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Blockchain-Gehaltsabrechnung erobert die Personalverwaltung

Große HR-Technologieanbieter arbeiten an Blockchain-Lösungen zur Gehaltsabrechnung. Doch stabile kommerzielle Produkte sind noch nicht in Sicht.

Blockchain-Technologie erobert immer schneller das Mainstream-Geschäft. So hat ADP, ein weltweiter Anbieter von Technologien zur Personalverwaltung (HR) und für die Lohn- und Gehaltsabrechnung, ein Team von Entwicklern zusammengestellt, die an einem Blockchain-basierten Gehaltsabrechnungssystem arbeiten.

Ein weiterer großer HR-Technologie-Player ist Kronos. „Wir evaluieren Blockchain derzeit aktiv für das Gehaltswesen und für andere HR-Anwendungen“, sagt einer der Top-Manager des Unternehmens. Inzwischen melden einige Start-ups, dass sie bereits Blockchain bei der Gehaltsabrechnung und im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr einsetzen.

Blockchain: Potenzial und Gefahren

Die Blockchain-Aktivitäten als Teil der HR-Technologie befinden sich noch in einem frühen Stadium, bestätigen ADP und Kronos. Und auch manche Marktbeobachter stehen der neuen Technologie noch skeptisch gegenüber. Viele sehen den kommerziellen Einsatz von realen funktionsfähigen Blockchain-Gehaltsabrechnungssystemen noch in weiter Ferne.

Doch für ADP und andere erscheinen die Erwartungen, die an die Blockchain-Technologie in den Bereichen Cybersecurity, Identitätsüberprüfung und für automatisierte, sichere Transaktionen geknüpft werden, eine gute Basis für die Abwicklung von internationalen Zahlungen zur Entlohnung von Mitarbeitern.

„Was die Blockchain-Anwendungen und -Gehaltsabrechnungen angeht, so ist das Wichtigste nicht der schnellere grenzüberschreitende Zahlungsverkehr, sondern vor allem, dass diese grenzüberschreitenden Zahlung wesentlich kostengünstiger und fehlerfreier ausgeführt werden“, sagt Tashina Charagi, Vice President für Unternehmensstrategie bei ADP.

Zeitarbeiter mittels Blockchain bezahlen

Laut Charagi sieht ADP auch ein Potenzial für den Einsatz von Blockchain bei der Abrechnung von Zeitarbeitern in der wachsenden Gig-Economy. Diese wollen in Echtzeit bezahlt werden. „Angestellte und Arbeitgeber versuchen derzeit, ihre Zahlungen zu flexibilisieren. Das mit Hilfe der Blockchain-Technologie anzugehen, sollte sich bei den Gehaltsabrechnungen durchsetzen“, sagt Charagi.

Auch Bob DelPonte, Vice President und General Manager der Workforce Ready Group bei Kronos, erklärt, dass man für die Bezahlung der Gig-Economy-Arbeiter und für andere HR-Funktionen ebenfalls Blockchain als nützlich erachtet. „Blockchain bietet Unternehmen tolle Möglichkeiten, um wichtige HR-Aktivitäten zu vereinfachen und zu beschleunigen“, sagt er. „Das reicht von der Identitätsüberprüfung bei der Einstellung, wo neue Mitarbeiter ihre persönlichen Dokumente, wie Bank- oder Steuerinformationen in eine Blockchain laden, bis hin zur Blockchain-basierten Mitarbeiterentlohnung ohne Bankkonten.“

Können große HR-Tech-Anbieter Blockchain betreiben?

Zwar hat der Einstieg von ADP und Kronos in eine Blockchain-basierte Gehaltsabrechnung und in andere HR-Technologien der Seriosität dieser neuen aufstrebenden Technologie gutgetan, doch einige Marktbeobachter sind noch immer nicht überzeugt.

Brent Skinner, Principal Analyst für Human Capital Management (HCM) bei Nucleus Research, sagt: „Ich bin skeptisch, dass die großen Anbieter in der Lage sind, ein Blockchain-Gehaltsabrechnungssystem schnell auf den Markt zu bringen“. Trotzdem sieht auch er ein erhebliches Potenzial für Blockchain im Bereich der HR-Technologie.

