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Anwender wollen Klarheit über indirekte Nutzung von SAP

Das Problem des indirekten Zugriffs ist für SAP-Kunden verwirrend. Die Erklärungsbemühungen von SAP waren aus Sicht von Analysten bisher wenig erfolgreich.

Die zunehmende Verbreitung von Anwendungen, APIs und Cloud-basierten Tools von Drittanbietern hat ein neues Problem für SAP-Anwender verursacht: den indirekten SAP-Zugriff.

Während SAP auf der letztjährigen Sapphire Now die Erhebung von Gebühren für statischen Lesezugriff durch Drittanwendungen ausschloss, sorgten die Beispiele in einem nachfolgenden Whitepaper für weitere Verwirrung. Mehr noch, die Klage von SAP gegen ein britisches Unternehmen aufgrund des indirekten Zugriffs hat in der SAP-Gemeinschaft zu Verstimmungen geführt.

SAP ist allerdings nicht das einzige Unternehmen, das Audits macht und für indirekten Zugriff auf ERP-Systeme Gebühren berechnet. „Auch Oracle, Microsoft und IBM versuchen, lokale Systeme in einer Cloud-basierten Welt zu monetarisieren“, sagt Joshua Greenbaum, Principal bei Enterprise Applications Consulting. „Im Großen und Ganzen kämpfen alle Cloud-Anbieter um zusätzliche Einnahmen.“

Investoren fordern eine höhere Rentabilität, was in einer Welt, in der die Umstellung auf Software as a Service (SaaS) und die Abrechnung nach Nutzung und nicht durch Lizenzvergabe erfolgt, schwieriger denn je ist. Dennoch ist das Problem der indirekten SAP-Zugriffslizenzen ein Problem, das die Kunden immer mehr in Bedrängnis bringt.

„Indirekte Lizenzierung ist Teil einer Reihe von Praktiken, die, offen gesagt, nutzerfeindlich sind und lediglich darauf abzielen, die Welt für die Verkäufer und niemanden sonst zu verbessern“, erklärt Greenbaum.

Data Ownership und Systemnutzung vergrößern Bedenken

Die Frage, wer die Daten besitzt und kontrolliert – SAP oder der Lizenznehmer – ist eine der Schlüsselfragen rund um das Thema indirekter Zugriff, die laut Greenbaum beantwortet werden muss. „SAP wertet die Daten auf, aber auf der anderen Seite bezahlen Sie bereits SAP für die Software“, erläutert er.

Ein weiterer Teil der Gleichung ist die Definition der „Nutzung“ eines SAP-Systems. Laut SAP umfasst der indirekte Zugriff auf SAP-Systeme die Szenarien Order-to-Cash und Procure-to-Pay, die beide auf SAP-ERP-Daten und Änderungsdaten im System zugreifen. Beide Szenarien sowie der indirekte statische Lesezugriff werfen mehr Fragen auf, als dass sie Antworten liefern, und bereiten SAP-Anwendern Kopfzerbrechen, insbesondere wenn sie versuchen, ihre Softwareverträge zu überprüfen.

„Diese Praktiken von [Software]-Unternehmen in Bezug auf Audits, die indirekte Lizenzgebühren offenbaren, sind verwirrend, merkt Greenbaum an. CIOs geraten in eine schwierige Lage, wenn die indirekten Lizenzgebühren die budgetierten Kosten übersteigen und große Summen bei anderen Projekten, die sie geplant haben, auffressen. „Die Verträge selbst sind oft verwirrend, da sie von Industrieanwälten mit weitaus mehr Erfahrung in diesem Gebiet zusammengestellt worden sind als Rechtsanwälte selbst in Großkonzernen“, erklärt er.

