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Für SAP ist S/4HANA die Zukunft – doch was wird aus der Business Suite?

Für SAP ist S/4HANA die Zukunft. Doch das bedeutet nicht, dass die ältere Business Suite bald nicht mehr existiert oder die Migration einfacher wird.

Die Zukunft der SAP Business Suite scheint klar: Für SAP ist S/4HANA die Zukunft der Business Suite. Das überrascht kaum, denn nach zahlreichen HANA-Erweiterungen hat SAP jetzt alles unter der S/4HANA-Marke angesiedelt. Beispielsweise wurde aus Simple Finance S/4HANA Finance.

In Zukunft wird SAP alle neuen Softwaremodule über S/4HANA verbinden – also genau das machen, was man auch in der Glanzperiode der Business Suite getan hat, nämlich stets neue Anwendungen darüber miteinander verknüpfen. Wobei „Glanzperiode“ nicht korrekt ist, denn das hört sich nach verblasstem Ruhm an. Stattdessen behauptet SAP, dass man 35.000 Business-Suite-Kunden hat und dass S/4HANA die nächste Generation der Business Suite darstellt – und zwar sowohl symbolisch als auch buchstäblich.

SAP S/4HANA ist eine neue Technologie, die flexibel genug ist, sowohl die aktuellen Anforderungen der digitalen Wirtschaft zu bewältigen als auch die Rolle der folgenden Business-Suite-Generation zu übernehmen. Sie ist das nächste logische Upgrade, auch wenn diese Version nur noch wenig mit den Vorgängern gemeinsam hat. Das zeigt sich unter anderem am geringeren Daten-Footprint, an schnelleren Analytics-Prozessen, veränderten Geschäftsprozessen, der Cloud-basierten Anpassung und der Tatsache, dass man keine Standard-Datenbanken mehr benötigt.

S/4HANA ist nicht nur ein einfaches Upgrade

„Ich denke, dass die Mehrheit der Business-Suite-Kunden noch nicht in der Position ist, die erforderlich wäre, um auf S/4HANA zu wechseln. Sie wollen mehr Belege dafür sehen, dass das Konzept skalierbar ist, sie wollen eine klare Roadmap, sie wollen wissen, wie sie dahin gelangen können, sie wollen wissen, was es kostet, und sie wollen vor allem die Vorteile von S/4HANA erkennen“, sagt Paul Hamerman, Vice President und Principal Analyst bei Forrester Research.

„Der Wechsel auf S/4HANA ist ein Mammut-Projekt für jedes Unternehmen, das bereits für den Roll-out von ECC 6 viel Geld und Zeit investiert hat. Und jetzt kommen noch die Investitionen für die Migration auf eine neue Version auf einer völlig neuartigen Plattform hinzu. Es wird ein paar Jahre dauern, bis die Hälfte der Kundenbasis ihre Lösungen umgestellt hat – wobei diese Zahl vermutlich noch ein optimistischer Wert ist“, erläutert Hamerman weiter.

Zum Ende des dritten Quartals 2015 hatte SAP 1.300 S/4HANA-Kunden, doch im vierten Quartal explodierten die Verkaufszahlen, sodass es zum Jahresende 2015 2.700 S/4HANA-Kunden waren. Das ist zwar beeindruckend, doch im Vergleich zu den Business-Suite-Kunden ist die Zahl noch bescheiden: Gemessen an diesen sind es nur sieben bis acht Prozent. SAP veröffentlich keine Prozentzahlen, doch es ist eine realistische Annahme, dass viele der neuen S/4HANA-Kunden nicht neu sind, sondern lediglich ihre Business Suite auf die neue Plattform umgestellt haben.

Wer ist der Elefant im Raum – S/4HANA oder die Business Suite?

„Wir haben großen Respekt vor den Investitionen, die unsere Kunden in ihre SAP-Lösungen getätigt haben“, sagt Uwe Grigoleit, Global Head of Business Development for HANA Applications und Global Vice President von SAP. Konsequenterweise verspricht er einen langfristigen Support für die Business Suite. So sollen die Maintenance- und Support-Programme sowie die kontinuierlichen Weiterentwicklungen noch bis mindestens 2025 erhalten bleiben.

„Wir haben vor Kurzem das Enhancement Package 8 für die SAP Business Suite freigegeben“, sagt Grigoleit. Auch in Zukunft werden wir eng mit unseren Kunden an Verbesserungen der Business Suite arbeiten. Das Programm heißt Customer Connect und bedeutet Folgendes: Sobald sich ein Kunde wegen zusätzlicher Produktentwicklungen an SAP wendet, überlegen wir, ob wir das nicht standardisieren können. Customer Connect gibt es auch für die Business Suite, und wir werden das fortsetzen“, erläutert Grigoleit die Kooperation von SAP mit seinen Business-Suite-Kunden. Allerdings sind viele der neuen Software-Verbesserungen nur mit der In-Memory-Datenbank-Architektur von HANA möglich. „Es ist völlig klar, dass sich unsere digitale Kern-Innovation mehr und mehr in Richtung S/4HANA verschiebt“, bestätigt Grigoleit die neue Ausrichtung.

