in Zukunft mit der SAP Business Suite und SAP HANA weitergeht

Datenbank, Analyseanwendung, Entwicklungsplattform: SAP pusht HANA als allumfassende Plattform. Potenzielle Kunden könnte dies jedoch abschrecken.

Es ist etwa vier Jahre her, da war HANA bei SAP lediglich ein neues, aufstrebendes und teilweise akademisch angehauchtes Projekt für die künftige Gestaltung von Anwendungsarchitekturen. Heute dagegen steht das In-Memory-Datenbanksystem im Zentrum sämtlicher Technologievorhaben von SAP. Es soll künftig außerdem die Basis für alle eigenen Business-Applikationen bilden, wie Vishal Sikka, Chief Technology Officer (CTO) von SAP, auf der letztjährigen Entwicklerkonferenz TechEd in Las Vegas verkündete.

Schon seit Anfang 2013 können SAP-Kunden auf der In-Memory-Plattform alle ERP-Anwendungen betreiben, von der SAP Business Suite bis hin zu den Mittelstandslösungen SAP Business All-in-One, der On-Demand-Software SAP Business ByDesign oder SAP Business One. SAP hat eigenen Angaben zufolge bereits mehr als 1.500 Kunden, die ihre Systeme auf SAP HANA betreiben. Die „Early Adopter“ weisen im Hinblick auf die Branchenzugehörigkeit oder Herkunftsregion kein eindeutiges Profil auf. Gleiches gilt für den Umfang der jeweiligen SAP-HANA-Projekte, denn die Installationen reichen von 20 bis hin zu 100.000 Endanwendern. Dabei setzt der IT-Konzern aus Walldorf mit seinen mehr als 66.000 Beschäftigten, getreu dem Motto „SAP runs SAP“, die In-Memory-Plattform im eigenen Haus für den Betrieb seiner transaktionalen und analytischen Applikationen ein. Das ist Bestandteil der IT- und Geschäftsstrategie. Den Finanzabschluss für das dritte Quartal 2013 hat der Softwarekonzern erstmalig auf SAP HANA ausgeführt.

Geschäftsprozesse beschleunigen oder vereinfachen

Die von SAP genannte Zahl von HANA-Kunden ist nicht schlecht, aber auch nicht berauschend. Immerhin muss berücksichtigt werden, dass die SAP Business Suite powered by SAP HANA erst seit einem knappen Jahr verfügbar ist. Allerdings stellt sich die berechtigte Frage, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass tausende Business-Suite-Kunden rund um den Globus ihre bestehende SAP-Landschaft in absehbarer Zeit auf die In-Memory-Plattform portieren wollen. Um Kunden zum Umstieg auf SAP HANA zu bewegen, warb SAP ursprünglich damit, dass Geschäftsprozesse dadurch dramatisch beschleunigt würden. Inzwischen hat der Softwarehersteller seinen Argumentationsschwerpunkte verlagert: Im Mittelpunkt steht nun nicht mehr die Geschwindigkeit, sondern die Vereinfachung der Geschäftsprozesse.

Von den Unternehmen, die Anwendungen der SAP Business Suite einsetzen und diese frühzeitig auf HANA umgestellt haben, sehen speziell kleinere Firmen in der In-Memory-Technologie eine Möglichkeit, bestehende Geschäftsprozesse – besonders branchentypische Abläufe – zu überdenken und mithilfe des Echtzeitbetriebs effizienter zu machen. Allerdings hat eine große Zahl dieser Betriebe bereits viel Geld investiert, um das eingesetzte SAP-ERP-System an industriespezifische wie auch an individuelle Prozessanforderungen anzupassen. Die spannende Frage ist, ob diese Unternehmen in absehbarer Zeit bereit sind, durch den Einsatz der In-Memory-Plattform eine weitere große Umstellung in ihrem ERP-System vorzunehmen.

Kostensenkungen für ERP on HANA klar beziffern

Für die Kunden dürfte ein deutlich stärkeres Argument für die Migration der bestehenden ERP-Installation auf SAP HANA jedoch sein, ob sich die Vereinfachung von Geschäftsprozessen und eine höhere Geschwindigkeit in bezifferbaren Kostensenkungen widerspiegelt. Wenn SAP darüber spricht, dass sich Finanzprozesse mit SAP ERP on HANA einfacher und schneller ausführen lassen und zugleich in einer schlankeren IT-Architektur laufen, ist davon auszugehen, dass der IT-Konzern beträchtliche Kosteneinsparungen bei der Hardware und den Storage-Systemen erwartet. Sobald SAP in der Lage ist, die Kosteneinsparungen genau zu beziffern – bei einer eigenen HANA-Installation oder bei Referenzkunden –, könnte dies für SAP-Kunden ein Signal sein, das den Zeit- und Kostenaufwand für die Umstellung der IT-Infrastruktur auf SAP HANA rechtfertigt.

