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Microsoft Exchange Server 2010: Durch E-Mail-Archivierung können SAN-Kosten deutlich steigen

Bei der Archivierung von E-Mails von einem Microsoft Exchange Server 2010 entstehen oft hohe Kosten in Verbindung mit den entsprechenden Storage Anforderungen

Mit Exchange 2010 hat Microsoft Schritte unternommen, die Archivierung von Mail eines Microsoft Exchange 2010 weniger teuer zu machen, sogar in Konfigurationen für hohe Verfügbarkeit (High Availability – HA). Nach Aussagen von Experten kommt es jedoch immer noch stark darauf an, welches Hardware-Setup man für sein E-Mail-Archiv verwendet.

Die Änderungen durch Microsoft zielen hauptsächlich darauf ab, Exchange zusammen mit JBOD oder Direct Attached Storage (DAS) betreiben zu können. Trotzdem könnten es viele Organisationen bevorzugen oder als effizienter empfinden, stattdessen ihre Storage Area Networks (SANs) einzusetzen – und das kann den Betrieb von Exchange 2010 wieder kostspielig machen.

In einem Blog-Beitrag für sein Unternehmen hat David Ferris von Ferris Research die Kosten für den Betrieb von Exchange 2010 mit einem SAN durchgerechnet: „18 Terabyte an NetApp Fibre Channel SAN kosten etwa 240.000 Dollar, wenn man Switches, Controller, Regale und Software mit berücksichtigt“, schreibt er. „Wenn man Snapshots abzieht, bleiben etwa 12 TB an verwendbarem Storage, so dass man auf 20 Dollar pro Gigabyte kommt. Die meisten Kunden betreiben Exchange 2010 in RAID 10, was die Kosten verdoppelt. Außerdem haben viele für bessere Möglichkeiten zur Wiederherstellung redundante Standorte. Damit können die SAN-Kosten insgesamt exorbitante 80 Dollar pro GB erreichen“.

Bei Microsoft Exchange 2010 ist das E-Mail-Archiv Teil des Hauptspeichers für Nachrichten. „Das verbraucht recht viel Storage“, sagt Ferris. Man werde jetzt das Archiv sowie PST-Dateien in einer Art sekundärem Mailbox-Archiv unterbringen, was pro Nutzer 5 bis 10 Gigabyte ausmache – „wenn man dafür SAN-Storage verwendet, kann das ganz schön viel Geld kosten.“

Schon viele Exchange-Nutzer hätten sich über die Kosten für SAN-Storage beschwert, berichtet Ferris und Microsoft habe mit seinen Änderungen genau darauf reagiert. „Modernes JBOD-Storage ist wirklich billig, man bekommt ein TByte davon für 50 bis 100 Dollar“, sagt er. Dies biete zwar nicht die Performance von SAN-Storage, sei als Möglichkeit jedoch auf jeden Fall attraktiv.

Mehrmals in den vergangenen Jahren hat sich Microsoft bei Exchange um solche Wünsche der Nutzer gekümmert. „Die Datenbank-Strukturen wurden sehr genau angesehen und hinsichtlich I/O komplett optimiert“, sagt Paul Stebben, Vice President bei der Beratungsfirma Preeminent Solutions, einem Microsoft Gold Partner. Microsoft habe die Interna der Datenbank sowie Lese- und Schreibvorgänge geprüft und Eingaben und Ausgaben auf Festplatten optimiert. Ein Teil dieser Konzepte sei 2007 eingeführt worden, 2010 habe es eine weitere Überarbeitung gegeben.

Die Betonung von JBOD habe schon mit Exchange 2007 begonnen, sagt Stebben: „2007 wurde das Konzept der mehrfachen Datenbanken mit ständiger Cluster-Replikation eingeführt. Nach einer Microsoft-Empfehlung können Sie auf RAID-Storage verzichten, wenn Sie drei oder mehr Kopien Ihrer Datenbank in Ihrer Umgebung replizieren. Das verringert die Kosten. Wenn Sie drei Kopien Ihrer Datenbank als Replikat haben, brauchen Sie keine HA-Lösung wie SAN mehr. Wenn Sie einen Server verlieren, machen Sie einfach ein Failover zu einer der Kopien.“

SAN oder nicht?

J. Peter Bruzzese, ein unabhängiger Berater für Exchange Server, bezeichnet es als Geldverschwendung, ein E-Mail-Archiv auf High Performance Storage unterzubringen. „Jeder Server hat doch normalerweise Storage, oder“, fragt er. „Angenommen, Sie haben ein SAN für 50.000 Dollar, einen Server, auf dem Exchange und Hyper-V laufen, ein Hardware-RAID dafür und redundante Stromversorgung für den Server. Damit haben Sie ein sehr beeindruckendes Storage. Es ist kein SAN-Storage, aber warum sollten Sie es nicht für das Archiv benutzen?“

Trotzdem zeigen sich viele Storage-Manager noch vorsichtig und zurückhaltend gegenüber billigerem JBOD-Storage. Wenn Sie sich bereits für ein SAN entschieden haben, wollen sie ihr Exchange-Archiv nur ungern anderswo aufbewahren.

„Es gibt viel Trägheit hinter SAN-Storage“, sagt dazu Ferris, „Ihr Support ist daran gewöhnt, und sie haben Systeme und Verfahren für den Fall von Problemen etabliert. Wenn man sich auf SAN-Technologie festgelegt hat, löst man sich nicht von heute auf morgen davon. Wenn Sie also auf Exchange 2010 aktualisieren und seinen Storage-Bedarf mit SAN abdecken wollen, müssen Sie wahrscheinlich viel mehr Geld dafür ausgeben.“

Eine andere Option ist die Verwendung eines Werkzeugs zur E-Mail-Archivierung von einem Drittanbieter. Ursprünglich wurden solche Anwendungen nur entwickelt, um Platz auf Produktiv-Servern frei zu bekommen und Backups zu beschleunigen. Doch wie Ferris erklärt, sind sie deutlich preiswerter als bei Archiven für Exchange 2010 mit SAN-Storage zu arbeiten.

Zudem gibt es noch einen guten Grund dafür, warum Organisationen damit zögern könnten, die in Microsoft Exchange 2010 eingebauten Archiv-Funktionen zu nutzen: Sie sind nicht auf elektronische Beweiserhebung oder Compliance ausgelegt. „Wenn es um Archivierung zu ernsthaften rechtlichen Zwecken geht, also zur Erfüllung von Regulierungsvorschriften, hat Exchange nicht die beste Lösung“, sagt Bruzzese. Die Funktion sei für die Archivierung von Mailboxen gedacht, nicht für Beweiserhebung. „Wenn Sie wirklich anspruchsvolle rechtliche Vorgaben zu beachten haben, dann ja, nehmen Sie ein Zusatzwerkzeug.“

In Bezug auf ihre eigentliche Funktion, nämlich die Archivierung von Mailbox-Daten, seien die Exchange-Möglichkeiten jedoch durchaus ausreichend, so Bruzzese weiter: „Sie können ein Ersatz für Managed Folders sein. Messaging Records Management oder MRM ist schwierig zu konfigurieren, so dass sich hier für manche Administratoren eine einfachere Alternative bietet.“

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