Das Verkäufer- wird zum Käufer-Problem

„Das Problem könnte darin liegen, dass das SAP-Vertriebs-Team das Problem des indirekten Zugriffs nicht in den Verträgen selbst, sondern in der Umsetzung des indirekten Zugriffs löst“, ist Duncan Jones, Vice President und Principal Analyst bei Forrester, überzeugt. „SAP ist nicht in der Lage, Vertriebsmitarbeiter zu identifizieren, die den indirekten SAP-Zugang als Vorwand nutzen, um Geld aus Kunden herauszuholen oder sie in Richtung S/4HANA zu drängen.“

Die Antwort liegt für Jones auf der Hand: Der beste Weg [, um indirekte Zugriffsprobleme zu lösen,] ist, dass Account Manager mit Kunden darüber diskutieren und vernünftige Kompromisse eingehen.

In einigen Fällen erfüllt ein Verkäufer eine Quote und sieht indirekte Zugangsgebühren vor allem als Möglichkeit, den Kunden durch Androhung eines indirekten Zugangsanspruchs zur Zahlung oder zum Plattformwechsel zu bringen.

„Dieses Verhalten wuchs in der SAP-Vertriebsorganisation wie ein Virus heran“, sagt Jones. „Gleichzeitig bohrte die Führung nicht nach, wie Verkäufer ihre Quoten einhalten. Das hat eine Vertrauenskrise bei den Kunden ausgelöst. Dahinter stecken überzogene Verkaufsziele, eine aggressive Durchsetzung und unzureichende Governance, damit diese Menschen ihre Ziele erreichen.“

Es hat auch nicht geholfen, dass SAP eine Klage gegen den britischen Getränkekonzern Diageo eingereicht hat. Das Urteil brachte allerdings Klarheit darüber, was indirekte Nutzung heißt. In diesem Fall entschied das Gericht zugunsten von SAP und stellte im Wesentlichen fest, dass ein Benutzer, der über eine Drittanwendung auf die mySAP ERP-Datenbank zugreift, ein benannter Nutzer sein muss und eine Lizenz benötigt.

„Als ich mir das Urteil ansah, war mir nicht alles klar“, sagt Jones. „Einige der Anwendungsfälle, die der Richter beschrieb – waren natürlich der Einsatz von SAP. Wie kann jemand denken, dass er ohne Benutzerlizenzen davonkommen kann?“

Andere Fälle waren allerdings eindeutig keine SAP-Anwendung, und SAP verlor so viele Argumente wie es gewann. „Die Fälle, in denen ein Richter zugunsten von SAP entschieden hat, waren nicht die Szenarien, die Probleme mit den Benutzern verursachen“, fügt Jones hinzu.

Bestehende Richtlinien sinnvoll umsetzen

SAP hat im Juli 2017 ein Whitepaper (PDF) veröffentlicht, in dem versucht wird, die Bedenken bezüglich der SAP-Lizenzierung für indirekten Zugriff zu zerstreuen. Doch einige der Leitlinien, insbesondere im Zusammenhang mit dem indirekten statischen Lesezugriff, bieten nach Ansicht einiger Analysten keine Antworten.

Auch Oracle, Microsoft und IBM versuchen, lokale Systeme in einer Cloud-basierten Welt zu monetarisieren.
Joshua GreenbaumEnterprise Applications Consulting

„Best Practices können besser definieren, was unter 'Nutzung' von Software zu verstehen ist“, sagt Jones. „Meine Leitlinie ist: Wenn der Mensch etwas tut, das Daten an die Software sendet und sie zum Laufen bringt, und diese Ergebnisse an die Benutzer zurücksendet, ist dies eine Nutzung der zugrunde liegenden Software, [egal wie] viele Schichten von Anwendungen und Middleware es durchläuft.“

Zum Beispiel könnte dies den Einkauf über eine E-Commerce-Website einschließen, die den Bestand und die Verfügbarkeit im SAP-System prüft und die Bestellung bestätigt. Dies ist eine sinnvolle Einteilung, da SAP zur Erledigung der Aufgabe benötigt wird.

Schließlich kann es mehr Gerichtsverfahren erfordern – und strengere Vorgaben für die Verkäufer – damit Kunden in der Lage sind, zu verstehen, was indirekte Nutzung ist. Bis dahin sollten Experten bei der Aushandlung von Vertragsbedingungen mitverhandeln und neutral agieren, um hohe Gebühren und mögliche Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden.

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Artikel wurde zuletzt im März 2018 aktualisiert

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