Die Migrationsprobleme bei SAP S/4HANA wirken sich auf die Business Suite aus

„Das größte Risiko, das SAP bei den bestehenden Business-Suite-Kunden hat, ist, dass diese eine Art Fluchtstrategie verfolgen, die etwa so lautet: ‚Ich halte fest an allem, was die Business Suite heute bei mir leistet, doch alles Neue und Innovative beschaffe ich mir auf dem Markt bei anderen Lieferanten, wie Salesforce, Workday, Microsoft oder anderen‘“, sagt Joshua Greenbaum, Principal bei Enterprise Application Consulting.

„Natürlich möchte SAP, dass diese Kunden sagen: ‚Ich kann das ja auch alles von SAP bekommen‘, doch das bedeutet, dass diese Kunden früher oder später dann doch auf S/4HANA wechseln müssen. Und genau das ist SAPs Dilemma“, so Greenbaum weiter. Mit anderen Worten: Die Zukunft der Business Suite hängt davon ab, wie elegant sie irgendwann im Dunkeln der Nacht verschwindet.

Laut Hamerman sind Erfolgsgeschichten der Schlüssel für die Transformation – vor allem Erfolgsgeschichten, bei denen erkennbar ist, dass S/4HANA hoch skalierbar ist. „Von einem technischen Standpunkt aus betrachtet ist sicherzustellen, dass die Migrationsreise erst dann beginnt, wenn der letzte Release-Stand von ECC 6 eingespielt ist“, lautet sein Rat an die Wechselwilligen. Und er hat noch einen wichtigen Hinweis für die erste Zeit nach der erfolgreichen Umstellung: „S/4HANA stellt mit Fiori eine besondere Herausforderung in puncto User-Experience dar“, lautet seine Warnung. So würde die allgegenwärtige neue Benutzeroberfläche häufig auf Widerstand stoßen und viel Trainingszeit verschlingen.

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Mittlerweile hat SAP einiges dafür getan, den Wechsel auf S/4HANA voranzutreiben. Dazu gehört die Strategie, vorwiegend das Top-Management von den Vorteilen zu überzeugen und gleichzeitig die technischen Umstellungsprobleme zu verharmlosen. Grigoleit verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass die Kunden durchaus erkennen, dass S/4HANA die Agilität und Flexibilität bietet, die sie sich wünschen.

An dieser Stelle erscheint ihm noch ein Punkt besonders wichtig: „Wir haben S/4HANA ja nicht von Grund auf neu entwickelt. Es basiert auf der technischen und semantischen Infrastruktur unserer ERP-Systeme, damit ist der Wechsel auf S/4HANA keine Neuimplementierung. Viele haben inzwischen erkannt, dass der Wechsel wesentlich unterbrechungsfreier abläuft, als es ursprünglich befürchtet wurde.“

Doch was ist mit individuellen Anpassungen?

„Unsere Business-Suite-Kunden können ihren individuellen Code mit einem Analyzer auf Verträglichkeit testen. Das Ergebnis ist eine Liste, die aufzeigt, wo es Probleme geben kann. Darüber hinaus bieten wir verschiedene Werkzeuge an, mit denen die individuellen Transaktionen optimiert werden können, und wir haben eine Reihe von Kompatibilitätsbausteine erstellt, mit denen individueller Code garantiert ausführbar ist“, verspricht Grigoleit.

Außerdem gäbe es architektonische Vorteile bei S/4HANA, denn der größte Teil der Anpassungen würde sich auf aggregierte Indextabellen beziehen, die ja bei HANA nicht mehr benötigt werden. Beim Löschen der Indextabellen sei sogar keinerlei Sorgfalt erforderlich. „Wir installieren für jede Tabelle, die wir entfernen, einen Simulator. Das heißt, erfolgt aus einer individuellen Anpassung heraus ein Aufruf einer gelöschten Tabelle, so wird diese dynamisch generiert und dann an das aufrufende Programm unterbrechungsfrei zurückgeliefert“, erklärt Grigoleit diese wichtige Funktion.

Doch Greenbaum sieht noch ein weiteres Problem bei der Umstellung. „Große Unternehmen, die heute die Business Suite im Einsatz haben, werden nicht in der Lage sein, alle Funktionalitäten ein zu eins auf dem neuen System zu replizieren, denn es gibt einige Funktionen, die derzeit bei S/4HANA nicht vorhanden sind – hier ist größte Vorsicht geboten“, lautet seine eindringliche Warnung.

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Artikel wurde zuletzt im August 2016 aktualisiert

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