SAP präsentiert neues Preismodell für indirekten Zugriff

SAP hat ein neues Vertriebs- und Lizenzmodell für die indirekte Softwarenutzung vorgestellt. Die Walldorfer möchten damit jahrelange Diskussionen beenden.

SAP hat sein Vertriebs-, Audit- und Preismodell überarbeitet, um die sogenannte indirekte Nutzung seiner Software zu regeln. Damit reagiert das Unternehmen auf einen jahrelang andauernden Streit mit Nutzern, Anwendergruppen und Kunden.

Die Diskussion um die indirekte Nutzung (Indirect Access) hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter zugespitzt und gipfelte in mehreren Rechtsstreitigkeiten vor Gericht.

Dabei entschied zum Beispiel ein britisches Gericht im Verfahren zwischen SAP und dem Getränkehersteller Diageo im Februar 2017 zugunsten des Softwarekonzerns. In einem anderen Rechtstreit verklagte SAP die Brauereigruppe Anheuser-Busch InBev auf 600 Millionen Dollar.

Indirekter Zugriff: Besserung 2017 versprochen

Bereits auf der Sapphire Now 2017 versprach SAP CEO Bill McDermott Verbesserungen sowie Vereinfachungen in der Lizenzpolitik. Auf der SAP-Hausmesse sagte McDermott damals: „Der Schutz geistigen Eigentums und die Erleichterung von Geschäftstätigkeiten ist ein heikler Balanceakt. Doch selbst wenn wir diese Balance schaffen, müssen wir mehr Einfühlungsvermögen zeigen.“

Als Lösung für diesen Balanceakt kündigte der CEO an, keine Gebühren mehr für den statischen Lesezugriff durch Drittanwendungen zu verlangen: „Heute verkünde ich eine vereinfachte Preisgestaltung. ‚Procure-to-Pay’- und ‚Order-to-Cash’-Szenarien werden nun auf Aufträgen basieren, was ein messbares Ergebnis für jedes Unternehmen ist. Statischer Lesezugriff in Drittanbietersystemen betrifft Ihre Daten, und deshalb wird SAP diese nicht berechnen.“

Trotz dieser Ankündigungen zeigten sich Nutzer, Anwendergruppen (DSAG) und Kunden skeptisch, dass SAP das Problem wirklich gelöst hat. Ein im Juli 2017 veröffentlichtes Whitepaper bot nach Ansicht von Analysten und Kunden keine ausreichenden Antworten auf das Problem.

Mit der Vorstellung des neuen Preismodells sucht SAP nun den Befreiungsschlag und möchte die Diskussion beenden. Laut SAP soll der neue Ansatz dafür sorgen, „dass Kunden ihre SAP-Lizenzen künftig leichter und transparenter nutzen können. Er unterscheidet zwischen direktem/menschlichem (Human Access) und indirektem/digitalem Anwenderzugriff (Digital Access) und schafft klare Regeln bei den Themen Lizensierung, Nutzung und Compliance.“

Das neue SAP-Lizenzmodell

SAP unterscheidet zwischen dem Human Access (vorhanden), der nach Nutzeranzahl berechnet wird, und dem Digital Access, der sich auf den Zugriff über Drittsoftware, IoT-Anwendungen, Bots und/oder andere digitale Zugriffe bezieht. Diese werden auf Basis der vom System verarbeiteten Transaktionen beziehungsweise Dokumente lizenziert. Das Lizenzmodell orientiert sich hierbei am Ergebnis und der Wertschöpfung, die durch bestimmte Transaktionen und Dokumente im ERP-System erreicht werden.

SAP zählt neun Dokumenttypen auf, die aus seiner Sicht einen wertschöpfenden Zugriff auf das ERP-System darstellen und lizenziert werden: Sales Document, Invoice Document, Purchase Document, Service & Maintenance Document, Manufacturing Document, Time Management Document, Quality Management Document, Financial Document und Material Document.

Zusätzlich zum Dokumententyp wird die anfallende Gebühr über einen Faktor berechnet. Dieser liegt bei Financial und Material Documents bei 0,2, bei allen anderen bei 1,0.

Bezahl wird, was in der SAP-Anwendung passiert

„Die von SAP angekündigte Neuorganisation von Preismodell, Vertrieb, Lizenz-Audits und Compliance ist die bemerkenswerte Konsequenz aus intensiven Workshops und Gesprächen mit der DSAG“, erklärt Andreas Oczko, DSAG-Vorstand Operations/Service & Support und stellvertretender Vorstandsvorsitzender. „Mit Hilfe des SAP-Vorstands haben wir gemeinsam eine Vision zum Thema indirekte Nutzung für die Zukunft entwickelt und die Eckdaten für ein neues Lizenzmodell formuliert. Damit ist ein wichtiger erster Schritt getan, um Stolpersteine und Hindernisse aus dem Weg der Digitalen Transformation zu räumen.“

Die von SAP angekündigte Neuorganisation von Preismodell, Vertrieb, Lizenz-Audits und Compliance ist die bemerkenswerte Konsequenz aus intensiven Workshops und Gesprächen mit der DSAG.
Andreas OczkoDSAG-Vorstand Operations/Service & Support

Aus Sicht von Kunden und Anwendern bietet das neue Modell den Vorteil, dass Unternehmen künftig keine Nutzer mehr zählen müssen, die indirekt auf SAP zugreifen. Bezahlt wird, was in der SAP-Anwendung passiert. Abgerechnet wird auf Grundlage der Erstanlage der Dokumente. Firmen müssen hierfür ein bestimmtes Kontingent an Dokumenten kaufen. SAP wird wahrscheinlich Rabatte anbieten, wenn Unternehmen große Kontingente erwerben.

Das neue Preismodell gilt sowohl für SAP S/4HANA und S/4HANA Cloud als auch konventionelles SAP ERP. Bestandskunden haben die Wahl, ob sie beim bisherigen Modell bleiben oder zum neuen Dokument-Preismodell wechseln. Außerdem stellt SAP Konversionsangebote zur Verfügung, mit denen Kunden vom bestehenden auf das neue Preismodell wechseln können.

Neue Regeln bei der Organisation

Die Walldorfer führen außerdem neue Regeln bei Organisation und Governance ein, die zwischen Vertriebsorganisation und -prozessen und der Audit-Organisation und deren Prozessen trennen. Die organisatorischen Änderungen erlauben die Trennung zwischen digitalen Anforderungen und älteren Vertragswerken.

SAP möchte in Zukunft außerdem Messwerkzeuge zur Verfügung stellen, die Kunden in die Lage versetzen, ihren eigenen Nutzer- und Lizenzverbrauch selbst zu überwachen. Das neue Vertriebs-, Audit- und Preismodell startet im April 2018. Weiteres Schulungsmaterial und Tools sollen in den kommenden Monaten folgen. 

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Nächste Schritte

Anwender wollen Klarheit über indirekte Nutzung von SAP.

Vorsicht Kostenfalle: SAP-Apps können indirekte Kosten verursachen.

Welche Support-Services gibt es für SAP-Systeme?

Artikel wurde zuletzt im April 2018 aktualisiert

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