Skinner weist darauf hin, dass sowohl ADP als auch Kronos ihre Systeme erst sehr spät in die Cloud verlagert haben, obwohl beide erst kürzlich innovativere Produkte veröffentlichten. „Unterdessen sind agilere Cloud-Only HCM-Anbieter, wie Ceridian und Ultimate Software, mit ihren Innovationen erfolgreicher“, sagt Skinner. „ADP und Kronos haben die Entwicklung moderner HCM-Technologien bislang verschlafen. Es bleibt abzuwarten, ob diese Unternehmen endlich aufgewacht sind.“

„Wenn ADP eine Innovation klar definieren und eng abgrenzen kann, dann können sie das auch entwickeln. Aber so etwas Weitreichendes wie eine Blockchain-Gehaltsabrechnung ist etwas anders. Wobei die Gehaltsabrechnung praktisch das ist, wofür ADP steht“, erläutert Skinner. „Die Gehaltsabrechnung ist das Epizentrum von HCM, doch die Blockchain-Technologie im Bereich von HCM steckt noch in den Kinderschuhen."

Start-up bezahlt mit Blockchain

Trotz der weit verbreiteten Ansicht, dass Blockchain bei den HR-Technologien noch weit hinter entsprechenden Anwendungen, wie bei den Finanzdienstleistungen oder im Gesundheitswesen zurückliegen, haben einige Start-ups bereits Blockchain-basierte Bezahlsoftware entwickelt und vermarkten diese.

Angestellte und Arbeitgeber versuchen derzeit, ihre Zahlungen zu flexibilisieren. Das mit Hilfe der Blockchain-Technologie anzugehen, sollte sich bei Gehaltsabrechnungen durchsetzen.
Tashina Charagi Vice President Corporate Strategy, ADP

Jonathan Chester ist Gründer und Präsident von Bitwage, einem auf Blockchain basierenden internationalen Payment- und Entlohnungssystem. Seine Firma hat derzeit ungefähr zehn Angestellte und befindet sich laut seinen Angaben auf Wachstumskurs.

„Im Moment“, so Chester, „liegt das Hauptgeschäftsfeld von Bitwages bei der Zahlung und Verarbeitung von grenzüberschreitenden Entlohnungen von IT-Entwicklern, die auf Zeitbasis bezahlt werden. Viele davon sind in Brasilien für US-Firmen tätig.“

Bitwage verwendet auch die Kryptowährung Bitcoin. Damit werden den Mitarbeitern weitere Vorzüge angeboten, wie Renten- oder Investitionskonten. Bei der internen Bearbeitung finden die Bitwage-Transaktionen mit Bitcoin statt. Erst wenn die Mitarbeiter entlohnt werden, erfolgt der Umtausch in die lokale Währung. Das verursacht laut dem Unternehmen geringere Kosten, als wenn man stets konventionelles Geld transferieren muss.

Außerdem setzt Bitwage Blockchain ein, um die Zeugnisse und Arbeitszeitnachweise der Mitarbeiter in der Gig-Economy zu verifizieren. Das Unternehmen verfügt über ein eigenes Compliance-Programm und einen brasilianischen Anwalt als Compliance-Beauftragten. „Wir nehmen Compliance sehr ernst", sagt Chester.

Ein weiterer Vorteil von Blockchain für den Arbeitgeber ist die Vereinfachung der internationalen Finanzwege. „Man benötigt für die Transaktionen nicht in jedem Land eine Tochtergesellschaft“, erklärt Chester. „Was die Entlohnung angeht, so schafft Blockchain eine direkte Verbindung zu den Mitarbeitern. Man muss keine lokale Einrichtung schaffen, um neue Mitarbeiter einzustellen.“

Arbeitnehmer mit digitalen Identitäten

Eine der Theorien hinter Bitwage ist die Idee, dass alle Personen bald ihre eigene digitale Identität kontrollieren können. Dabei handelt es sich um portierbare und nachprüfbare Lebensläufe, die auf einer Blockchain gespeichert sind. Dieses noch etwas futuristisch anmutende Konzept unterstützt Jeff Mike, Forschungsleiter bei Bersin, einer auf HR spezialisierten Tochtergesellschaft von Deloitte.

Heute ist vielfach so, dass eine Person, wenn sie bei vier oder fünf verschiedene Unternehmen gearbeitet hat, unterschiedliche Arbeitsnachweise hat, die jeweils im Besitz der früheren Arbeitgeber sind. „In einer Weltwirtschaft mit dem Trend zum globalen Zeitarbeiter, hat Blockchain das Potenzial, personenzentriert zu sein“, ist Mike überzeugt. „Die Hoffnungen, die man gegenwärtig und langfristig an Blockchain knüpft, ist die Möglichkeit einer sicheren digitalen Identität – sicherer sogar als eine konventionelle Datenbank.“

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Artikel wurde zuletzt im Juni 2018 aktualisiert

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