Kunden könnten sich ebenfalls für den Umstieg auf die In-Memory-Plattform entscheiden, wenn SAP die Business Suite on HANA in Zukunft um Funktionen für einzelne Branchen erweitert, die dann direkt auf der Datenbank und den Analysetechnologien von SAP HANA aufsetzen. Allerdings sollten SAP-Kunden auf Lücken in der Funktionalität achten, die sich möglicherweise zwischen künftigen Versionen der SAP Business Suite powered by SAP HANA und den Business-Suite-Anwendungen auftun, die noch nicht auf der In-Memory-Datenbank laufen.

Zum jetzigen Zeitpunkt müssen SAP-Kunden prüfen, welche geschäftlichen Vorteile sie realisieren können, wenn SAP-Anwendungen auf HANA gehievt werden, und in welchem Tempo ein Umstieg bewältigt werden soll. Die Early Adopter tendieren hierbei zur technischen Migration. Dazu müssen die jeweils aktuellen Versionen der SAP Business Suite und von SAP NetWeaver eingesetzt werden. Gegebenenfalls ist dafür vor dem Umstieg noch ein Upgrade-Projekt erforderlich. Sie stehen darüber hinaus auch dem Betrieb ihrer SAP-Anwendungen in einer HANA-Cloud aufgeschlossen gegenüber.

SAP steht sich bei HANA selbst im Weg

In gewisser Weise ist SAP sich selbst der größte Feind, wenn es um die Vermarktung von SAP HANA geht. Schuld daran sind nicht zuletzt verwirrende Nachrichten im Hinblick auf die Technologie, zum Beispiel ob HANA eine Analyseanwendung, eine Datenbank oder eine Entwicklungsplattform ist. Die Kunden kritisieren zudem die Preisgestaltung, die sie als teuer oder unklar ansehen. Darüber hinaus tappt man seit Längerem im Dunklen, wie es beispielsweise mit SAP Business ByDesign weitergeht. SAP zufolge soll die On-Demand-Lösung Teil der HANA-Cloud werden. Alles zusammen dürfte bei SAP-Kunden die Wahrscheinlichkeit kaum erhöhen und den Wunsch kaum verstärken, auch tatsächlich auf HANA zu wechseln. Die In-Memory-Anwendung befindet sich derzeit noch in einem relativ frühen Entwicklungsstadium – wie die neuen Plattformstrategien von IBM, Microsoft, Oracle, Salesforce und anderen Anbietern.

Festzuhalten bleibt, dass bei den Walldorfern alle Fragen über die künftige SAP-ERP-Strategie zurzeit mit HANA beantwortet werden. Ob HANA als eierlegende Wollmilchsau taugt, muss sich jedoch erst erweisen. Denn Softwarehersteller verlieren sich am Anfang häufig in allen möglichen Facetten und Möglichkeiten einer neuen Technologie. Etwas später folgt dann meist die Fokussierung auf Kernbereiche, und es werden Partnerschaften etabliert, um die anderen Gebiete abzudecken. Was viele SAP-Kunden derzeit umtreibt, ist die Frage, wie sich die Anwendungen der SAP Business Suite on HANA beim Einsatz in einer hybriden Umgebung verhalten. Die Antworten darauf ist möglicherweise ein richtungsweisender Aspekt für Kunden, die ihr SAP-Portfolio bislang nicht ausweiten wollten oder es aktuell sogar verringern.

Lag 2013 der Schwerpunkt noch weitestgehend auf SAP und dessen Beziehungen zu innovativen HANA-Start-ups, ist für 2014 zu hoffen, dass auch substanzielle Partnerschaften mit anderen großen Softwareherstellern angekündigt werden.

Über die Autorin: China Martens ist eine unabhängige Analystin für Business-Anwendungen und freiberufliche Autorin. Sie ist per E-Mail oder auf Twitter unter @chinamartens zu erreichen.

Folgen Sie SearchEnterpriseSoftware auf Twitter @sentsoftwarede.

Artikel wurde zuletzt im Januar 2014 aktualisiert

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